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Eröffneten die Fotoausstellung am Airport (v. l.): Thomas Bihler (Flughafenverein), Fotograf Anselm Skogstad, Prof. Dr. Christoph Klein (Haunersches Kinderspital), Münchens Alt-OB Christian Ude, FMG-Chef Michael Kerkloh und Fotograf Kamer Aktas.

Kinder in Not

Der Kampf gegen Krankheiten, die keiner kennt

Flughafen - Am Flughafen läuft derzeit eine sehenswerte Ausstellung, die sich mit seltenen Krankheiten bei Kindern befasst.

Es war ein Gänsehaut-Satz in einer sehr nachdenklich stimmenden Vernissage, den Prof. Dr. Christoph Klein in die Runde im Zentralbereich des Flughafens rief: „Kein Kind darf mehr sterben, weil seine Krankheit so selten ist, dass sich Forschung und Arzneimittelhersteller nicht dafür interessieren.“ Klein ist Ärztlicher Direktor der Haunerschen Kinderklinik München und Vorsitzender der Care-for-Rare-Foundation, die diese seltenen Erkrankungen in den Fokus rückt, damit sie auch sie erforscht werden.
Dass der Satz keine Phrase ist, belegte der Kinderheilkundler mit einer besorgniserregenden Zahl: „Jedes Jahr verlieren wir allein in Bayern deswegen 300 Kinder.“
Der Verein ist noch bis Jahresende mit der sehenswerten Fotoausstellung „erkennen-verstehen-heilen“ im München Airport Center vertreten. Bei ihr bekommen Kinder, die an unerforschten Krankheiten leiden, ein Gesicht. Es sind deutsche und türkische Mädchen und Buben, um die sich die Stiftung kümmert. Aufgenommen haben die Porträts die Fotografen Kamer Aktas und Anselm Skogstad.
Bei der Eröffnung wies Flughafen-Hauptgeschäftsführer Michael Kerkloh auf die Bedeutung der Stiftung hin. „Die Medizin spricht von rund 7000 seltenen Erkrankungen, unter denen allein in Deutschland vier Millionen Kinder leiden.“ In der Türkei seien es 3,8 Millionen. Als seltene Krankheiten gelte jene, von denen weniger als fünf von 10 000 Menschen betroffen sind. „Besser als Zahlen und Fakten können aber sicherlich die hier gezeigten Porträts betroffener Kinder ein Gefühl vermitteln.“
Das Problem sei, so Kerkloh weiter, „dass es oft sehr lange dauert, bis eine richtige Diagnose vorliegt. Die Heilungmöglichkeiten sind meist beeinträchtigt, weil es kaum Forschungsergebnisse und Therapieansätze gibt.“ Um so wichtiger sei die Care-for-Rare-Foundation. „Wir zeigen die Ausstellung gerne und wünschen ihr viel Erfolg“, so der FMG-Chef mit Hinweis auf das große Publikum und die Möglichkeit, vor Ort zu spenden.
Schirmherr und Münchens Alt-OB Christian Ude sagte, der Flughafen sei ein idealer Ort, „ein Problem zu thematisieren, zu dem viele keinen Bezug haben“. Er gab zu, dass das Thema bei vielen unpopulär sei, „wenn man doch an diesen Flughafen kommt, um allen Problemen in Richtung Urlaub davonzufliegen“.
Ude freute es, dass auch türkische Kinder im Mittelpunkt stehen. „Das möge helfen, unser Türkeibild zu überdenken und realistischer zu gestalten.“ Wer unter eine Volkskrankheit wie Krebs leide, der könne sich der allgemeinen Anteilnahme und des Mitgefühls sicher sein. „Wer aber das Schicksal einer unbekannten Erkrankung zu tragen hat, der befindet sich oft auch noch in einer sozialen Isolation“, konstatierte Ude. Stiftung und Ausstellungen seien ein wichtiger Beitrag, dies zu durchbrechen.
Prof. Klein bedauerte, dass ökonomische Zwänge oft eine wichtigere Rolle spielten als die ärztliche Pflicht, Menschen in Not zu helfen. Umso wichtiger seien Spenden und Öffentlichkeit. Viel Applaus erhielt er für den Satz, dass es eine gesellschaftliche Verpflichtung sein müsse, „jedes Kind in seiner Eigenheit und Würde zu achten“.

Thomas Bihler vom Flughafenverein nutzte die Vernissage, der Stiftung einen Scheck über 5000 Euro zu überreichen.

Hans Moritz

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