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Zusammenhalt in Niederbayern: Der Hilfstrupp aus Reithofen/Harthofen vor der Bäckerei Voggenreiter in Anzenkirchen (Markt Triftern).

Unterstützung aus dem Landkreis im Hochwassergebiet

Flut: Bäcker helfen Rottaler Kollegen

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Triftern/Simbach – Hilfe im Hochwassergebiet: Am Wochenende waren Freiwillige aus dem Landkreis im Rottal, um beim Aufräumen zu helfen.

Schäden in Milliardenhöhe, hunderte Häuser zerstört, und mit ihnen unzählige Existenzen: Das Hochwasser vor einer Woche hat die Menschen im Rottal schwer getroffen. Auch in der Bäckerei Voggenreiter in Anzenkirchen (Markt Triftern) hieß es „Land unter“. Innerhalb weniger Stunden war das Wasser in Backstube und Laden auf bis zu 1,80 Meter angestiegen. „Als wir das gehört haben, haben wir nicht lange überlegt. Wir Bäcker halten zusammen und lassen niemanden hängen“, sagt Jakob Neumeier.

Der 26-jährige Reithofener, der in der gleichnamigen Bäckerei seiner Eltern arbeitet, hat eben die Meisterschule beendet und kennt Junior-Chef Sebastian der Bäckerei Voggenreiter aus dem Unterricht. Gemeinsam machen sie jetzt den Betriebswirt des Handwerks. Und gemeinsam haben sie gegen die Schlammmassen gekämpft.

In drei Stunden hat Neumeier am Freitagabend einen Hilfstrupp organisiert, der sich Samstagfrüh nach Anzenkirchen aufmachte. Sein Bäckerkollege Martin König aus Lochham sowie Michael Forstner, Rainer Stankus, Tobias Mühlhuber, Sigi Dafinger, Andreas Speer und Thomas Huber aus Reithofen und Harthofen hatten nicht nur jede Menge Werkzeug vom Besen bis zum Bautrockner im Gepäck, sondern auch Brotzeit für den ganzen Ort. Die Bäckerei Neumeier hat Backwaren und Brote gespendet. Am Sonntag versorgten die Bäckereien Martin’s Backstube aus Dorfen, Polz aus Ampermoching und Huber aus Iffeldorf die Helfer vor Ort ebenfalls mit Backwaren. Mitgebracht hatten sie die Meisterschulkollegen Simon Polz, Rainer Huber, Johannes Lechner, Andreas Zahn, Ernst Neudecker und Bastian Brugger. „Daneben haben uns auch viele Privatleute und Betriebe aus Reithofen und Harthofen unterstützt. Der Zusammenhalt war gigantisch“, sagt Neumeier und erzählt, dass die Bäckerfamilie Voggenreiter den Tränen nahe gewesen sei.

Der Trupp aus der Gemeinde Pastetten hat den Garten weitestgehend vom Schlamm befreit, einige Maschinen der Bäckerei gewaschen und aufgeräumt. So seien „zumindest wieder der ganze Hausrat und die Backstubeneinrichtung sauber. Bis alles funktioniert und repariert ist, dauert es aber noch sehr lange“, berichtet die Bäckersfamilie Voggenreiter und: „Die Hilfe der Jungbäckermeister war Gold wert.“

Die Dankbarkeit der Niederbayern hat auch der Erdinger Thomas Schmidbauer (52) gespürt. Er war am Sonntag in Simbach – „leider alleine, weil sich keine Mitstreiter gefunden haben“. Er kam per Shuttle-Bus zum Marktplatz, „wo alles kaputt ist. Der erste Eindruck war erschütternd“, berichtet Schmidbauer. Fast zwölf Stunden lang hat er geholfen, zwei Häuser von Schlamm, Geröll und zerstörtem Hausrat zu befreien. „Ich weiß gar nicht, wie viele Kübel ich in der Hand hatte“, sagt er. Seine Motivation? „Ich hatte Zeit und die Leute brauchen Hilfe. Wenn mir so was passieren würde, wäre ich um jeden froh, der mir hilft.“ Schmidbauer ist sich sicher, dass nach wie vor Unterstützung gebraucht wird, und empfiehlt jedem, zu helfen: „Man gibt nicht nur etwas, sondern nimmt auch was mit: Den Dank und das Erlebnis, in der Gemeinschaft zu helfen, ohne dass man sich persönlich kennt.“

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