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Die LED-Beleuchtung (rechts) spart am Flughafen jedes Jahr 2600 Tonnen CO2 ein.

So will die Luftfahrt bis 2050 CO2-frei sein – Im Moos bereits 280 Einzelmaßnahmen verwirklicht

Klimakiller für immer wegsperren

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Flughafen – 51 Milliarden Tonnen CO2 werden jedes Jahr in die Atmosphäre abgegeben. Das heizt den Klimawandel und vor allem den damit verbundenen Anstieg der Welttemperatur an. Dazu steuert neben Verkehr, Industrie, Haushalt und Landwirtschaft auch der Luftverkehr bei. Das soll sich ändern.

Mit dem Positionspapier „Destination 2050 – A Route to Net Zero European Aviation“ legt die europäische Luftverkehrsbranche mit Fluggesellschaften, Flughäfen, Luft- und Raumfahrtunternehmen und Flugsicherung einen ehrgeizigen Plan vor, wie nachhaltiger Luftverkehr in Europa gelingen kann. Im Einklang mit dem Pariser Klimaschutzabkommen und dem europäischen „Green Deal“ sieht „Destination 2050“ vor, dass alle Flüge innerhalb der EU, Großbritanniens und der EFTA bis 2050 tatsächlich auch „netto null“ CO2-Emissionen verursachen.

Vier Faktoren gegen den Klimawandel

Dabei werden vier Maßnahmen genannt, mit denen in den nächsten 30 Jahren die Emissionen „nachhaltig“ gesenkt werden könnten. Flugzeug- und Triebwerkstechnologien bieten dem Papier zufolge ein CO2-Einsparpotenzial von 37 Prozent. Weitere 34 Prozent könnte der Einsatz nachhaltigen Kerosins beisteuern. Agiert die Branche noch wirtschaftlicher und effizienter als heute, wären weitere acht Prozent drin. Verbesserungen bei Luftverkehrsmanagement und Flugbetrieb – weniger Warteschleifen, kurze Rollwege etwa – böten ein Einsparvolumen von sechs Prozent.

Insgesamt spricht die Branche von 92 Prozent. Die restlichen acht müssten durch negative Emissionen aus der Atmosphäre entfernt werden, entweder durch Kohlenstoffspeicher wie Wälder oder eine Umwandlung von CO2 durch Technologien.

Klimaschutz: Am Flughafen seit 2009 Unternehmensziel

Der Flughafen München gehört zu den ersten Unterzeichnern der Resolution. Hier ist die deutliche Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes seit 2009 als Unternehmensziel definiert. FMG-Chef Jost Lammers bekräftigt in diesem Zusammenhang das Bemühen, den Moos-Airport spätestens 2030 CO2-neutral zu betreiben. Dafür sind 150 Millionen Euro bereitgestellt. Allerdings ist bislang die Rede davon, 40 Prozent dieses Ziels durch Ausgleichsmaßnahmen – vorzugsweise in der Region – zu kompensieren.

Erste Erfolge gibt es bereits: Während die Passagierzahlen in München von 28,6 Millionen im Jahr 2005 auf 48 Millionen 2019 angestiegen sind, konnten die CO2-Emissionen nach Konzernangaben in dieser Zeit von 5,67 auf 3,08 Kilogramm pro Passagier gesenkt werden – 46 Prozent in 14 Jahren. Und das, obwohl die Bruttogeschossfläche derweil unter anderem durch die Inbetriebnahme des neuen Satellitengebäudes im Jahr 2016 um über 370 000 Quadratmeter gewachsen ist.

280 Einzelmaßnahmen

280 Einzelmaßnahmen hat der Flughafen inzwischen verwirklicht. Jedes Jahr werden laut FMG durch technische Optimierungen und Effizienzsteigerungen rund 3000 Tonnen CO2 eingespart. Dazu gehören neue Torluftschleier im Terminal 1, die zu weniger Wärmeverlusten führen und mehr als 1000 Tonnen CO2 im Jahr gar nicht erst entstehen lassen. Weitere 700 Tonnen fallen durch die Optimierung der Gepäckförderanlage im Terminal 2 weg.

Die Umstellung der Klimaanlage auf Mehrmotorentechnik im München Airport Center schlägt mit einer Reduzierung von 661 Tonnen CO2 zu Buche.

Immer mehr Elektromobilität

Hinzu kommt der Ausbau der Elektromobilität – aktuell mit 135 Fahrzeugen und 276 Abfertigungsgeräten. 38 Prozent der Flotte fahren entweder elektrisch oder hybrid. Treibstoffe aus regenerativen Energien („Biofuels“) sind laut FMG auf dem Vormarsch. Ein Beispiel ist ein Passagierbus, der mit flüssigem Biomethan fährt.

Die gesamte Vorfeldbeleuchtung wurde auf LED umgestellt. Die Stärke der Strahler, die viel weniger Energie verbrauchen, wird dem Umgebungslicht angepasst. Auch auf Straßen, Parkplätzen und -häusern ist diese Technologie auf dem Vormarsch. 16 400 Tonnen CO2 werden laut FMG so eingespart – jedes Jahr.

Das langfristige Ziel, die vollständige Reduktion aller CO2-Reduktionen bis 2050, ist noch ehrgeiziger. „Die dann noch am Flughafen entstehenden Emissionen sollen nicht mehr kompensiert, sondern durch technologische Maßnahmen wieder aus der Atmosphäre entfernt werden“, so ein Sprecher.

FMG-Chef Lammers: Sind auf einem guten Weg

Lammers ist überzeugt: „Sowohl die europäische Luftfahrtbranche als auch der Flughafen München sind auf einem guten Weg zur Klimaneutralität.“ Ungeachtet der enormen Herausforderungen, vor denen die Branche aufgrund der weltweiten Pandemie und ihrer Folgen stehe, „bleibt die Entwicklung hin zu einem nachhaltigen Luftverkehr unser wichtigstes Zukunftsprojekt“. Mit der jetzt angestoßenen Initiative sowie den bereits begonnenen Maßnahmen „können wir unsere ambitionierten Ziele auch erreichen“, ist der Airport-Chef überzeugt.

ham

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