Beziehungsdrama

Bewährung für Forsterner Würger

Forstern - Paukenschlag im Gerichtsprozess gegen einen 49-jährigen Forsterner, der seine Frau gewürgt hat: Der Mann kommt mit einer Bewährungsstrafe davon.

Die ursprüngliche Anklage gegen einen 49-jährigen Forsterner war noch von versuchtem Mord und Totschlag, in beiden Fällen in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, ausgegangen. Der Prozess vor der Schwurgerichtskammer Landshut endete gestern nach nur einem Tag aber mit einer faustdicken Überraschung.

Laut Staatsanwalt Thomas Rauscher hatte sich das Paar nach zehnjähriger Ehe, aus der drei minderjährige Kinder hervorgingen, im März 2015 getrennt, bewohnte aber noch, mit getrennten Schlafzimmern, das eigene Reihenhaus in Forstern. Gleichzeitig hatte die 34-Jährige bereits eine Beziehung zu einem anderen Mann. Wie berichtet, hatte sich der Angeklagte am 1. Oktober vergangenen Jahres nach einem Oktoberfest-Besuch mit 2,4 Promille Alkohol im Blut zu seiner schlafenden Frau ins Zimmer begeben und sie gewürgt. „Um sie zu töten“, so die Anklage.

Als die 34-Jährige aufwachte, leistete sie heftige Gegenwehr, biss ihrem Mann sogar in den Finger. Doch der ließ zunächst nicht von ihr ab und würgte sie mehrfach, hatte auch ein Klappmesser in der Hand und drohte mit der Ermordung. Selbst als die älteste Tochter (10) hinzukam, würgte er die Mutter weiter, die ihr auf dem Nachttisch liegendes Handy der Tochter mit dem Auftrag übergab, den Notruf anzurufen. Erst als zwei der Kinder im Schlafzimmer auftauchten, ließ der 49-Jährige von seiner Ehefrau ab. Die 34-Jährige holte das dritte Kind und versuchte zu flüchten. Ihr Ehemann, der sie verfolgt hatte, packte sie erneut am Hals. Schließlich gelang es ihr, ihn wegzustoßen und in den Garten zu laufen, wo sie von Nachbarn in Empfang genommen wurde.

Über eine Erklärung seines Verteidigers Andreas Martin räumte der Angeklagte ein, dass er seine Noch-Ehefrau angegriffen und gewürgt habe – allerdings zu keiner Zeit mit einem Tötungsvorsatz. Das werde schon damit belegt, dass er zwar zeitweise ein Messer in der Hand gehabt, dieses aber nicht eingesetzt habe. Sein Mandant, so der Anwalt, sei damals erheblich alkoholisiert vom Oktoberfest gekommen, könne sich nicht mehr erklären, warum er zu seiner Frau ins Schlafzimmer gegangen sei. Die Trennung habe ihn zwar belastet, es habe aber zuvor deshalb nie eine Auseinandersetzung gegeben. Sein Mandant bedauere seine „Ausraster“, allerdings habe nie eine konkrete Lebensgefahr für dessen Ehefrau bestanden.

Die Ehefrau machte wegen der psychischen Belastung von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, stimmte aber der Auswertung ihrer Vernehmung durch die Kripo und den Ermittlungsrichter zu.

Staatsanwalt Rauscher sah letztlich nur zwei Fälle einer vorsätzlichen Körperverletzung als erwiesen an und beantragte dafür eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten. Der Tötungsvorsatz sei nicht nachzuweisen. Rechtsanwalt Jörg Kaiser schloss sich der als Nebenklägerin auftretenden 34-Jährigen an und beteuerte, seiner Mandantin liege nicht daran, dass ihr Noch-Ehemann über Gebühr bestraft werde. Ihr gehe es nur darum, dass es zu keiner weiteren Eskalation komme und würde deshalb ein Näherungsverbot begrüßen. Auch Verteidiger Martin plädierte auf vorsätzliche Körperverletzung und eine Bewährungsstrafe von einem Jahr.

Die Kammer verhängte für zwei vorsätzliche Körperverletzungen schließlich eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten und verwies in der Begründung weitgehend auf die Ausführungen des Staatsanwalts. Strafmildernd wirkte sich aus, dass der 49-Jährige inzwischen sieben Monate in Untersuchungshaft gesessen, ein Geständnis abgelegt und sich bei seiner Frau entschuldigt habe. Außerdem, so Vorsitzender Richter Kring, habe er sich in einer Lebenskrise befunden und sei wegen der Alkoholiserung vermindert schuldfähig gewesen. Zu seinen Lasten gehe aber die Todesangst, die seine Frau ausgestanden habe.

ötl

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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