Eine Grundschülerin sitzt im Unterricht
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Die Grundschule Forstern hat wieder eine Sozialarbeiterin: Sabine Wendt kümmert sich um die Anliegen der Erst- bis Viertklässler. (Symbolbild).

Sabine Wendt (24) über ihren Start an der Schule und Corona-Probleme der Kinder

Sozialarbeit an der Grundschule Forstern: „Den Kindern fehlen die Kontakte“

  • Veronika Macht
    vonVeronika Macht
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Die Grundschule Forstern hat wieder eine Sozialarbeiterin: Sabine Wendt kümmert sich um die Anliegen der Erst- bis Viertklässler. Schulleiterin Annett Taubert freut sich, dass die Stelle nachbesetzt werden konnte – der Bedarf sei gerade in der Pandemie mehr denn je da.

Forstern – Die Sozialarbeit an der Schule Forstern ist gut etabliert. Sozialpädagoge Kilian Schmid, der das Angebot für Grund- und Mittelschule einst aufgebaut hat, ist seit vorigem Jahr in Elternzeit. Seine Nachfolgerin für die Mittelschule wurde im April 2020 Rebecca Hofmaier (wir berichteten). Die Stelle für die Grundschule indes war ein halbes Jahr lang vakant. Seit Mitte Oktober ist nun Sabine Wendt dort tätig.

Träger ist die Brücke Erding e.V. Das Angebot an der Grundschule wird als freiwillige Leistung durch die Gemeinde Forstern finanziert, während die Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) durch das Sozialministerium gefördert wird.

Sabine Wendt: Seit 2020 ehrenamtlich beim Kreisjugendring

„Wir sind froh, dass wir die Stelle besetzen konnten, obwohl sie befristet ist“, sagt Taubert. Wie berichtet, hatte deshalb die Gemeinde die Wochenstundenzahl auf 20 aufgestockt.

Viele Kinder wissen gar nicht mehr, wie sie sich entspannen und abschalten können. Sabine Wendddddt

Derzeit ist Wendt an vier Vormittagen pro Woche in der Schule, insgesamt zwei Schuljahre verbringt sie in Forstern. Danach möchte sie weiter studieren, ihren Master in Klinischer Psychologie und danach eine Psychotherapeutenausbildung machen. Die 24-Jährige kommt aus Reichenkirchen und lebt derzeit in Erding.

Während ihres Bachelorstudiums in Sozialer Arbeit hat sie bereits ein Praktikum an der Grundschule Forstern absolviert, ebenso bei der Bezirkssozialarbeit München und in der Forensischen Psychiatrie Haar. Ein Praktikumssemester verbrachte Wendt beim Kreisjugendring Erding, wo sie seit 2020 im Vorstand mitarbeitet. Ebenfalls ehrenamtlich engagiert sie sich in der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit.

Rektorin: Annett Taubert: „Schäden an der Kinderseele werden meist nicht so offensichtlich“

Es war keine einfache Zeit, in der Wendt ihre Arbeit in Forstern begonnen hat. Wegen Corona waren die Kinder gar nicht oder nur zum Teil da. Dennoch versuche sie, den Kontakt aufrecht zu erhalten – sei es per Videokonferenz oder auch bei einem Spaziergang. „Das habe ich angeboten, als kompletter Distanzunterricht war“, berichtet Wendt und erzählt von zwei Kindern, die sie um einen Spaziergang gebeten hätten, „weil sie daheim nur noch die eigenen Eltern sehen und mal mit jemand anderem reden wollen. Man merkt, den Kindern fehlen die Kontakte.“ Das kann Taubert bestätigen: „Über Schäden an der Wirtschaft spricht jeder, aber Schäden an der Kinderseele werden meist nicht so offensichtlich. Deshalb brauchen wir gerade jetzt in der Pandemie die Schulsozialarbeit.“ So gebe es vor Ort die Möglichkeit, sich schnell Hilfe zu holen.

Schwerpunkt in Wendts Tätigkeit ist derzeit die Einzelfallarbeit. Dabei gehe es etwa um Probleme zuhause, um Noten oder fehlende Kontakte. Daneben gehören der Austausch mit Lehrern und Schulleitung, die Eltern- sowie die Netzwerkarbeit etwa mit dem Familienstützpunkt zu ihrem Aufgabenfeld.

Seit kurzem bietet Wendt zudem einen offenen Online-Treff an. Freitags von 14 bis 15 Uhr können die Grundschüler via Teams miteinander quatschen, spielen, basteln. „So können sich die Kinder untereinander zumindest virtuell sehen, und auch ich kann den Kontakt halten“, sagt Wendt.

In einem Online-Workshop werden Chat-Regeln erarbeitet

Sie unterstützt außerdem Projekte, die es an der Schule seit Jahren gibt. Die Gewaltfreie Kommunikation in der dritten Klasse zum Beispiel läuft jetzt online. „Es war uns wichtig, dass dieses Projekt weitergeht und wir den Kontakt zu den Kindern nicht verlieren, auch wenn es in Präsenz derzeit nicht möglich ist“, sagt Taubert. Fortgeführt werden zudem die Pausenengel. Weil sich die Klassen in den Pausen nicht vermischen dürfen, müsse man nun schauen, wie die Dienste eingeteilt werden.

Als neues Projekt will Wendt in einer vierten Klasse in einem Online-Workshop Chat-Regeln erarbeiten. „Es ist manchmal nicht so einfach, die Kinder in den Chats zu bremsen“, erzählt sie augenzwinkernd. Da würden Bilder verschickt oder auch mal gestritten – hier sollen klare Regeln helfen.

Ideen für die Zukunft hätte die 24-Jährige jede Menge. Ob und wie sie sich angesichts der Pandemie umsetzen lassen, müsse man abwarten. Anbieten will sie auf jeden Fall ein Projekt zum Thema Achtsamkeit und Meditation. „Viele Kinder wissen gar nicht mehr, wie sie sich entspannen und abschalten können“, weiß Wendt. „Deshalb will ich nach den Osterferien online in der Früh eine zehnminütige Fantasiereise mit ihnen unternehmen.“

Taubert ist davon begeistert. „Bei uns treffen sich die Kinder um 8 Uhr in der Morgenrunde, von daheim wählen sie sich ein, dann erfolgt die Anwesenheitskontrolle. Da würde es Sinn machen, vorher eine besinnliche Runde zu schalten – natürlich freiwillig“, sagt die Rektorin.

Kontakt: sabine.wendt@bruecke-erding.de

vam

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