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Sabine Oefner mit den beiden Schildkröten aus Griechenland, die das Ehepaar geschmuggelt hatte. 

Grausam verpackt

Fund am Flughafen: So geht es den geschmuggelten Schildkröten

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Es war eine Entdeckung, bei der selbst die Mitarbeiter des Hauptzollamts München sprachlos waren: Zwei Franzosen haben zwei lebende griechische Schildkröten im Gepäck transportiert. Mit Klebeband in Plastiktüten verpackt. Die Tiere haben überlebt.

München - Die Schildkröten haben qualvolle Stunden hinter sich. In ihrer Heimat Griechenland sind sie Plastiktüten gewickelt und mit Klebeband fixiert worden. Dann schnallte das Ehepaar aus Frankreich die Tiere noch mit Gurten in ihren Koffern fest. Die beiden Urlauber hatten die Breitrandschildkröten, die größte Landschildkrötenart, in einem Park in Athen entdeckt und einfach mitgenommen. Ihre Erklärung ist unglaublich: Sie waren als Mitbringsel für die Kinder gedacht. „Sie dachten sich nichts dabei, die Tiere einfach an sich zu nehmen, da sich an diesem Ort mehrere freilaufende Schildkröten befanden“, berichtet Marie Müller, Sprecherin des Hauptzollamts München.

Mit Klebeband hatten die Schmuggler die Reptilien zugeklebt.

Auf der Heimreise wurden die Tiere bei der Zwischenlandung in München vom Zoll entdeckt. „Es war eine Routinekontrolle“, berichtet Müller weiter. „Die Beamten hatten in diesem Fall einfach den richtigen Riecher.“ Zu dem grauenhaften Transport wollten sich die beiden Franzosen nicht äußern. Gegen sie wurde bereits ein Strafverfahren eingeleitet. „Sie haben gegen die Artenschutzbestimmungen verstoßen“, erklärt die Zoll-Sprecherin. Die Breitrandschildkröten sind streng geschützt. Die Franzosen durften gegen eine Sicherheitsleistung weiterreisen. Ihnen droht nun aber eine vierstellige Geldstrafe. Außerdem müssen sie eventuell für die Rückführungskosten der Tiere aufkommen.

Mit Klebeband hatten die Schmuggler die Reptilien zugeklebt.

Ob die beiden Schildkröten irgendwann zurück in ihre Heimat gebracht werden, steht allerdings noch nicht fest. Sie haben die qualvolle Zeit im Gepäck weitestgehend unbeschadet überstanden, wie Marie Müller berichtet. Sie hätten in den Plastiktüten sehr leicht ersticken können. „Die Tiere wurden nun erstmal in eine Auffangstation in München gebracht. Dort werden sie nun gepflegt und wieder aufgepäppelt.“ Erst danach wird entschieden, wo sie bleiben.

Mit Klebeband hatten die Schmuggler die Reptilien zugeklebt.

Der Fall war für das Münchner Hauptzollamt zwar nicht alltäglich – aber leider auch keine absolute Ausnahme, betont Sprecherin Marie Müller. Es komme immer wieder vor, dass Urlauber denken, sie könnten Lebewesen einfach im Gepäck transportieren. „Einige nehmen auch in Kauf, dass die Tiere unterwegs sterben.“ Müller erinnert sich an einen Fall vor zwei Jahren. Damals sind zwei fünf Zentimeter große Rotwangenschildkröten in einer Seifendose im Gepäck transportiert worden. Auch sie wurden entdeckt – aber leider zu spät. Die beiden Tiere damals haben die qualvolle Reise nicht überlebt.

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