Gewerkschaft der Polizei fürchtet Überbelastung im Juni

Geheimplan: Wird die Sicherheitskonferenz jetzt an den Flughafen München verlegt?

  • Klaus Rimpel
    vonKlaus Rimpel
    schließen
  • Christian Deutschländer
    Christian Deutschländer
    schließen

Offiziell herrscht noch Stillschweigen über den Nachholtermin für die Münchner Sicherheitskonferenz. Doch über die Polizeigewerkschaft ist ein Geheimplan durchgesickert, er verweist auf den Flughafen München.

München - Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Bayern preschte jetzt vor – aus Sorge um die in der Corona-Pandemie* ohnehin schon an der Überlastungsgrenze arbeitenden Polizeibeamten. Laut Polizei soll die Siko vom 10. bis 12. Juni 2021 am Münchner Flughafen* stattfinden – nicht nur virtuell, sondern mit leibhaftig anreisenden Größen der Weltpolitik. Im Februar gab es ja unter dem Titel „Road to Munich 2021“ nur eine digitale Veranstaltung.

München: Siko-Planungen stoßen bei Polizei-Gewerkschaft auf Unverständnis

Die Siko-Planungen stoßen bei der GdP Bayern auf großes Unverständnis. Es sei „nicht nachvollziehbar, warum nun ein persönliches Treffen von Vertretern aus allen Herren Länder am Münchner Flughafen stattfinden soll“, so der Landesvorsitzende Peter Pytlik. Im Gespräch mit unserer Zeitung machte er deutlich, dass insbesondere die zu erwartenden Demonstrationen gegen die „umstrittene Veranstaltung“ für die Polizei eine gewaltige Herausforderung darstellen. „Während für die Bürgerinnen und Bürger Grundrechte drastisch eingeschränkt werden, erlaubt sich die politische Führung samt Wirtschaftsgrößen im Gegenzug das, was es sonst der Bevölkerung verbietet, nämlich sich zu treffen, auszutauschen und den persönlichen Kontakt zu suchen“, so der Gewerkschafter. Derartige „Sonderbehandlungen“ in der angespannten Corona-Situation würden den Unmut in der Bevölkerung weiter massiv schüren, fürchtet Pytlik.

Die Sicherheitskonferenz im Bayerischen Hof musste heuer pandemiebedingt ausfallen, Siko-Chef Wolfgang Ischinger moderierte ein virtuelles Format. Jetzt steht eine Konferenz am Flughafen im Juni im Raum.

Zudem würden hier neben der Entscheidung, bei EM-Fußballspielen in München möglicherweise Zuschauer zuzulassen, weitere „unnötige Einsatzlagen geschaffen, die die Polizei personell an die Grenze bringen“.

Die GdP fordert deshalb, die Siko zu verschieben und bei der EM keine Zuschauer zuzulassen. Der europäische Fußballverband UEFA hatte zunächst auf einer Zuschauergarantie für die Gastgeberstädte bestanden – diese wollte Oberbürgermeister Dieter Reiter bis zuletzt nicht abgeben. Am 15. Juni soll die deutsche Elf in der Allianz Arena gegen Weltmeister Frankreich antreten. Das favorisierte Szenario sieht dabei 14.500 Zuschauer vor.

Siko-Chef Wolfgang Ischinger.

Im Siko-Team wird bestätigt: Ja, man habe die Möglichkeit einer Flughafen-Siko gründlich besprochen. Es gebe ein Zeitfenster Mitte Juni bis Mitte Juli, in dem man das Terminal theoretisch nutzen könnte, sagen Eingeweihte. Ebenso gebe es Überlegungen mit der Messe. Oberster Maßstab sei aber die Vorsicht, man werde keine virologischen Risiken eingehen und sich genau an alle Regeln halten.

Offiziell teilt die Sicherheitskonferenz mit, man sondiere „seit Monaten verschiedene Szenarien, um eine kleine Präsenzveranstaltung durchzuführen, sobald es die pandemischen Verhältnisse wieder erlauben“. Wegen der unübersichtlichen Lage sei aber „derzeit keine Entscheidung absehbar“. Bis auf Weiteres setze die Sicherheitskonferenz deshalb auf virtuelle Gesprächsformate, „um Dialoge am Leben zu halten“. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Übrigens: Die wichtigsten Geschichten aus dem Freistaat gibt‘s jetzt auch in unserem brandneuen, regelmäßigen Bayern-Newsletter.

Rubriklistenbild: © Fritsch/Imago

Auch interessant

Kommentare