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Zum zwölften Mal derbleckte Wolfgang Krebs in der Rolle des Edmund Stoiber das politische Geschehen. Besonders seine Ansichten zur Lokalpolitik waren ein Gaudium 

Starkbier-Anstich am Flughafen: Wolfgang Krebs heizt Politik ein 

Das Riesending von Oberding 

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Starkes Bier, starke Sprüche: Kabarettist Wolfgang Krebs in seiner Paraderolle als radebrechender Edmund Stoiber hielt in der Airbräu-Tenne eine über einstündige Rede, in der er sich nicht nur mit der Welt-, sondern auch mit der Lokalpolitik auseinandersetzte. Selbst die Derbleckten konnten herzhaft lachen - und ließen sich den Aviator von Braumeister René Jacobsen schmecken. Der ist mit 7,9 Prozent Alkohol nicht ganz so stark wie im vergangenen Jahr. 

Flughafen – Ein Mann, der keinen Satz unfallfrei über die Lippen bringt und dann über eine Stunde lang redet, nein, dampfplaudert. Kann das gut gehen? Ja! Zum zwölften Mal derbleckte Wolfgang Krebs in seiner Paraderolle als Edmund Stoiber die große und kleine Politik. Der Aviator-Starkbieranstich lockte wieder mehrere hundert Politiker und Vertreter der Luftfahrt. Und sie waren einmal mehr begeistert.

Diesmal neu: Erstmals trat Allresto-Mitgeschäftsführer Andreas Reichert neben Gerhard Halamodaauf die Bühne der frisch renovierten Airbräu-Tenne. Und für Michael Kerkloh war es das letzte Starkbierfest – zumindest als Flughafenchef. Er geht zum Jahresende in Rente.

Braumeister René Jacobsen zapfte zu den Klängen der „Lustigen Holledauer“ das erste Fass Aviator an. Der ist mit 7,9 Prozent Alkohol heuer fast schon brav. 2018 waren es über neun Prozent.

Im Mittelpunkt stand diesmal Europa. Und Krebs beschwor gleich eine neue Führungsrolle Bayerns in der EU herauf. Das liege an „Manni from Bavaria“, Manfred Weber als EVP-Spitzenkandidat und möglicher neuer Kommissionspräsident. „Dann wäre Bayern am Ende doch noch Europameister“, unkte Krebs. Was für ein Aufstieg – „vom Niederbayern zum Obereuropäer“. Nach dem Brexit habe Landshut gute Chance, neue Hauptstadt zu werden, mit Burg Trausnitz als neuem Buckingham-Palast. „Landshuter Hochzeit statt Royal Wedding“, schlug er vor. Der neue europäische Dreiklang: „Freedom, Peace and Livercheese“.

Am meisten gestaunt haben dürfte bei der Rede aus der Feder des genialen Flughafen-Pressechefs Ingo Anspach Moosburgs Bürgermeisterin Anita Meinelt. Denn Krebs orakelte von einer bald 65-jährigen A.M., die bald aus dem Amt scheiden werde. Alle glaubten, von Angela Merkel sei die Rede. Gemeint war freilich Meinelt.

Merkel durfte natürlich nicht fehlen. Krebs meinte, die „stiefschwesterliche Geschichte zwischen Merkel und der CSU reicht ja bis zu den Zweiten Punischen Kriegen oder zumindest dem ersten Wolfratshauser Frühstück zurück“. Die CSU habe die Kanzlerin aber immer wieder vorangebracht – „auch und gerade dann, wenn sie mal wieder vor einem Abgrund stand“. Sie sei es gewesen, die die deutsche Einheit vollendet habe: „Helmut Kohl hat einst die D-Mark in den Osten gebracht, mit Angela Merkel kam dann die Ucker-Mark in den Westen.“

Krebs respektive Stoiber zollte Ministerpräsident Markus Söder Respekt. Der habe eindrucksvoll bewiesen, „dass auch eine Kindheit an einem sozialen Brennpunkt – also in seinem Fall Franken – bei uns nicht den Weg zu einer großen politischen Karriere versperren muss“. Mit 40 habe Söder sein erstes I-Phone gehabt, mit 45 das erste I-Pad. „Und mit 51 hat er den ersten Ai-Wanger.“ Die neue Koalition bewege sich „zwischen Apple und Opflsaft“.

Der SPD empfahl Krebs, angesichts ihres Wahlergebnisses nach dem Volksbegehren die Artenschutz-Karte zu spielen. Die 18 Prozent seien ja doppelt so viel wie das Abschneiden der Genossen bei der Landtagswahl. Bittersüßer Versprecher: „Lassen wir einfach die Toten ruhn, äh die Roten tun.“ Da lachten auch die SPDler im Saal.

Das Startbahn-Moratorium der CSU/FW-Koalition durfte bei der Aviator-Rede freilich nicht fehlen. Die neue Staatsregierung habe „etwas geschafft, was ihr kaum jemand zugetraut hätte. Sie hat tatsächlich eine Lösung gefunden, zu der die Betreiber und die Anrainer des Flughafens die gleiche Meinung haben. Das muss man erst mal hinkriegen.“ Damit meinte er, dass das Verschieben sämtlicher Startbahnpläne um fünf Jahre sowohl Befürworter als auch Gegner empört.

Natürlich mussten in diesem Zusammenhang auch die Grünen, allen voran Katharina Schulze, ihr Fett abkriegen, die als fleißigste Flieger entlarvt wurden. „Gerade die quirlige Kata ist ja so oft auf der Langstrecke unterwegs, dass manche schon vermuten, es gäbe in München eine eigene Fluggesellschaft, die nur für sie fliegt. Das ist freilich ein Missverständnis, die Qatar Airways steht selbstverständlich auch anderen Fluggästen zur Verfügung.“

Dem einstigen Ministerpräsidenten ist nicht entgangen, dass rund um den Moos-Airport so viel auf einmal gebaut wird wie noch nie, darunter der Innovationsstandort LabCampus. Er sorge dafür, „dass die Nordallee zur Nerdallee wird“. Auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern, spottete Krebs, „will sich die FMG jetzt vom Airport zum Mehrport und vom Flughafen zum Klughafen oder gar zum Gscheidhaferl entwickeln“.

Der Starkbierredner lobte, dass im Westen des Flughafens die neue Bahnstrecke mittlerweile in Betrieb sei. Aber wer vom Flughafen weiter nach Erding fahren wolle, „wird feststellen, dass sich die Weiterfahrt um rund zehn Jahre verzögern kann.“ So lange dauere es nämlich mindestens noch, bis der Schienenweg vom Flughafen zum neuen Bahnhof am Erdinger Fliegerhorst fertiggestellt ist.“ Hier gehe es „nicht ganz rapid voran, sondern eher scheibchenweise“. Der Ringschluss sei ja schon in den Weissagungen des Nostradamus heraufbeschworen worden.

Der neue Tunnel bis Schwaigerloh sei immerhin bereits im Bau – für das Stoiber-Double eine historische Entwicklung: „Schwaigerloh wird nicht nur irgendein Haltepunkt. Nein, hier verkehren dann eines Tages bis zu drei S-Bahn-Linien und eine Fernbahn. Da entsteht also ein ganz neuer Knotenpunkt des mitteleuropäischen Schienenverkehrs – ein neues Land-Drehkreuz neben dem Luft-Drehkreuz. Ich glaube, der Münchner Hauptbahnhof muss künftig ganz tapfer sein. Der neue Bahnhof wird also sicher ein Riesending für Oberding.“

Ziemlich bissig wurde Krebs, als er auf den Erdinger Landrat Martin Bayerstorfer zu sprechen kam. Dessen Kritik am Flughafenbus 512, der doch eigentlich ein Werksverkehr der FMG sei, wollte der Derblecker nicht stehen lassen. Denn Bayerstorfer habe wohl übersehen, dass der Bus auch das Erdinger Klinikum anfährt. „Also ist es doch eher ein Werksverkehr des Landrats, mit dem Patienten, Ärzte und Pfleger zum Klinikum kommen.“

Angesichts Bayerstorfers Erfolg bei der Wiedereröffnung des Kreißsaals dachte Krebs laut darüber nach, ob jetzt alle Babys aus Dankbarkeit auf Martin oder Martina getauft werden müssten.

Den Spott des Starkbierredners bekam auch Erdings OB Max Gotz zu spüren. In Anspielung auf die vielen Kreisverkehre – sie kommen jedes Jahr vor – meinte Krebs: „In anderen Städten mag es kriseln, in Erding kreiselt’s nur.“ Das wisse er aus „gut informierten Kreiseln“.

Gotz liefere aber weitere Bausteine, damit der Verkehr in Erding nicht einschläft. Weil die Stadt über Nacht am Eisstadion 25 Behinderten-parkplätze geschaffen hatte und abends drauf ebenso viele Gladiator-Fans zu Falschparkern wurden, sprach Krebs von einem „Park & Hide System“. Aber auch sonst wisse Erding, wie man zu Geld kommt.

Krebs erinnerte süffisant auch an die Sportlerehrung in einer Grundschule mit viel zu wenig Parkplätzen für all die zu Ehrenden. Auch sie bekamen Strafzettel. „Zuletzt rückte auch Gotz’ Sprinterstaffel aus dem Ordnungsamt an, die kräftig Kasse machte. Durch diese Sportlerleerung im Nachgang der Sportlerehrung hatte man die Kosten der Veranstaltung dann ruckzuck wieder raus.“ Da musste selbst der Gescholtene herzlich lachen.

Bisher stand KDH in Freising für das Kardinal-Döpfner-Haus. Seit dessen Kostenexplosion bei der Generalsanierung sei das aber auch die Abkürzung für „Kosten Deutlich Höher“. Krebs konnte sich dabei den Hinweis nicht verkneifen, dass es sich um dieselben Architekten handle wie beim Berliner Flughafen.

Mit der Domstadt freut sich Krebs auf die Öffnung der Moosach, das dann erste Strandbad mit Kite-Surfing. Die saftigen Preise im neuen Familienbad Fresch veranlassten ihn zu der Frage, ob die Familiendauerkarte, deren Preis von 160 auf 790 Euro steigt, dazu dienen solle, „die Leute (finanziell) baden gehen zu lassen“. Das rechne sich nur, wenn man die ganze Saison im Wasser bleibe.

Die geplante Verlängerung der U6 nach Freising könnte zur Hauner-Bahn zwischen dem Klinikum von Landrat Josef Hauner und dem Haunerschen Kinderspital werden – mit Haltepunkt beim VfB Halbergmoos. Der wird jetzt von der FMG gesponsert. Krebs mutmaßte, dass Kerkloh den Verein wie seinen Flughafen in die Champions League bringen wolle.

Apropos Kerkloh: Von dem nahm das Stoiber-Double schon einmal vorsichtig Abschied – mit dem Hinweis, dass alle unter 17-Jährigen in der Region glaubten, Kerkloh heiße mit Vornamen Flughafenchef.

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