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Eine ganz besondere Schnaps-Idee

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Von: Veronika Macht

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Sie stehen hinter dem gehörlosen Start-Up (v. l.) Dominik Nimar, Fabio Del Tufo und Damian Breu.
Sie stehen hinter dem gehörlosen Start-Up (v. l.): Dominik Nimar, Fabio Del Tufo und Damian Breu. © The Gillard

Ein Start-Up mit einer Spirituose auf Gin-Basis haben Fabio Del Tufo, Damian Breu und Dominik Nimar gegründet. Alle Drei sind hörgeschädigt - und wollen in ihrem jungen Unternehmen anderen Menschen mit Behinderung einen Platz bieten, an dem sie sich frei entfalten können.

Forstern – Drei Männer ziehen gemeinsam ein Start-Up hoch. Sie produzieren eine Spirituose auf Gin-Basis, mit Zutaten aus biologischem Anbau. Gin ist im Trend, bio ebenso. Doch das junge Unternehmen von Fabio Del Tufo aus Forstern sowie Damian Breu und Dominik Nimar aus München unterscheidet sich von den allermeisten anderen: Alle Drei sind hörgeschädigt.

Ihr kleines Unternehmen heißt The Gillard und wurde 2017 gegründet. Seit 2019 läuft die Produktion des Getränks GinGillard. Die zitrushaltige Spirituose auf Gin-Basis – Alkoholgehalt: 23,9 Prozent – wird bei der Firma The Duke in Aschheim produziert und abgefüllt.

Hörbehinderte Menschen und Hörende - „So stelle ich mir die Inklusion in unserer Firma vor“

The Gillard besteht derzeit nur aus Del Tufo, Breu und Nimar. „Unser Traum aber ist es, ein Unternehmen aufzubauen, bei dem wir Gehörlose und Hörgeschädigte einstellen können“, erklärt Del Tufo und ergänzt: „Wir möchten mehr als 90 Prozent Menschen mit Behinderung beschäftigen – vor allem im Bereich der Hörbehinderten. Der Rest sind Hörende. So stelle ich mir die Inklusion in unserer Firma vor.“

Denn alle Drei haben nach eigenen Angaben selbst zur Genüge die Erfahrung machen müssen, dass es Menschen mit einer Behinderung im Job oft nicht einfach haben – allen voran wegen der Kommunikation. Deshalb wollen sie in ihrem Unternehmen Menschen mit Behinderung einen Platz bieten, an dem sie sich frei entfalten können.

Jeder im Team trägt ein Cochlea-Implantat

Derzeit aber betreiben die Drei ihre Firma nebenberuflich. Breu arbeitet im Hauptberuf im Bereich Vertrieb bei Fujitsu, Nimar als Grafiker bei der Serviceplan Group, und Del Tufo ist bei der Telekom für die Montage von Glasfaser- und Kupfertechnik zuständig. Der 42-Jährige lebt mit seiner Frau Marlene und ihrem sechsjährigen Sohn Lionel seit 2017 in Forstern. „Wir sind alle von Geburt an taub“, erklärt er, „mein Sohn hat im Alter von elf Monaten ein Cochlea-Implantat bekommen, ich habe erst dieses Jahr eines implantieren lassen“. Auch die beiden anderen Mitglieder im GinGillard-Team tragen eine solche spezielle Hörprothese. Dennoch kommunizieren sie im Unternehmen in erster Linie mit Gebärdensprache, erzählt Del Tufo.

Der Initiator von The Gillard hat italienische wie französische Wurzeln. Und aus Frankreich stamme auch das Rezept für den GinGillard: „Er hatte seinen Ursprung im 19. Jahrhundert in einem kleinen französischen Dorf in der Normandie. Das Originalrezept wurde – damals noch mit Fruchtfleisch angereichert – von Generation zu Generation weitergegeben“, erzählt Del Tufo. Vor einigen Jahren habe er „die Ehre und das Vertrauen der Familie Gillard bekommen, jenes Rezept zu verfeinern und weiterzuentwickeln“. So habe es es nicht lange gedauert, bis die Idee eines eigenen Start-Ups gereift war.

Mit Co-Founder Breu wurde The Gillard aus dem Boden gestampft, ehe wenig später Grafikdesigner Nimar an Bord kam und das Corporate Design für das Start-Up entwickelte.

Grüner Del Tufo: „Wir wollen weiter wachsen“

Der GinGillard kommt bisher gut an. Zu Beginn der Gründung vor drei Jahren folgte auf eine Probierrunde mit Freunden eine Gehörlosen-Party mit hunderten Besuchern – „dort war der Drink innerhalb von vier Stunden ausverkauft“, erzählt Del Tufo. Ein Erfolg sei wenig später auch der Messeauftritt bei der Food Life in München gewesen.

Kaufen kann man den GinGillard im Online-Shop sowie bei ausgewählten Filialen von Edeka und Rewe, auch einige Gastronomiebetriebe haben das Getränk auf ihre Karte genommen. „Und wir wollen weiter wachsen“, sagt Del Tufo, der sich jetzt für die neue VOX-Show „Die leckerste Idee Deutschlands“ beworben hat, bei der VOX und Rewe zusammen Start-Ups aus dem Food- und Drink-Bereich suchen.

Bisher gibt es GinGillard – wie der Name sagt – nur mit Gin. „Aber es ist in Planung, anstatt Gin eine andere Spirituose zu verwenden. Dafür suchen wir einen starken Kooperationspartner beziehungsweise Investor“, sagt Del Tufo. Er selbst genießt den Drink am liebsten pur auf Eis, als Gillpirinha mit Limette und Rohrzucker oder als Wild Berry Gillard mit Himbeeren und Wild Berry. Es seien aber mehr als 30 Cocktailrezepte denkbar, ebenso der Genuss als Sorbet oder heißer Punsch.

Und auch zum Verfeinern etwa von Burgersoßen könne man den Drink verwenden – als Hobbykoch hat Del Tufo vieles ausprobiert und sagt: „Unser Produkt ist vielfältig und trägt das Bio-Gütesiegel. Wir verstehen uns nicht nur als Hersteller, sondern auch als Hafen für Künstler, Schöpfer und Freidenker – wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, den Genuss der Lebensfreude und Inklusion in künstlerischer Vielfalt zusammenzuführen.“

Alle Infos

gibt’s auf www.gingillard.com.

Vroni Macht

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