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Dem Tode nahe: Mitarbeiter des Tierheims untersuchen die Pointer-Hündin. Sie wiegt nur noch zwölf Kilo.

Fast verhungert und todkrank aufgefunden

Welpen-Händler schmuggelten wehrlose Tiere

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München - 23 Hunde und Katzen sind in einem erbärmlichen Zustand am Flughafen beschlagnahmt worden. Als lebende Fracht sollten sie von Portugal über München in die Schweiz gebracht werden. Vermutlich stecken Welpenhändler dahinter.

Den Tierärzten stand das Entsetzen ins Gesicht geschrieben, als sie die Transportkisten Samstagabend am Flughafen im Erdinger Moos öffneten: fast verhungert, teils todkrank kauerten dort mehrere Hundemütter mit ihren Welpen, sowie drei Katzen. Die Tiere wurden beschlagnahmt, die Veterinäre der Grenztierärztlichen Stelle im Flughafen nahmen sich der kraftlosen Geschöpfe an. Vermutlich wurden die Tiere Opfer herzloser Welpenhändler.

Dass die illegale Fracht aufflog, ist dem Verein „Tierhilfe Phoenix“ mit Sitz in Armsheim (Rheinland-Pfalz) zu verdanken. Wie die Vorsitzende Edith Lied unserer Zeitung sagte, hatte der Verein über einen längeren Zeitraum auf Facebook Umtriebe beobachtet, bei denen Unbekannte von den portugiesischen Azoren aus offensichtlich Geld von Tierfreunden abzocken. Teils wird mit fragwürdigen Spendenaufrufen gearbeitet, teils sollen Hunde angeblich vor dem Tod gerettet und Käufer unter anderem in Deutschland via Internet gesucht werden. In Wahrheit gehe es nur ums Geld, so Lied. Phoenix hatte im Zuge seiner Recherchen kurzfristig von der Fracht erfahren, die mit der portugiesischen Fluglinie Sata von den Azoren in München ankommen sollte - und schlug Alarm.

Inzwischen sind die 20 Hunde und drei Katzenkinder im Münchner Tierheim in Riem untergebracht. Besonders schlecht gehe es einer zweijährigen Pointer-Hündin mit ihren sechs Welpen, sagt Tierheim-Sprecherin Judith Brettmeister. Die Hündin bringe statt der rund 25 Kilogramm Normalgewicht gerade noch zwölf Kilo auf die Waage. Die bis auf die Haut abgemagerte Hündin musste in ihrem bedauernswerten Zustand auch noch ihre sechs etwa acht Wochen alten Welpen versorgen. Nach Angaben der Tierärzte konnten sich die ebenfalls völlig unterernährten Jungtiere nur mehr vom Kot der Mutter ernähren - weil deren geschwächter Körper nicht mehr in der Lage war, Milch zu produzieren. „Ob die Hündin überlebt, ist fraglich“, sagt Brettmeister. „Der Zustand ist so desolat, dass wir mit dem Schlimmsten rechnen müssen.“

Auch die anderen Tiere sind stark abgemagert. Eine schwarze Pudelhündin gebar während des Transports drei Welpen - einer ist bereits verendet. Die drei Katzenjungen leiden an schwerem Katzenschnupfen. Sie sind maximal acht Wochen alt, ebenfalls stark abgemagert, einem Kater fehlt ein Auge. Inzwischen wurden alle noch lebenden Tiere geimpft. Im Tierheim setzt man alles daran, um sie wieder zu Kräften zu bringen.

Die Empfängerin der Lieferung hätte eine in der Schweiz lebende Frau sein sollen, die nach Informationen unserer Zeitung dort bereits ein Tierhalte-Verbot hat.

Das für den Flughafen zuständige Landratsamt Erding bestätigte auf Anfrage, dass die Tiere behördlich beschlagnahmt wurden und ermittelt wird. Laut Amtssprecherin Christina Centner sind „wegen des laufenden Verfahrens keine konkreteren Angaben möglich, ob und um welche Straftaten es sich genau handelt“. Im Raum stehen Verstöße gegen die EU-Heimtierverordnung, die Tierschutztransportverordnung, aber auch gegen die Tierseuchenschutzverordnung.

Der eigentliche Hintergrund des grausamen Hunde-Imports ist offenbar ausschließlich, mit Welpen Geld zu machen. „Die Muttertiere sind nur lebende Verpackungen“, formuliert es die Phoenix-Vorsitzende Edith Lied drastisch. Die Tierschützer warnen, nicht auf solche angeblichen Tierschützer im Ausland reinzufallen. „Da ist keinerlei Tierschutzgedanke dahinter“, betont Lied. „Wer da gutgläubig Geld spendet, befeuert nur dieses schmutzige Geschäft.“

Sven Rieber

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