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Qatar-Airways-Flug von München nach Doha: WM-Stimmungslage vor Abflug spricht Bände

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Am Donnerstag (17. November) fliegt eine Maschine von München nach Doha. Die Passagiere, die ins Emirat fliegen, bewegt nicht alle die anstehende WM. Ein Stimmungsbild.

München – Es ist ein grauer, regnerischer Tag am Erdinger Moos. Der ganz normale Flugbetrieb wird am Münchner Airport abgewickelt. Wie an jedem Tag wird auch an diesem Donnerstag, den 17. November, eine Maschine der Qatar Airways Bayern in Richtung Doha verlassen. Der Ort, an dem an diesem Wochenende die Weltmeisterschaft in Katar beginnt. Flug QR 058 soll um 14.55 Uhr in Richtung Emirat aufbrechen. Die große Frage: Sind an Bord fußballbegeisterte Fans, die die DFB-Elf in Richtung fünften WM-Titel jubeln möchten? Und wenn ja, mit welcher Stimmung besucht man ein derart umstrittenes Turnier? IPPEN.MEDIA hat sich am Terminal ein Bild gemacht, und besonders eins festgestellt: Die große Fußball-Euphorie lässt sich am Check-In-Schalter am Flughafen München noch nicht wirklich erkennen.

WM in Katar: Zwei Vlogger hatten zwar „moralische Bedenken“, müssen aber beruflich zur WM nach Katar

Zwei „WM-Schalter“ organisierte Qatar Airways für seine Fluggäste, häufig genutzt wurden diese jedoch nicht.
Zwei „WM-Schalter“ organisierte Qatar Airways für seine Fluggäste, häufig genutzt wurden diese jedoch nicht. © Grundmann

„Wir wollen in Katar sowohl für uns Vlogs machen als auch gesponserte Videos“, sagen eine Frau und ein Mann, die gemeinsam nach Doha reisen. Ihr Trip steht allerdings nicht im Lichte des sportlichen Wettkampfs, sondern ihres Berufs als Vlogger. Dennoch verdeutlichen sie das moralische Dilemma, das bei vielen Menschen durch die WM im umstrittenen Katar entsteht. Die beiden sind hauptsächlich in den chinesischen sozialen Medien aktiv und arbeiten in Katar im Auftrag einer Agentur. Ihr Sponsor sei eine Firma, die jedoch nichts mit der Regierung Katars zu tun habe, wie die beiden betonen.

Ich hatte schon moralische Bedenken

Eine Vloggerin vor ihrer beruflichen Reise zur WM nach Katar

Die Reise in das Emirat ist für die beiden, die namentlich nicht genannt werden wollen, quasi ein Muss. „Wir hätten schon ‚nein‘ sagen können, aber es ist ein großer Auftrag und wir haben letztendlich doch ja gesagt. Ich hatte schon moralische Bedenken und habe überlegt, was man machen könnte“, berichtet die Frau. Aber: „Bei den gesponserten Videos kann man sowieso nur das machen, was der Sponsor sagt. Privat müssen wir mal schauen.“ Die beiden wissen genau: Bei ihren eigenen Aufnahmen müssen sie vorsichtig sein, speziell, wenn es um die Missstände in dem Land geht.

Ob sie sich ein Spiel im Stadion anschauen können, wissen sie noch nicht. Ihre Weltmeistertipps lauten jedenfalls: Brasilien, Argentinien und Frankreich.

Qatar-Airways-Flug von München nach Doha: WM-Stimmungslage vor Abflug spricht Bände

Für Hubert aus dem Schwarzwald ist es bereits die fünfte WM, bei der er vor Ort ist. Er unterstützt als Volunteer die Medienarbeit. Dies habe er schon 2006 in Deutschland, 2010 in Kapstadt, 2014 in Porto Alegre und 2018 in Moskau getan. Was erwartet sich ein viel gereister WM-Routinier also von Katar? „Ich gehe jetzt in eine für mich völlig unbekannte Gegend“, gesteht er. Bei ihm ist allerdings die Zuversicht rauszuhören, dass die WM die Leute aus aller Welt zusammenbringen kann.

Deutschland nicht!

Der Weltmeister-Tipp des langjährigen WM-Volunteers Hubert

„Ich habe vor zwei Jahren eine kleine Broschüre geschrieben, da ging es um Begegnungen. Das ist für mich das Wichtigste bei solchen Events. Politische Dinge stehen für mich nicht im Vordergrund, sondern ich sehe, dass solche Events die Leute von der ganzen Welt zusammenbringen in friedlicher Absicht“, erzählte Hubert. „Dazu möchte ich beitragen!“ Er glaubt zudem, dass die Fans aus dem europäischen Raum das „Fanfieber“ nach Katar bringen werden. Hierzulande boykottieren hingegen viele Kneipen die WM aufgrund der politischen Situation in Katar. Viele Städte verzichten darüber hinaus auf die Ausrichtung von Public Viewings. Huberts Zuversicht endet beim Sportlichen. Der knallharte Weltmeister-Tipp: „Deutschland nicht!“

Fußball-WM in Katar: Junge Stuttgarterin unterstützt Adidas-TikTok – „Bin zuversichtlich“

Eine junge Frau nutzte ebenfalls den WM-Schalter zum Gepäck aufgeben. Auch sie ist auf dem Weg zur WM – wiederum beruflich.„Ich mache hobbymäßig ein bisschen Instagram, also Social-Media. Und dann habe ich eine Anfrage bekommen von einer Social-Media-Managerin, ob ich Lust hätte, das Team vor Ort zu unterstützen“, berichtete die 20-jährige Feyza aus der Nähe von Stuttgart, nachdem sie sich von ihrem Vater verabschiedet hatte. „Diese Chance wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und jetzt bin ich dabei, um Adidas-TikTok zu unterstützen“, erzählte sie weiter.

Für Adidas nach Katar: Feyza, hier mit ihrem Vater, unterstützt das TikTok des Sportartikelherstellers bei der WM.
Für Adidas nach Katar: Feyza, hier mit ihrem Vater, unterstützt das TikTok des Sportartikelherstellers bei der WM. © Grundmann

Erwartungen an das Land, das mit den Aussagen eines WM-Botschafters zum Thema Homesexualität in einer ZDF-Doku jüngst wieder für große Aufruhr sorgte, habe sie keine. Denn im arabischen Raum sei sie bisher noch nie gewesen. „Ich bin aber zuversichtlich, dass es eine schöne Zeit wird, weil ich für die Arbeit dorthin gehe und es mal was Neues ist, in einem ganz anderen Land zu arbeiten.“ Die 20-Jährige ist nach eigener Aussage zwar sportbegeistert, aber kein ausgewiesener Fußballfan.

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Dadurch, dass die Befragten allesamt beruflich nach Katar reisen, war klar: Viele wollen und dürfen nicht über ihre Gefühle angesichts der Missstände im WM-Gastgeberland Katar sprechen. Keine Reisenden – geschweige denn aus Bayern – erwischt zu haben, die privat wegen eines oder mehrerer Stadionbesuche nach Doha fliegen, spricht aber wohl alleine schon Bände. Ab Sonntag werden mit dem Eröffnungsspiel vermutlich nach und nach weitere Fragen zur Winter-WM im Wüstenstaat beantwortet. (jg) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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