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Verspätungen beim Flughafen München 

Lufthansa: Mehr Luft, ehe es in die Luft geht

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Der Sommer 2018 wird den meisten wegen monatelangen Badewetters in bester Erinnerung bleiben. Für den Luftverkehr war es hingegen eine schwierige Zeit. Denn selten hatten sich so viele Verspätungen und annullierte Flüge aufgetürmt wie im vergangenen Jahr. Von dieser Entwicklung war auch der Flughafen München betroffen – und damit auch die Lufthansa als Primus im Erdinger Moos.

Flughafen – Hier war die Lage besonders dramatisch, als Ende Juli ausgerechnet am ersten Wochenende der Sommerferien nach einer Sicherheitspanne im Terminal 2 tausende Passagiere gestrandet waren.

Das soll sich nicht wiederholen. 70 Maßnahmen gegen Verspätungen hat das Team um den Münchner Lufthansa-Chef Wilken Bormann erarbeitet. Beim Redaktionsbesuch stellte der 49-Jährige das Paket vor. „Es ist für uns erste Priorität, nach dem Sommer 2018 wieder pünktlicher zu werden“, so Bormann, der vor zwei Jahren das Münchner Cockpit von Thomas Winkelmann übernommen hatte.

Nur dafür wird Deutschlands größte Fluggesellschaft im Erdinger Moos zusätzliche Maschinen stationieren und Personal einstellen, kündigte Bormann an. „Wir wollen wieder pünktlicher fliegen. Das war nicht der Standard, den unsere Kunden gewohnt sind“, gibt Bormann unumwunden zu.

Der Manager spricht von einer Investitionssumme von rund 250 Millionen Euro für die Lufthansa Group. „Wir wollen weitere Mitarbeiter engagieren und in Reserveflugzeuge investieren“, kündigt er an. Allein 200 neue Mitarbeiter wird der Konzern in München heuer einstellen. Im Gesamtkonzern sind dafür 600 zusätzliche Stellen vorgesehen.

Lesen Sie auch: Ziemlich sauer waren Gäste am Flughafen Nürnberg am Wochenende. Erst mit zwei Tagen Verspätung startete ihr SunExpress-Flug nach Hurghada. Dann kam es noch verrückter. Besonders große Verzögerungen könnten nun bald auf die Passagiere der Lufthansa zukommen. Den Reisenden droht am kommenden Wochenende ein neues Flug-Chaos: Bei der Lufthansa soll am Sonntag an den Flughäfen in München und in Frankfurt am Main gestreikt werden.

Zudem bekommt die Münchner Flotte drei zusätzliche Maschinen für den kurzfristigen Ersatz. Das ist kostenintensiv, denn sie kommen nur zum Einsatz, falls Flugzeuge nicht zur Verfügung stehen. Neu hinzu kommen zum Sommerflugplan zwei Maschinen aus der A 320-Familie sowie ein Regionaljet, die laut Bormann „dann durchgehend zur Verfügung stehen“.

Auch der Flugplan und dessen Steuerung wird optimiert – unter dem Motto: Mehr Luft, ehe es in die Luft geht. So wurden die Zeiten der so genannten Turnarounds, also das Ent- und Beladen der Maschinen sowie das Aus- und Einsteigen, entzerrt. Auf innerdeutschen und europäischen Flügen sind es 45 Minuten, das sind bis zu zehn Minuten mehr als zurzeit.

Auch den 11-Uhr-Peak knüpft Bormann auf: „Er beginnt ab 31. März 20 Minuten früher und dauert die gleiche Zeitspanne länger.“ 60 Maschinen in 60 Minuten, „das funktioniert nur im Idealfall“.

Zudem, so der 49-Jährige weiter, gebe man den Passagieren, die am Drehkreuz München umsteigen, künftig mehr Zeit. „Dazu haben wir den Flugplan angepasst und können auf diese Weise das Warten auf Transferpassagiere reduzieren.“

Bereits getestet hat Lufthansa das Aufholen von Verspätungen – „und das mit Erfolg“, freut sich Bormann. „Ausgangspunkt unserer Überlegungen war, wie man Verspätungen auf Kontinentalflügen aufholen kann. Die Antwort ist, dass dieses nur am Boden gelingen kann.“ Die Generalprobe am 24. Januar mit einem Airbus A 321 sei geglückt. „Genau 36 Minuten dauerte die beschleunigte Zeit am Boden von der Ankunft bis zum Abflug, statt 45 Minuten“, berichtet Bormann. Mit dem Ergebnis ist er sehr zufrieden: „Die Maschine, die mit 15 Minuten Verspätung gelandet ist, startete vier Minuten vor der geplanten Startzeit.“ Noch mehr freuen ihn die Folgeeffekte: „Die weiteren Flüge des A 321 waren bis zum Abend wieder pünktlich.“

Bormann weist aber darauf hin, dass es maßgeblich auch externe Faktoren gewesen seien, die Lufthansa und anderen Airlines zuletzt stark zugesetzt hätten. Er beklagt einen zunehmend vollen Luftraum. Vor allem aber habe sich der Mangel an Fluglotsen erheblich negativ ausgewirkt. Er sieht hier die Deutsche Flugsicherung in der Pflicht. „Das wurde beim Luftfahrtgipfel im Oktober mit dem Bundesverkehrsministerium auch so besprochen. Da hat jeder seine Hausaufgaben bekommen, Airlines, Airports und auch die DFS“.

Weiter investiert wird auch in die Flotte: Im Juli wird die A 350-Familie die geplante Stärke von 15 Maschinen aufweisen, weitere könnten folgen. Zwölf Langstreckenjets mit knapp 300 Plätzen sind es bis jetzt. „Der A 350 gilt als Spritsparer – er kommt dank zwei statt vier Triebwerken im Vergleich zu ähnlich großen Flugzeugen mit einem Viertel weniger Kerosin aus“, erklärt Bormann. Jeder vierte Interkontinentalflug bedeutet im Vergleich zu früher, dass dann rein rechnerisch eine Strecke komplett treibstoff- und CO2-frei ist.

Getüftelt wurde aber auch am gängigsten Kurzstreckenflieger, dem A 320. „Wir haben nur eine Kleinigkeit an der Tragfläche verändert, so dass weniger Luft verwirbelt wird. Die Starts sind damit deutlich leiser.“ Generell werde das „fly greener“, das Umweltbewusstsein rund um das Fliegen, ein immer zentraleres Thema.

Auch wenn sich Airbus vom A 380 als größtem Passagierflugzeug der Welt 2021 verabschiedet, wird Lufthansa in München weiter auf die fliegende Riesenzigarre setzen – sogar verstärkt. Fünf Maschinen sind es seit der Verlagerung vom Frankfurter Flughafen vor einem Jahr. Sieben könnten es laut Bormann 2020 sein. „Unsere Kunden lieben den A 380 als besonderes Erlebnis.“ Im Winter steuert er Miami, San Francisco und Hongkong an, im Sommer geht es nach Los Angeles, Peking und Hongkong.

An der Pünktlichkeitsoffensive beteiligt sich auch der Flughafen. Nach mehreren Pannen an der Sicherheitskontrolle werden dort nun neue Systeme eingeführt, die einen Passagier erst dann ins Terminal lassen, wenn er und sein Gepäck final gecheckt sind. Dann soll es nicht mehr passieren, dass Fluggäste gar nicht oder nur teilweise überprüft in den Sicherheitsbereich gelangen, was nicht erst einmal zu einem kompletten Stopp der Abfertigung geführt hat.

Lufthansa ist nach wie vor der Primus am Moos-Airport – mit rund 13 000 Beschäftigten sowie 107 Kontinental- und 31 Interkontinental-Maschinen. Das bedeutet auch mehr Europa- und Langstreckenziele, die Urlaubs- und Geschäftsreisende im kommenden Sommer nonstop ab München erreichen. Welche das sind, wird Lufthansa erst im Frühjahr verraten. Klar ist, auch 2019 wird die Lufthansa Group in München zusätzliche Stellen schaffen – in allen Bereichen.

Als Konzern verbessert die Lufthansa Group zudem das Angebot nach Berlin – auch eine Antwort auf den erfolgreichen ICE der Bahn auf dieser Strecke. Lufthansa-Tochter Eurowings fliegt ab heuer viermal täglich in die Hauptstadt – für Bormann eine preisgünstige Alternative für Touristen. Lufthansa soll mit seinem Premium-Angebot nach wie vor vor allem Umsteiger und Geschäftsreisende abdecken.

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