Prozess um Flughafen-Baby 

Gutachter: Sie hatte das Kind in der Hand

Flughafen/Landshut – Im Prozess um das so genannte Flughafen-Baby wird heute das Urteil erwartet. Das von der Verteidigung geforderte gynäkologische Gutachten erwies sich als Bumerang. Es widerlegt die Version der Mutter.

Im Prozess vor der Schwurgerichtskammer des Landshuter Landgerichts um das so genannte Flughafen-Baby werden für den heutigen Freitag die Plädoyers und das Urteil erwartet. Am gestrigen 6. Verhandlungstag widerlegte Professor Schneider, Chef der Geburtshilfe am Münchner Klinikum rechts der Isar, die Version der wegen versuchten Totschlags angeklagten 24-jährigen Erzieherin aus Heidenheim, sie habe die Geburt ihrer Tochter nicht mitbekommen. Er sagte: „Sie muss das Kind in der Hand gehabt haben.“

Wie berichtet, wird der 24-Jährigen vorgeworfen, am 30. Juli vergangenen Jahres nach ihrer Rückkehr aus Dubai auf der Toilette des Parkhauses P 20 am Flughafen ihre Tochter zur Welt gebracht, sie dann mit der Nabelschnur stranguliert, danach mit der Plazenta voran ins Toilettenbecken gestopft und die Spülung betätigt zu haben. Mit viel Glück und aufwändigen Rettungsmaßnahmen konnte das Mädchen, das inzwischen bei Pflegeeltern lebt, gerettet werden.

Die Erzieherin hatte die Tötungsabsicht stets bestritten, zum Geburtsvorgang aber widersprüchliche Angaben gemacht: So habe sie das Kind nicht stranguliert und nicht in die Toilette gestopft, sondern in die Kloschüssel „hineingeboren“ und nicht in der Hand gehabt.

Diese Version hatte allerdings einen Haken: Die Nachgeburt hatte sich in der Kloschüssel unterhalb des Kindes befunden und die Nabelschnur war dreifach um den Hals des Mädchens gewickelt.

Das vom Verteidiger geforderte gynäkologische Gutachten brachte nicht die erhoffte Entlastung. Professor Schneider stellte fest, dass eine vorzeitige Plazentaablösung, wie sie der Verteidiger ins Spiel gebrachte hatte, äußerst selten sei und im vorliegenden Fall tödlich für Mutter und Kind verlaufen wäre.

Unwahrscheinlich sei auch, dass das Baby mit den Füßen voraus in die Schüssel „hineingeboren“ worden sei: Das wäre ein extremer Ausnahmefall und ohne fremde Hilfe nicht möglich. Wie schon die Rechtsmedizinerin kam Schneider zu dem Ergebnis, dass der Geburtsvorgang in der normalen Reihenfolge von statten gegangen sei, die 24-Jährige ihr Kind in der Hand gehabt und „gedreht“ haben muss. Das Baby habe mit Sicherheit auch Lebenszeichen von sich gegeben.

Was die Nabelschnur anging, wollte sich der Sachverständige nicht festlegen: Eine dreifache Umwicklung komme in einem von 1800 Fällen vor, sei aber letztlich nicht auszuschließen. Auch dass die 24-Jährige den Geburtsvorgang nicht realisiert habe, schloss der Gutachter weitgehend aus: Selbst wenn es sich möglicherweise um eine Sturzgeburt gehandelt habe, hätte sie die bemerken müssen: „Nur extrem Rauschgiftsüchtige merken da vielleicht nichts.“

Zuvor hatte die an der Heidenheimer Klinik tätige Gynäkologin Dr. Carina Pachold von der Erstuntersuchung der 24-Jährigen etwa eine Woche nach deren Festnahme berichtet. Im Gespräch habe diese zunächst bestritten, je schwanger gewesen zu sein und ein Kind zur Welt gebracht zu haben. Die Untersuchungen hätten dann eindeutig das Gegenteil ergeben. „Als ich ihr den Befund mitgeteilt habe, konnte ich bei ihr keine Reaktion feststellen. Das hat für mich nicht gepasst.“

Walter Schöttl

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