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Lange ins Gefängnis muss der Pole, der als Drogenkurier das große Geld machen wollte.

Pole (28) will vier Kilo Drogen einschmuggeln und bekommt dafür fünfeinhalb Jahre Haft

Rekordmenge an Heroin sichergestellt

Am Flughafen geht es in der Regel um Vögel, doch hier hatte es der Zoll mit einem Fisch zu tun, einem ganz dicken sogar.

Flughafen/Landshut - Den Fahndern ist ein 28-jähriger Pole ins Netz gegangen, der knapp vier Kilogramm Heroin dabei hatte. Nun wurde ihm vor dem Landgericht Landshut der Prozess gemacht. Der Gelegenheitsarbeiter wurde zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Es war einer der spektakulärsten Coups der Zollfahnder am Münchner Flughafen: Mit knapp vier Kilo Heroin im doppelten Boden seines Koffers wurde am 13. September 2018 der 28-Jährige aufgegriffen. Am frühen Morgen war er mit einer Maschine aus Johannesburg gelandet und wollte noch am gleichen Tag ins italienische Bologna weiterreisen.

Allerdings fiel bei einer Routinekontrolle sein Koffer, der kein Label hatte, auf. Im doppelten Boden fanden die Zollfahnder dann über 3900 Gramm Heroin. Wegen Beihilfe zum unerlaubten Handeltreiben mit Drogen in nicht geringer Menge in Tateinheit mit versuchter Durchfuhr hatte sich jetzt der 28-Jährige vor der 1. Strafkammer des Landgerichts zu verantworten.

Wie bereits im Ermittlungsverfahren legte er ein umfassendes Geständnis ab. Er habe sich nach dem Abitur in mehreren Ländern als Gelegenheitsarbeiter durchgeschlagen, darunter auch in Deutschland als Erntehelfer und auf einer Geflügelfarm. So habe er ein jährliches Einkommen von rund 4000 Euro erzielt, das ihm für seinen Lebensunterhalt gereicht habe. Doch dann witterte er das große Geld.

Über seinen Verteidiger Thomas Krimmel teilte er mit, im September in Krakau einen gewissen „Tomec“ kennen gelernt zu haben, der ihm „schnelles und leichtes Geld“ angeboten habe: 3000 Euro für den Transport eines Koffers. Und: Was drin sei, müsse er nicht wissen.

Sein Mandant, so der Anwalt, habe zwar ein „ungutes Gefühl“ gehabt und gewusst, dass es sich um „etwas Illegales“ handeln musste. Trotzdem trat er gut eine Woche später die Reise an. Er bereue sein Verhalten, habe aber nicht gewusst, dass es sich beim Kofferinhalt um Drogen handle. Vielmehr habe er an Schmuggelware wie Diamanten gedacht.

Er sei dann zunächst von Kattowitz nach Neapel und von dort nach Rom geflogen, anschließend nach Kapstadt gereist, wo er sich gut zwei Wochen aufgehalten habe, ehe er dann nach Johannesburg dirigiert worden sei. Dort sei ihm schließlich der Koffer ins Hotel gebracht worden. In Italien, so berichtete er, habe er es mit einem gewissen „Abdul“ zu tun gehabt, in Südafrika dann mit einem „Mogle“. Von beiden habe er jeweils 300 Euro Spesen erhalten. Den Kurierlohn sollte er erst nach Ende seiner Mission erhalten.

Der mit den Ermittlungen betraute Zollfahndungsbeamte bestätigte, dass der 28-Jährige sich bei seinen Vernehmungen bemüht habe, die Hintermänner namhaft zu machen und dass die ihm von ihnen übergebenen Handys zur Auswertung gekommen seien. Einen Fahndungserfolg allerdings habe man bisher nicht zu verzeichnen.

Nebenbei bestätigte der Zollfahnder, dass Heroinschmuggel in den vergangenen Jahren kaum zu verzeichnen und eine derartige Menge ein Rekord gewesen sei. Die Kuriere seien fast ausnahmslos mit Kokain unterwegs.

Staatsanwalt Dr. Marc Orgel beantragte eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und zehn Monaten. Seiner Ansicht nach wusste der Gelegenheitsarbeiter, was er transportierte. Unter anderem habe er in einem Brief aus der Haft heraus an seine Angehörigen geschrieben, dass er sich des Risikos bewusst gewesen sei. Straferschwerend, so der Anklagevertreter, falle ins Gewicht, dass er sich in keiner finanziellen Notlage befunden und nicht unter Suchtdruck gehandelt habe. Vor allem aber warf er dem Polen die große Menge der harten Droge, die das 1200-Fache der nicht geringen Menge ausgemacht habe, vor.

Verteidiger Dr. Krimmel erachtete dagegen eine Freiheitsstrafe nicht wesentlich über fünf Jahre für angemessen, verwies insbesondere auf die Aufklärungsbemühungen seines Mandanten und seine Haftempfindlichkeit.

Die Kammer sah ebenfalls fünfeinhalb Jahre als schuldangemessen an. Der 28-Jährige, so Vorsitzender Konrad Lackner, habe sich ob des erheblichen Kurierlohns, der für ihn ein Jahreseinkommen bedeutete, ködern lassen. Zweifel seien geblieben, ob er nicht doch konkret gewusst habe, um was es geht. Zu Lasten sei auch noch die große Menge ins Gewicht gefallen, die erheblichen Schaden und großes Leid hätte verursachen können.

Walter Schöttl

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