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Zu wenig Putzmittel im Asylwohnheim? Das brachte eine 43-jährige Nigerianerin mächtig in Rage. 

Freiheitsberaubung im Asylheim? Richter stellt Verfahren ein

Landrat zeigt resolute Afrikanerin an

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Offensichtlich politisch gefärbt war ein Prozess am Amtsgericht Erding gegen eine Nigerianerin. Die Staatsanwaltschaft hielt der 43-Jährigen vor, am 9. April dieses Jahres zwei Bundesfreiwilligendienstleistende (Bufdis) im Auftrag des Landratsamts genötigt zu haben.

Erding/Forstern – . Gegen den Strafbefehl wegen Freiheitsberaubung hatte die Frau, die seit 2016 in der Asylunterkunft in Forstern lebt, mit ihrem Anwalt Stefan Dornow Einspruch eingelegt – mit Erfolg. Das Verfahren wurde gegen eine Geldauflage in Höhe von 200 Euro eingestellt. Pikant: Die Strafanzeige hatte Landrat Martin Bayerstorfer gestellt.

Staatsanwältin Sandra Seeburger berichtete, dass die beiden Bufdis an besagtem Tag Putzmittel in die Unterkunft gebracht hätten. Als sie wieder gehen wollten, habe sich die 43-Jährige zunächst in die Tür gestellt, um die beiden am Gehen zu hindern. Die junge Frau habe die Angeklagte am Arm gepackt. Danach habe sie sich hinter das Auto gestellt und damit 30 Minuten lang dafür gesorgt, dass die Bufdis nicht losfahren konnten.

Angeklagte: „Das ist alles eine Lüge“

Die Angeklagte erwiderte: „Das ist eine Lüge.“ Das war wohl auch nicht ganz richtig, aber die Verhandlung unter dem Vorsitz von Richter Björn Schindler ergab: So schlimm war es nicht.

Die Nigerianerin erklärte, sie sei die Chefin im Haus und kümmere sich auch um die Sauberkeit. „Es wurden zu wenig Putzmittel geliefert. Es gibt zwei Toiletten, und vor allem die Scheuermilch hat nicht gereicht.“ Sie habe die Bufdis nicht bedrohen, sondern lediglich mehr Reinigungsmittel ausgehändigt bekommen wollen.

Einer der Bedrängten sagte als Zeuge aus. Er schilderte, dass er die Lage zu keiner Zeit als bedrohlich wahrgenommen habe. „Sie hat meine Kollegin zwar am Arm angefasst, aber nur, weil es ihr wirklich ernst war und sie unbedingt mehr Scheuermilch wollte“, sagte der junge Mann aus. Das sei kein Angriff gewesen. „Wir konnten ihr aber nicht mehr geben, weil es feste Vorgaben gab.“

Ja, es gibt zu wenig Putzmittel

Schindler wollte wissen, ob denn in der Tat zu wenig Putzmittel zur Verfügung gestellt worden seien. „Ja, da wäre mehr gerechtfertigt gewesen“, erklärte der Zeuge. Seine Kollegin hatte sich für den Prozess entschuldigt, konnte also nicht gehört werden. Dem Vernehmen nach hat sie Vorfall aber drastischer in Erinnerung.

Beide schrieben nach dem Vorfall Aktenvermerke. Diese landeten auf dem Schreibtisch des Landrats. Und der erstattete Strafanzeige. Dies empörte Anwalt Dornow. „Wir wissen ja, bei welcher Partei er ist“, meinte er.

Der Richter regte daraufhin die Einstellung des Verfahrens an – allerdings mit Geldauflage, da die Bufdis in der Tat bedrängt worden seien. Staatsanwältin und Verteidiger willigten ein. Die 200 Euro an den Erdinger Verein Brücke darf die resolute Nigerianerin in fünf Raten abstottert. Für sich und ihre Kinder hat sie nur 300 Euro Sozialhilfe im Monat. 

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