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Neue Airlines und neue Ziele will der Flughafen mit seinem Förderprogramm gewinnen. Das ist immer wieder ein Streitthema.

Streit um Förderung durch die Flughafen München GmbH

Die 25-Millionen-Euro-Werbeprämie

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Bayerns Finanzminister und Flughafen-Aufsichtsratschef Albert Füracker (CSU) spricht von „Ertragsoptimierung“. Der Grünen-Landtagsabgeordnete Johannes Becher aus Moosburg nennt es „gekauftes Wachstum“. Der Flughafen nennt das „Polemik“. Die Rede ist von einer Praxis der Flughafen München Gesellschaft, die alle Jahre wieder für Streit sorgt: das Förderprogramm von Deutschlands zweitgrößtem Flughafen, um neue Airlines und Ziele ans Erdinger Moos zu binden.

Flughafen - 25 Millionen Euro hat der Flughafen dafür im vergangenen Jahr ausgegeben. Diese Zahl hat Füracker aufgrund einer Anfrage Bechers veröffentlicht, gleichwohl den Grünen gebeten, aus Wettbewerbsgründen darüber nicht zu berichten. Becher freilich hält das öffentliche Interesse für hochrangiger.

Die 25 Millionen Euro sind aus gutem Grund geflossen, findet Füracker. „Zielsetzung ist es, verkehrspolitisch für den Standort München wichtige und wirtschaftliche Märkte zu erschließen und damit den Passagieren ein optimales Verkehrsangebot zu bieten“, teilt der Finanzminister in dem unserer Zeitung vorliegenden Schreiben mit.

Die FMG leiste befristete Unterstützung zu bestimmten Verbindungen sowie zur Förderung der Vermarktung – mit dem Ziel, die Auslastung zu verbessern.

31 Airlines kamen in den Genuss der 25 Millionen Euro

Auf Anfrage Bechers teilt der Minister zudem mit, dass im vorigen Jahr zirka 31 Airlines profitiert hätten. Gefördert worden seien etwa 18 000 Flugbewegungen zu 85 unterschiedlichen Zielen. Davon seien fünf zuvor nicht am Moos-Airport angeboten worden. Bei 80 Zielen wurden laut Füracker „zusätzliche Kapazitäten geschaffen. Damit konnte der Nachfrage neuer Kundengruppen Rechnung getragen werden“.

Becher macht eine ganz andere Rechnung mit den 25 Millionen Euro auf. „Fast das gesamte Wachstum auf 417 000 Flugbewegung wurde damit subventioniert“, empört sich der Moosburger. „Ohne diese alljährliche Sonderausschüttung der FMG läge das Flugaufkommen auch 2019 unter der 400 000er-Grenze.“ Becher spricht von „klimaschädlichen Subventionen“. Sie seien „erst recht ein Skandal, wenn man bedenkt, dass der Flughafen zu 100 Prozent der öffentlichen Hand gehört“. Wenn die FMG Geld übrig habe, sollte sie es besser an die Gesellschafter, also den Freistaat Bayern, die Bundrepublik Deutschland und die Landeshauptstadt München abgeben, fordert Becher.

FMG: Es geht auch um den Wirtschaftsstandort Bayern

Eine so hohe Summe wie 25 Millionen Euro habe die Flughafengesellschaft zuletzt vor rund zehn Jahren in die Hand genommen. „Es scheint also immer schwerer zu werden, Airlines für neue Flüge ab München zu begeistern.“ Was den Grünen besonders ärgert: die Subventionierung von Flügen zu Zielen, die bereits vom Moos aus angeflogen werden. „Wer den Luftverkehr künstlich aufbläst, schadet dem Klimaschutz und belastet die Bewohner“, sagt Becher.

Die FMG weist die Kritik über ihren Sprecher Ingo Anspach „entschieden zurück“. Es handle sich nicht um einen „Ankauf“, sondern „um eine Maßnahme, die Anbindung Bayerns an das weltweite Streckennetz weiter zu verbessern“. Es gehe darum, gerade am Anfang das „hohe unternehmerische Risiko für die Airlines abzufedern“. Der Flughafen trage „erheblich zu Konjunktur, Beschäftigung und Standortqualität bei“, so Anspach. So sichere man auch die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts.

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