Flughafen München
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Kontrollen am Flughafen stehen in der Kritik.

Sechs Mitarbeiter befürchten schwere Lungenschäden

Am Flughafen: Verströmten die Sprengstoff-Kontrollgeräte giftige Dämpfe?

  • Dirk Walter
    vonDirk Walter
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München - Seit es die Sprengstoffsuchgeräte am Flughafen München gibt, haben sich bereits 140 Mitarbeiter krank gemeldet - das ist ein Zehntel der Belegschaft. Sechs von ihnen befürchten schwerwiegende Lugenschäden. Schuld sollen die Sprengstoffgeräte sein.

Sprengstoffsuchgeräte der Typen Sniffer und Itemiser sollen giftige Dämpfe, unter anderem Formaldehyd und Cyclohexanon, verströmt haben. So erklären sich Mitarbeiter der Sicherheitsgesellschaft München (SGM) ihre hartnäckigen Beschwerden. Derzeit sind 140 Mitarbeiter im Krankenstand, bestätigt die Regierung von Oberbayern, der die SGM unterstellt ist. Das ist ein Zehntel der Belegschaft. 27 Mitarbeiter hätten auch eine so genannte Unfallanzeige abgegeben. Zwar seien die allermeisten dieser Kontrolleure nun wieder im Dienst, einige jedoch nicht: „Sechs dieser Mitarbeiter sind langzeitkrank“, erklärt die Regierung – zum Teil schon seit zwei Monaten.

Erstmals eingesetzt wurden die Geräte des Typs Sniffer am 24. August. „Die Mitarbeiter der ersten Schicht hat’s richtig erwischt“, berichtet Verdi-Gewerkschaftssekretär Ulrich Feder. Kurz nach dem Einschalten der Geräte habe sich „ein beißender Geruch“ im Raum verbreitet. Selbst Passagiere und Beamte der Bundespolizei hätten sich beschwert, berichtet ein Zeuge unserer Zeitung. Aber zunächst passierte wenig. Ein Vorgesetzter rief beim Luftamt Südbayern an, das der Regierung von Oberbayern zugeordnet ist. Wie berichtet, kam dann eine Mitarbeiterin vorbei, die die Sache aber offenbar nicht ernst nahm. Die Geräte blieben in Betrieb, mehrere Stunden lang mussten die Kontrolleure vor Ort ausharren, ehe sie abgelöst wurden.

Flughafen München: "Ob bleibende Schäden zu befürchten sind, weiß keiner"

Danach gingen sie zum Arzt, der ein toxisches Lungenödem befürchtete und die Betroffenen gleich weiter ins Krankenhaus schickte. In den anschließenden Wochen durchlitten die Kontrolleure ein Wechselbad der Gefühle. Mal ergaben Lungenmessungen schlechte Werte, dann wieder gute. Mehrere Betroffene nehmen seit zwei Monaten ein Kortison-Spray, um Folgeschäden zu verhindern. „Ob bleibende Schäden zu befürchten sind, weiß keiner“, klagt einer der Kontrolleure gegenüber dem Münchner Merkur. Seine Lungenoberfläche, so habe es ihm ein Arzt geschildert, müsse man sich so vorstellen, als sei „eine Styroporplatte mit einem Feuerzeug behandelt worden“. Andere Betroffene klagen über hartnäckige Hautausschläge – „wie ein Streuselkuchengesicht“. Wiederum andere berichten über einen „absoluten Leistungsabfall“, über Atembeschwerden „wie nach einem Marathonlauf“.

Im Verdi-Büro am Flughafen erhalten betroffene Mitglieder Rechtsberatung. Mehrere Dutzend haben Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Landshut gestellt. Bei Verdi geht man davon aus, dass Schadensersatzansprüche bestehen. Doch die Ermittlungen werden kompliziert. Viele Mitarbeiter hoffen, dass ein Gutachten der Dekra Aufschluss über die Gesundheitsgefahren gibt. Es soll brisante Aussagen enthalten. Das Gutachten ist jedoch unter Verschluss. Allerdings zieht die Herstellerfirma des Sniffer den Dekra-Test in Zweifel – das Prüfverfahren sei unzulässig gewesen sein. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dürften daher noch länger dauern.

Flughafen München: Ein Kontrolleur ist vor Gericht gezogen

Unabhängig davon steht SGM auch wegen einer Arbeitszeit-Vereinbarung in der Kritik. Einzelne Mitarbeiter, die sich an unsere Redaktion wandten, weisen daraufhin, dass die Anzahl der beschäftigungsfreien Sonntage nicht eingehalten worden sei. Laut Arbeitszeitgesetz sind 15 arbeitsfreie Sonntage Pflicht, mit dem Betriebsrat wurde jedoch vereinbart, diese Zahl auf zehn zu reduzieren – „konform mit dem Arbeitszeitgesetz“, wie die Regierung beteuert. Ein Kontrolleur ist deswegen aber vor Gericht gezogen.

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