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Die Mutter des Flughafenbabys mit ihrem Anwalt Adam Ahmed (l.) und einem Justizbeamten in Zivil.

Zweiter Prozesstag vor dem Landgericht Landshut

Mutter des Flughafenbabys: Geständnis zwischen den Zeilen

Flughafen/Landshut - Die Mutter des Flughafenbabys hat in einem Brief an ihre Eltern zumindest zwischen den Zeilen gestanden, das Mädchen am 30. Juli vergangenen Jahres auf einer Parkhaus-Toilette am Flughafen entbunden und ins Klo gesteckt zu haben.

Das kam am zweiten Prozesstag vor dem Landgericht Landshut heraus. Die junge Frau schweigt auf Anraten ihres Anwalts Dr. Adam Ahmet weiterhin, nachdem sie zusätzlich unter Verdacht steht, möglicherweise zwei Neugeborene beseitigt zu haben (wir berichteten).

Im Mittelpunkt stand am Freitag ein von Richter Markus Kring verlesener Brief der Angeklagten an ihre Eltern. Er klingt wie ein Geständnis. Zunächst entschuldigt sie sich für den Kummer, den sie Vater und Mutter bereite. „Warum ich so reagiert habe, keine Ahnung.“ Dann versucht sie doch eine Erklärung: Sie habe erst in Dubai bemerkt, dass sie schwanger sei. Danach sei sie auf sich gestellt gewesen. Der Vater habe seine Rolle abgestritten und ihr mitgeteilt, dass er für das Kind keine Verantwort übernehme.

Die gelernte Erzieherin schreibt weiter, dass sie überlegt habe, das Baby in Dubai in einer Moschee oder Kinderklappe abzugeben. Auch die Geburt am Flughafen schildert sie: „Ich hatte Schmerzen, die Fruchtblase ist geplatzt. Zack war das Kind da und überall Blut.“ Das Baby habe keinen Mucks gemacht, deshalb habe sie an eine Fehlgeburt gedacht: „Aber ich konnte es nicht liegen lassen oder töten.“

Am Schluss teilt die Heidenheimerin mit, dass sie nun Verantwortung übernehmen und das Kind zu sich holen wolle. In einem weiteren Schreiben wenige Tage vor dem Prozessauftakt an die Eltern spricht sie von Reue und Wiedergutmachung: „Schluss mit Lügen und Schönreden.“ Sie wisse, dass sie einen Fehler gemacht habe und rechne mit fünf bis zehn Jahren Haft. Sie wolle ein Buch schreiben und sich nie mehr mit einem Psychopathen – wohl der Kindsvater – einlassen.

Der inzwischen als Vater bestätigte 21-Jähriger sprach von einer „On-off-Beziehung“. Vor ihrem Abflug nach Dubai habe es keine Hinweise auf einer Schwangerschaft gegeben, dafür aber im Frühjahr 2014, als bei ihr ein „Schwangerschaftsbauch“ unübersehbar gewesen sei. Einige Zeit habe es dann keinen Kontakt mehr gegeben, bis sie ihm im Juni mitgeteilt habe, von ihm schwanger zu sein. Etwa einen Monat vor der tatsächlichen Geburt habe sie ihn über die angebliche Entbindung informiert. Beweise konnte sie nicht vorlegen. Später erklärte sie ihm, ihre Tochter in Dubai gelassen zu haben.

Als Zeuge gehört wurde auch der aktuelle Verlobte der Erzieherin, ein 24 Jahre alter Koch. Die beiden hatten sich über Facebook kenne gelernt. Er hatte seine Freundin am Abend ihrer Rückkehr aus Dubai getroffen. Sie sei gut drauf gewesen. Von einer Geburt kurz zuvor habe er nicht bemerkt.

Eine Woche später, gleich nach der spontanen Verlobung wurde die junge Frau festgenommen. Dem Freund gegenüber sprach sie von einem Fehler. Da müsse sie durch und werde daran wachsen. Später werde sie sich um ihre Tochter kümmern. Am Dienstag wird der Prozess fortgesetzt.

Walter Schöttl

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