1. Startseite
  2. Lokales
  3. Erding
  4. Flughafen München

Ultrafeinstaub am Flughafen München: Wie gefährlich ist der Flugverkehr für unsere Lungen?

Erstellt:

Von: Dirk Walter, Andreas Beschorner

Kommentare

Ein Flugzeug setzt zum Landeanflug an: Wie gefährlich ist Ultrafeinstaub für unsere Lungen?
Ein Flugzeug setzt zum Landeanflug an: Wie gefährlich ist Ultrafeinstaub für unsere Lungen? © Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild

Was sind die Auswirkungen von Ultrafeinstaub? Ein besonders aufwändiges Forschungs-Projekt startete an der Universität der Bundeswehr Neubiberg. Im Fokus einmal mehr: der Flugverkehr.

München/Freising – Schon unzählige Male ist Reinhard Kendlbacher mit einem Messgerät bewaffnet rund um den Flughafen München* gefahren. Mit einem Handmessgerät jagte das Mitglied des „Bürgervereins Freising zur Vermeidung von Lärm- und Schadstoffbelastung“ dem Ultrafeinstaub hinterher. Ultrafeinstaub-Partikel, kurz UFP, sind wie der Name schon sagt, ultrakleine Teilchen in der Größe von maximal 100 Nanometer – tausendmal kleiner als ein menschliches Haar. Der Bürgerverein vermutet, dass vor allem die Verbrennung von schwefelhaltigem Kerosin besonders viel UFP erzeugt – das auch in den Lungen landen kann. „Uns geht’s da auch um die Kinder, die so was einatmen – auf Spielplätzen der Flughafen*-Umgebung etwa.“

Ultrafeinstaub: „Wir müssen sehr vorsichtig sein“

Als die Messungen 2017 begannen, war die Erforschung noch in den Anfängen, doch mittlerweile hat sich einiges getan. Im Auftrag des bayerischen Umweltministeriums betreibt die Uni Bayreuth am Rand von Freising und Hallbergmoos zwei Messstationen. „Wir werten gerade die Daten aus und prüfen sie auf ihre Qualität“, sagt Anke Nölscher, Juniorprofessorin für Atmosphärische Chemie. „Wir müssen sehr vorsichtig sein“, es gebe in der Luft eine Art Gemengelage durch viele potenzielle Quellen für UFP. Auch Autoverkehr spiele eine Rolle. 2023 sollen Ergebnisse vorliegen. Nölschers Studien sind Teil eines Forschungsverbundes, der an der Uni Erlangen koordiniert wird. Ein weiteres Projekt: die Frage nach den Gesundheitsgefahren von UFP. Sie können in die Lunge gelangen, aber wie krank machen sie? Dieser Frage geht das Institut für Umweltmedizin an der LMU München* nach. Versuchspersonen werden dabei Luftschadstoffen ausgesetzt und dann die Lungenfunktionen überprüft.

Unabhängig davon hat die Universität der Bundeswehr München-Neubiberg mit sechs weiteren Forschungseinrichtungen im September 2021 ein von der EU finanziertes Forschungsvorhaben gestartet: Ultrhas steht für „Ultrafine particles from Transportation“. Untersucht wird Ultrafeinstaub von Diesel- und Benzinmotoren, Flugzeugturbinen und Schiffsmotoren. Auch der Abrieb von Bahn-Oberleitungen wird gemessen. Am Schluss solle eine Art Risikobewertung stehen, erklärt die Pressestelle der Bundeswehr-Uni.

Flughafen München: Das Problem ist nach wie vor, dass es keine Grenzwerte gibt

Das Problem ist nach wie vor: Es gibt keine Grenzwerte. Der just gestern vorgelegte Bericht des Umweltbundesamtes sieht zwar Fortschritte bei der Einhaltung der Grenzwerte zur Luftqualität etwa bei Feinstaub und Stickstoffdioxid, erwähnt aber die UFP erst gar nicht. Allerdings anerkennt die Weltgesundheitsorganisation WHO zu den UFP nun Forschungs- und Regelungsbedarf, wie sie in ihren „Air Quality Guidelines“ vom September 2021 betonte.

Der Bürgerverein Freising hat sich mittlerweile professionalisiert. Statt Handmessgeräten gibt es nun sieben feste Messstationen unter anderem in Attaching, Wartenberg und Eitting. Gestern übergaben Mitglieder des Bürgervereins einen Bericht über die Messungen, der in der Fachzeitschrift „Gefahrstoffe – Reinhaltung der Luft“ des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) erschienen ist. Ergebnis: Vergleichsmessungen zur UFP-Belastung vor und während des Lockdowns hätten eindeutig gezeigt, dass die Konzentration der schädlichen Partikel mit der Zahl der Flugbewegungen korreliere. Landrat Helmut Petz lobte den Einsatz des Bürgervereins: „Sie haben das Thema salonfähig gemacht.“ *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Übrigens: Unser Bayern-Newsletter informiert Sie über alle wichtigen Geschichten aus dem Freistaat. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Kommentare