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Bildbetrachter: Jury-Chef Hans-Eberhard Hess zeigt BJV-Vorsitzendem Michael Busch und Hans-Joachim Bues von der FMG (v. r.) die besten Pressefotos Bayerns. 

Zum 14. Mal Pressefotos des Jahres im Terminal 2

„Es hat ein bisschen sehr gesödert“

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Der Höhenflug der Grünen reicht bis an den Flughafen München. Den Augenblick für die Ewigkeit festgehalten hat Fotograf Andreas Gebert. Er hat die Jury des Bayerischen Journalisten Verbandes (BJV) am nachhaltigsten überzeugt.

Flughafen – Das bayerische Pressefoto des Jahres zeigt Grünen-Bundesvorsitzenden Robert Habeck, der mit geschlossenen Augen den Triumph bei der Landtagswahl genießt, während seine Parteifreunde beim Verkünden der ersten Hochrechnung völlig aus dem Häuschen sind und grüner Glitzer von der Decke regnet. 

Doch nicht nur dieses Dokument der Zeitgeschichte ist noch bis 30. Juni auf der Abflugebene des Terminals 2 am Münchner Flughafen zu sehen, sondern auch die Siegerbilder aller anderen Kategorien. Die Wertung „Bayern Land & Leute“ gewann Christine Czybik mit einem Nikolaus im Kreise seiner Buttnmandl vor verschneiter Alpenkulisse. Der Preis für die beste Serie ging an Stefan Gregor, der im Konzentrationslager Auschwitz auf den Auslöser gedrückt hatte. Die Sportwertung entschied Peter Schatz für sich: Frankreichs Präsident Emanuel Macron und seine kroatische Kollegin Kolinda Grabar-Kitarovic im strömenden Regen mit dem Pokal der Fußball-WM.

Die Ausstellung mit den besten Pressefotos startete heuer zum 19. Mal im Bayerischen Landtag, zum 14. Mal in Folge ist sie am Flughafen zu sehen, diesmal in einem ganz neuen Galerie-Design.

Bei der Vernissage erklärte Hans-Joachim Bues, Leiter der Unternehmenskommunikation der Flughafen München GmbH, „dass wir hier so viel Publikum bieten können wie wohl kein anderer“, nämlich etwa 90 000 Menschen pro Tag. Bis Ende Juni wären das vier Millionen. Bues beeindruckte die Vielfalt der Bilder – etwa die Auschwitz-Serie, die mit einem als Wolke verkleideten Radfahrer unter Seifenblasen, der durch den Englischen Garten radelt, kontrastiert.

Hans-Eberhard Hess, Sprecher der BJV-Jury, erklärte, dass man bewusst die Landtagswahl abgewartet habe. Mit einer erwartbaren Folge: „Es hat ein bisschen sehr gesödert.“ Die Technik ist für Hess nicht das Ausschlaggebende: „Der Kopf hinter der Kamera macht das Bild, nicht die Kamera.“ An die Verlage, insbesondere an Blattmacher und Layouter appellierte er: „Geben Sie den Fotos Raum.“ Gute Motive stünden für sich selbst und seien nicht reine Illustration von Texten.

Aufgabe des Wettbewerbs und der Wanderausstellung ist es seit jeher, den Bildern beziehungsweise ihren Urhebern ein Forum zu geben. „Wir rücken die Wertigkeit des Bildes in den Fokus“, so Hess.

Vom „Wert des Fotos“ sprach dann auch BJV-Vorsitzender Michael Busch. Er erinnerte daran, dass Bilder Weltgeschichte geschrieben hätten, etwa das weinende nackte Mädchen im Vietnam-Krieg. Scharf kritisierte er die „unglaublich fehlende Wertschätzung“ durch die Verlage. Er berichtete von einem fränkischen Medienhaus, das gerade einmal 3,57 Euro Honorar pro Bild zahle. „Das ist unverschämt wertlos“, so der BJV-Vorsitzende. In Zeiten, in denen allein in Deutschland pro Tag 20 Millionen Bilder in den sozialen Netzwerken hochgeladen würden, müsse man die tatsächlich professionell angefertigten Aufnahmen in den Mittelpunkt stellen.

Unter den prämierten Fotografen ist auch heuer wieder einer aus der Flughafenregion. Die Jury hat gleich drei Aufnahmen des Erdingers Alexander Hassenstein (Agentur Getty Images) ausgewählt: Basti Schweinsteiger beim Abschiedsspiel, nachdenklich auf dem Rasen knieend, eine Skirennläuferin im düsteren Tunnel des Starthäuschens sowie, in Schwarzweiß, Markus Söder andächtig vom Balkon des Landtags über München blickend. Ein bisschen södern durfte es dann doch. 

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