Experte in Sachen Luftreinigungssysteme Rijnder Mier (61) aus Forstern.
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Experte in Sachen Luftreinigungssysteme ist der gebürtige Niederländer Rijnder Mier (61) aus Forstern. Hier führt er gerade eine Ozonprüfung bei einer UV-Lampe durch.

Beste Kombi für Schule und daheim: Forsterner Experte für Luftreiniger rät zu Filtern und Lüften

„CO2-Messgerät schadet auch privat nicht“

  • Veronika Macht
    VonVeronika Macht
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Luftreinigungsgeräte sind derzeit in aller Munde – vor allem, wenn es um Schulen geht, aber auch für das eigene Zuhause. Doch sind solche Geräte überhaupt sinnvoll? Darüber spricht der Forsterner Experte Rijnder Mier.

Forstern - Eijnder Mier ist Experte für Luftreinigungsgeräte. Der 61-Jährige stammt aus den Niederlanden und lebt mit seiner Familie in Forstern. Vor 13 Jahren hat sich der Elektroingenieur als Sachverständiger für Raumluftmessungen selbstständig gemacht und ist Experte für Luftreinigungssysteme. Im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen Geruchsbelästigungen, aber auch Verunreinigungen durch Staub, Pollen – oder Viren wie Sars-CoV-2.

Herr Mier, welches sind die gängigsten Techniken bei Luftreinigern?
Es gibt im Prinzip drei Techniken: Das gängigste und günstigste sind Schwebstofffilter, sogenannte Hepa- oder Epa-Filter. Dann gibt es noch die UV-Technologie und elektrostatische Filter, die nach dem Prinzip der Ionisierung der Luft arbeiten.
Wie beurteilen Sie diese?
UV-C-Licht ist eine gute Technologie, aber teuer. Je nach Raumgröße braucht man vier bis sechs Geräte, dann ist man schnell bei ein paar tausend Euro. Zudem muss die Qualität des Geräts stimmen. Elektrostatische Filter gehen mit 2000 Euro aufwärts ebenfalls ins Geld. Bei günstigen Ionisationsgeräten wie auch bei UV-Lampen kann schädliches Ozon austreten, was nicht gut für unsere Atemwege ist. Eine gute Alternative sind Schwebstofffilter. Sie fangen Teilchen wie Stäube, Pollen oder auch Viren ab.
Welche Technik würden Sie für den privaten Gebrauch empfehlen?
Dafür empfiehlt sich ein Luftreiniger auf Basis von Schwebstofffiltern der Klasse H13 oder noch besser H14. Das Gerät sollte herausnehmbare Vorfilter haben, die regelmäßig gereinigt werden können. Für ein durchschnittlich großes Wohnzimmer muss man mindestens 400, 500 Euro für ein solches Gerät bezahlen. Wobei bei dieser Preisklasse der Schallpegel im Vollbetrieb meist recht hoch ist.
Aber störende Geräusche will man im Wohnzimmer nicht haben.
Das stimmt. Im Wohnzimmer will ich meine Lebensqualität beibehalten. Ich will mich unterhalten, fernsehen, lesen. Aber man hört bei den Geräten eindeutig Lüftungsgeräusche. Deswegen ist die Akzeptanz oft nicht sehr groß, und man schaltet gerne mal eine Stufe zurück, wenn man sich unterhalten will. Dann aber ist Luftreinigungswirkung nicht mehr ausreichend.
Vom Geräuschpegel der Luftreinigungsgeräte hört man immer wieder, wenn es um Schulen geht.
Das stimmt. Das Problem ist, dass die meisten Schulen keine eigenen Lüftungsanlagen haben. Also muss man auf ein mobiles Gerät zurückgreifen.
Was würde sich anbieten?
Die UV-Technologie wäre leise, aber man bräuchte für einen Klassenraum acht bis 16 Stück. Das ist kostenintensiv, und diese lichtintensiven Geräte setzen gewisse Stoffe frei, die wir nicht haben wollen. Also bliebe nur der Hepa-Filter. Bei einem Klassenraum mit 70 Quadratmetern bräuchte man statistisch in jeder Ecke ein Gerät. Die Luft muss sechsmal pro Stunde, alle zehn Minuten, umgewälzt werden. Das ist recht viel, und es führt wiederum zu einem höheren Schallpegel, der oft nicht akzeptiert wird. Das Thema Luftreinigung in der Schule ist im Grunde genommen für Laien recht schwierig zu verstehen. Man muss vor Ort testen, messen und ausprobieren, um eine gute Luftreinigung zu erreichen.
Das Umweltbundesamt steht einem generellen Einsatz mobiler Luftreinigungsgeräte in Schulen kritisch gegenüber. Als prioritäre Maßnahme wird Lüften empfohlen. Wie sehen Sie das?
Wenn ich richtig lüfte, sorge ich für zweierlei Lufthygiene, man hat einen doppelten Spa-Effekt: Luftschadstoffe, CO2 und Krankheitserreger werden abgelüftet, zugleich kommt frische Luft von draußen rein. Am besten verwendet man einen Ventilator, dass auch die Schüler, die nicht am Fenster sitzen, Frischluft bekommen. Aber: Die Schüler sitzen dann einfach in der Kälte, wenn ich alle 15, 20 Minuten lüfte. Und wenn es stark schneit oder stürmt, kann man die Fenster eigentlich nicht öffnen.
Was empfehlen Sie?
Die Kombination macht es. Trägt man eine Maske vor Mund und Nase, setzt man schon mal weniger Erreger frei. Durch die Unterstützung von Luftreinigungsgeräten kann man die Konzentration der Krankheitserreger noch verringern. Und wenn man zusätzlich mit CO2-Ampeln arbeitet, sieht man sofort, wann man lüften muss. Ein CO2-Messgerät schadet übrigens auch im Privaten nicht.
Mit welchen Kosten muss man rechnen?
Die Geräte gibt es für rund 120 Euro, das Ampelsystem kostet gut 200 Euro. Mir persönlich gefällt das sehr gut, weil man nicht erst einen Wert ablesen muss, sondern sofort anhand der Farben sieht, was zu tun ist.
Hatten Sie beruflich schon immer mit Viren zu tun?
Genauso wie Pollen oder Staub waren auch Viren schon immer ein Thema in meiner Arbeit. Aber es gibt einen großen Unterschied. Als Pollenallergiker zum Beispiel kann man die Quelle recht gut aus dem Haus raushalten, ich habe ja keine Birke im Wohnzimmer stehen. Anders ist es bei Viren. Da habe ich die Quelle vielleicht im Wohnzimmer sitzen, wenn jemand den Erreger hat, hustet und ihn so in der Luft verteilt. Die Größenordnung der kleinen Teilchen – Pollen, Feinstäube oder Viren – ist also total unterschiedlich zu bekämpfen.
Hat sich Ihr Beruf durch Corona verändert?
Die Anfragen sind seit Corona auf jeden Fall mehr geworden. Ich war 20 Jahre lang im Reinraum bei Siemens/Infineon, von dort kommen meine Erfahrungen in diesem Bereich. Aber weil ich seit August bei einem großen Pharmaunternehmen für die Lufttechnik tätig bin, ein großes Projekt, wo mehr als 50 Lüftungsanlagen installiert werden, habe ich aktuell wenig Zeit für Sonstiges.
Seit 18. Januar gilt in Bayern im Einzelhandel und im ÖPNV eine FFP2-Masken-Pflicht. Wie beurteilen Sie dies?
Grundsätzlich sind FFP2-Masken schon recht gut dicht. Was mir aber nicht so gut gefällt: Es gibt sie nur in Einheitsgröße, die passt einfach nicht zu jedem Gesicht. Wenn es unten und oben rauspfeift, ist die Wirkung minimal.

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