Diskussion im Gemeinderat 

Braucht Forstern digitale Info-Säulen?

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Technisch hinterherhinken will die Gemeinde Forstern nicht. Aber muss sie deswegen überall vorne weg sprinten? Diese Frage beschäftigte den Gemeinderat. Es ging um digitale Multifunktionsstelen im Gemeindegebiet.

Forstern – Der Bund hat ein neues Programm aufgelegt, in dem in kleineren Kommunen Modellprojekte bezuschusst werden, durch die die Digitalisierung des ländlichen Raums vorangebracht wird. „Ziel ist eine Förderung der intelligenten Nutzung und Vernetzung von Informations- und Kommunikationstechnologien zur dauerhaften Lösung von Problemen im ländlichen Raum“, erklärte Geschäftsleiterin Christine Pettinger in der Gemeinderatssitzung. Dabei gehe es um die Bereiche Mobilität, Nah- und Gesundheitsversorgung, Qualifizierung und Bildung, Fachkräftegewinnung, Ehrenamt und demografischen Wandel.

Das Büro MRK Media AG, das als Partner der Förderstelle agiert, sei diesbezüglich an alle kleineren Kommunen in Bayern herangetreten – und damit auch an Forstern. „Es gab ein Gespräch, in dem ein Modellprojekt für uns skizziert wurde, mit dem wir uns auf die Förderung beworben haben“, erklärte Bürgermeister Georg Els (AWG). Erst wenn eine Förderzusage erteilt werden sollte, hat der Gemeinderat zu entscheiden, ob das Vorhaben durchgeführt wird oder nicht.

Pettinger erläuterte dem Gremium den Vorschlag für die Gemeinde: die Errichtung von digitalen Multifunktionsstelen zunächst in Forstern, Karlsdorf und Preisendorf. „Diese Stelen sind in erster Linie eine Informationsquelle für die Bürger. Sie schauen im Wesentlichen aus wie ein riesiges Smartphone.“

Darüber könnte etwa eine Rufbusverständigung erfolgen oder ein Taxiruf eingerichtet werden. Man könnte den Ortsplan, Bekanntmachungen, Aushänge oder einen interaktiven Veranstaltungskalender abrufen, Lebensmittel bei einem Einzelhändler bestellen oder sich beim Volksbildungswerk und örtlichen Vereinen anmelden.

„Muss man überall der Erste sein?“

„Längerfristig könnten die Stelen die papiergebundenen Anschlagtafeln der Gemeinde ersetzen“, sagte Pettinger.

Desweiteren würden die Stelen eine Notruf-Funktion erhalten, die durch Satellitenanbindung vom Telefonnetz unabhängig wäre. „Das wäre schon praktisch, da heute fast alles übers Internet geht“, meinte Pettinger. Mit Notstromversorgung und einem Solarpanel auf dem Dach könnte sichergestellt werden, dass bei längerem Strom- und/oder Telefon- und Internetausfall ein Notruf abgesetzt werden kann. „Das wäre sicher gut für den Katastrophenschutz, aber ansonsten ist das eine reine freiwillige Leistung“, so die Geschäftsleiterin.

Kosten sollen die drei Säulen zusammen 184 000 Euro, was beim Gremium ungläubige Kommentare hervorrief. Jedoch kämen 80 Prozent, also 147 000 Euro, vom Bund, sodass die Gemeinde noch knapp 37 000 Euro zu tragen hätte – zuzüglich der laufenden Kosten.

„Grundsätzlich ist die Idee gut. Aber muss man immer überall der Erste sein? Oder reicht es nicht, wenn man nicht der Letzte ist?“, meinte Els. Ihm gefiel die Möglichkeit, eine digitale Litfaßsäule zu errichten, doch sei das Projekt in seinen Augen noch nicht ganz ausgegoren. Er stellte zudem die Frage, wie vandalismussicher die Stelen seien, wer sie warte und pflege. „Diese Fragen sind noch nicht geklärt.“ Zudem gebe es noch kaum Erfahrungswerte – zumindest nicht in Deutschland, wie Pettinger berichtete. „Hier ist es ein Modellprojekt.“

Herbert Berger (AWG) hatte eine klare Meinung zur Digital-Stele: „Ich glaube, das Ding brauchen wir nicht – zumindest noch nicht jetzt. Jeder hat doch einen Computer daheim und ein Handy dabei.“

„Zum jetzigenZeitpunkt verfrüht“

Anton Oskar (CSU) erklärte, solche Stelen seien „sicher technisch interessant. Aber wenn man schaut, wie vandalismussicher wir unsere Bushäuschen machen müssen, können wir das Geld anders besser anlegen.“

Auch Peter Feckl (AWG) machte keinen Hehl aus seiner Einstellung: „Das ist ganz großer Käse. Es bietet nichts, was ich nicht schon habe. Da ist mir jeder analoge Infokasten, den wir haben, lieber. Da weiß ich wenigstens, dass die Infos sicher drin hängen.“

Sebastian Klinger (CSU) hingegen fand es zumindest „prickelnd, wenn man auf gedruckte Infos in den Kästen verzichten könnte“. Franz-Josef Obermaier (AWG) und Annett Taubert (CSU) plädierten dafür, das Projekt nicht von vornherein ganz auszuschließen. Die Gemeinde sollte erst abwarten, ob sie überhaupt in den Genuss einer Förderung komme. Dann könne man sich die Stelen immer noch genauer vorstellen lassen.

„Wir sind alle skeptisch, weil es so etwas bei uns in der Form einfach noch nicht gibt“, fasste Els die Wortmeldungen zusammen. In geschlossenen Räumen seien digitale schwarze Bretter weit verbreitet. Aber die Multifunktionsstele sei „zum jetzigen Zeitpunkt möglicherweise noch verfrüht“. Er erwarte ohnehin, dass Forstern beim Förderprogramm gar nicht zum Zuge kommt. Und wenn doch, könne man immer noch ablehnen.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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