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35. Forsterner Pflanzentauschbörse

Vom Apfelbaum bis zur Zwiebel

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Weitergeben statt wegwerfen: Was mit Bücherschränken und Kleidertauschpartys immer mehr in Mode kommt, gibt es in Forstern seit 17 Jahren auch für Pflanzen.

Forstern Zweimal jährlich lädt der Forsterner Verein für Gartenbau und Heimatpflege um seinen Vorsitzenden Ludwig Hiebinger zur Pflanzentauschbörse ins örtliche Feuerwehrhaus ein – inzwischen schon zum 35. Mal.

Das Konzept ist schnell erklärt: Pflanzen in Haus oder Garten, die nicht mehr gebraucht werden, finden völlig unbürokratisch neue Abnehmer. Und so war auch bei der diesjährigen Herbst-Börse wieder das unterschiedlichste Grün im Angebot – von der Aloe-Vera-Pflanze und Dahlien über Herbstanemonen und Haselnuss bis hin zu Tulpenzwiebeln und Thymian. „Manche Leute bringen Pflanzen, die ihnen nicht mehr gefallen“, erzählt Hiebinger. Andere liefern Ableger ab oder Gewächse, die sie doppelt und dreifach daheim haben.

Viele Pflanzen kamen dieses Mal von den Korbers, die seit Jahren Stammgast bei der Tauschbörse sind. Das Ehepaar aus Dorfen löst gerade seinen Schrebergarten auf und hatte sogar einen Apfelbaum auf dem Hänger dabei.

Die angelieferten Gewächse werden auf Biertischen präsentiert. Christa Weizenbeck vom Gartenbauverein füllt zu jedem einen Pflanzensteckbrief aus. Name, Art, Standort, Farbe Höhe und Infos zur Winterhärte sind dort vermerkt. So wissen die Besucher sofort, mit welcher Pflanze sie es zu tun haben. Die Tauschbörse ist bereits die 35. ihrer Art in Forstern. Auf diesen Erfolg sind die Gartler sehr stolz. „Es ist jedes Mal toll, wie viele Menschen zu uns kommen“, freut sich Hiebinger.

Darunter seien viele Vereinsmitglieder, jedes Mal aber auch neue Gesichter, und die kommen längst nicht nur aus Forstern, sondern auch aus den umliegenden Gemeinden. Zudem bietet der Verein zusätzliche Aktionen – im Herbst ist das immer ein kleiner Bauernmarkt, auf dem Georg und Maria Maier sowie Theresia Ganghofer vom Geräucherten über Kartoffeln bis zum Wurzelgemüse regionale und saisonale Produkte zum Verkauf anbieten. Daneben verkaufen die Gartler Kaffee und selbst gebackene Kuchen für die Vereinskasse – alleine deswegen kommen viele Besucher ins Feuerwehrhaus.

Um kurz vor 13 Uhr ist das Gerätehaus gut gefüllt. Die Gartler stöbern durch die ausgestellten Pflanzen, begutachten, suchen aus. Zwischendrin wird gefachsimpelt. Wo gedeiht die Haselnuss am besten? Welche Pflege braucht die Kapstachelbeere, auch Physalis genannt, um möglichst viele Früchte zu tragen? Die alten und neuen Besitzer tauschen sich aus, geben sich Tipps. „Insofern hat unsere Börse auch einen sozialen Aspekt“, sagt Hiebinger.

Als er dann das große Tauschen offiziell eröffnet, gibt es kein Halten mehr. Wenige Minuten später ist der Run auch schon wieder vorbei. Tüten- und eimerweise tragen die Besucher aus dem Feuerwehrhaus, was sie ergattert haben. Sogar der Apfelbaum hat einen neuen Abnehmer gefunden. „Wenn der nicht weggegangen wäre, hätten wir ihn eben auf unsere Streuobstwiese gepflanzt“, sagt Weizenbeck, die versucht, auch das letzte Grün noch an den Mann zu bringen. „Einfach mal ausprobieren“, sagt sie, wenn jemand zögert, ob sein grüner Daumen dafür ausreicht. Und wenn man wirklich nicht damit zurechtkommt? „Dann kommt man einfach im Frühjahr wieder“, sagt Hiebinger. Denn dann findet die 36. Forsterner Pflanzentauschbörse statt, und die Gewächse haben wieder eine Chance, einen neuen Besitzer zu finden.

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