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Tausende leere Maschinen: Lufthansa sieht sich zu zahlreichen Leerflügen gezwungen - die EU widerspricht

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Von: Dirk Walter

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Die Lufthansa sieht sich zu zahlreichen Leer-Flügen wegen Corona verpflichtet. Auch hier am Münchner Flughafen.
Die Lufthansa sieht sich zu zahlreichen Leer-Flügen wegen Corona verpflichtet. Auch hier am Münchner Flughafen. © Sven Hoppe/dpa

Im Konflikt um sogenannte Leerflüge der Lufthansa beharrt die Fluglinie auf einer schnellen Reform der EU-Richtlinien. Die EU-Kommission sieht sich indes zu Unrecht angegriffen.

München - Zwischen der Lufthansa* und dem EU-Verkehrskommissariat herrscht dicke Luft. Grund ist eine Aussage von Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Er hatte im Dezember via Interview behauptet, eine absurde EU-Regel zwinge seine Fluglinie zu unnötigen Flügen. Zwar habe die Lufthansa aufgrund der Omikron-Welle 33.000 Flüge aus ihrem Winterflugplan gestrichen. Weitere 18.000 Leerflüge im Januar und Februar seien jedoch notwendig, nur um sich die bestehenden Start- und Landerechte weiter zu sichern.

Ein Teil ist schon absolviert, jetzt geht es noch um 11.000 Flüge, die die Lufthansa gerne vermeiden würde, wie ein Sprecher gegenüber dpa sagte. Derzeit würden im Konzern täglich etwa 100 kommerziell unnötige, kaum besetzte Flüge durchgeführt – zum Teil auch von oder nach München*. Klagen über Leerflüge gibt es auch in anderen Ländern. Belgiens Verkehrsminister hat sich vergangene Woche deswegen bei der EU beschwert.

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Leerflüge der Lufthansa: EU bestreitet Vorwürfe

Die Vorwürfe werden von der EU-Kommission indes rundum bestritten. „Keine Airline“, so versicherte ein Sprecher des EU-Verkehrskommissariats am Donnerstag (13. Januar) in einer extra angesetzten Pressekonferenz, werde zu Leerflügen gezwungen. Und: „Wir haben keine Anzeichen, dass die Lufthansa Leerflüge durchführt, um sich Slots zu sichern.“

Ursache der von der Lufthansa als unnötig bezeichneten Flüge ist die Slot-Regelung der EU. In normalen Zeiten müssen Fluggesellschaften mindestens 80 Prozent ihrer angemeldeten Flüge auch durchführen, um ihre Start- und Landerechte an den Flughäfen* zu behalten. Diese Quote wurde für den Winterflugplan 2021/22 aufgrund einer Prognose der europäischen Behörde Eurocontrol auf 50 Prozent abgesenkt. Doch auch dieser Wert sei noch zu hoch, behauptet die Lufthansa. Denn die Omikron-Welle habe alle überrascht – und zu einem Einbruch der Buchungszahlen geführt.

Video: Die Rückerstattungsquote bei der Lufthansa ist weiterhin schlecht

Die Problematik mit den Leerflügen könnte sich in ein paar Monaten noch verschlimmern

Für solche Fälle gebe es aber die sogenannte JNUS-Regel, betont die EU-Kommission. JNUS steht für Justified-Non-Use-Of-Slots (begründete Nichtnutzung von Slots). Fluggesellschaften können so Flüge während eines laufenden Flugplans streichen, ohne ihre angestammten Slots zu verlieren. Doch die Lufthansa hält JNUS für einen bürokratischen und wenig erfolgversprechenden Weg. Jeder einzelne Flug müsse bei den Slot-Koordinatoren des Start- und Landelandes via E-Mail als unnötig deklariert werden. JNUS sieht dabei vor, so erläutert eine Lufthansa-sprecherin, dass „außergewöhnliche Umstände“ vorliegen müssen.

Dies werde aber sehr unterschiedlich interpretiert. „Die für den Winterflugplan geltende Slot-Regel ist vor dem Auftreten von Omikron beschlossen worden und passt nicht mehr zur aktuellen Corona-Pandemiesituation*.“ Besser sei es, die Slot-Regeln „wie etwa in den USA“ vorübergehend ganz zu streichen.

Die EU-Kommission sei mit der Lufthansa im Gespräch, hieß es am Donnerstag. Doch der Streit könnte sich bald noch verschärfen: Denn für den Sommerflugplan, der Ende März in Kraft tritt, soll die Nutzungsrate angemeldeter Flüge auf 64 Prozent angehoben werden. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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