Ein beliebter Treffpunkt war das Glühweineck an der Sackgasse in Forstern bis zum Jahr 2007.
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Ein beliebter Treffpunkt war das Glühweineck an der Sackgasse in Forstern bis zum Jahr 2007. Zu Hochzeiten kamen hunderte Menschen in der Einfahrt der Familie Neglia zusammen. Unser Bild links oben stammt aus dem Jahr 2002.

Jacky Cleever blickt zurück auf bayerisch-amerikanischen Weihnachtstreff für den guten Zweck

Erinnerungen ans Forsterner Glühweineck

  • Veronika Macht
    vonVeronika Macht
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Das „1. Forsterner Glühweineck“ war ab den 2000ern ein beliebter Treffpunkt. Initiator Jacky Cleever blickt zurück - und schwelgt in schönen Erinnerungen.

Forstern – Ein Hingucker zur Weihnachtszeit sind seit mehr als 20 Jahren die Häuser am Ende der Sackgasse in Forstern. Jacky Cleever, seine Frau Marisa Neglia sowie deren Eltern Ingeborg und Giovanni Neglia dekorieren ihre Häuser Jahr für Jahr mit Lichterketten im amerikanischen Stil. Von 1999 bis 2007 war die Einfahrt der Familien zudem ein beliebter Treff: Beim „Forsterner Glühweineck“ für den guten Zweck kamen hunderte Menschen zusammen. Eine Zeit, an die sich viele im Ort gerne zurückerinnern.

„Marisa und ich sind nicht nur Fans der amerikanischen Musik, besonders Elvis und Countrymusic, sondern auch der dortigen Tradition, in der Weihnachtszeit die Häuser zu beleuchten“, erzählt Jacky Cleever. Der 60-Jährige ist Musiker, Entertainer, Elvis-Darsteller und in Forstern auch deshalb bekannt, weil er gemeinsam mit seiner Marisa (47) die Musikkneipe Amarillo’s betrieben hat.

800 Mark Erlös für einen Kindergarten im ersten Jahr

Doch deren Eröffnung lag noch lange in der Zukunft, als Cleever im Jahr 1999 die Idee zum Glühweineck hatte. Warum nicht ein Standl direkt vor der eigenen Haustür – und zwar für den guten Zweck vor Ort? Gattin Marisa sei gleich begeistert gewesen, und auch seine Schwiegereltern habe er nicht lang überreden müssen.

„Unser Stand war anfangs sehr provisorisch“, erinnert sich Cleever. Schilder an der Straße verrieten: „Heute Glühwein“. Im ersten Jahr sei der Besuch noch „so dahin getröpfelt. Anfangs waren vielleicht zehn Leute da“, sagt Cleever. Dennoch habe man schon im ersten Jahr immerhin 800 Mark an einen Kindergarten im Ort übergeben können – und die Forsterner haben gesehen, dass die Einnahmen tatsächlich für den guten Zweck sind. „,Wir trinken, um zu helfen‘, war unser Slogan“, sagt Cleever lachend.

In den folgenden Jahren wurde der Zulauf immer mehr. Schwiegervater Giovanni Neglia zauberte einen professionellen Stand, auch eine kleine Bühne entstand. „Das ist so gewachsen, das war einfach unglaublich“, sodass insgesamt einige tausend Euro für den guten Zweck zusammenkamen – für Feuerwehr, Bücherei, Schülercafé und Mittagsbetreuung, Friedhofverschönerung, Kindergarten St. Korbinian und Nachbarschaftshilfe. Geöffnet war der Stand immer an sechs Tagen in der Vorweihnachtszeit.

Santa Claus schaute beim bayerisch-amerikanischen Weihnachtstreff auch regelmäßig vorbei. Auf dem Bild oben rechts zu sehen sind Jacky Cleever, der bereits verstorbene Markus Mehringer als Weihnachtsmann und Marisa Neglia als Elfe.

„Als das Ganze so richtig Fahrt aufgenommen hat, haben wir zehn, zwölf Leute gebraucht, die helfen“, erinnert sich Cleever. Vor allem die Nachbarsfamilie Mayer, aber auch andere Bekannte hätten sie da sehr unterstützt – beim Ausschank, Kassieren, Gläser spülen, Würstl braten, Maroni machen. Cleever denkt gern an diese Zeit zurück. „Es war wirklich ein kuscheliges Eck da hinten. Die Leute kamen zum Ratschen, es war ein kommunikativer Hotspot, wie man so schön sagt.“

Zu Speis und Trank gab es auch ein Rahmenprogramm. „Wir sind einfach Amerika-Fans, und ich stehe auf die amerikanischen Weihnachtslieder, das sind halt Klassiker“, sagt Cleever. Und die kamen nicht nur aus den Lautsprechern, sondern der Entertainer griff auch selbst zum Mikro, gab „Blue Christmas“ von Elvis oder „Silver Bells“ von Bing Crosby zum Besten, „und ab und zu ist mir ein kleiner Elvis-Rock’n’Roll mit reingerutscht“, sagt er schmunzelnd.

Highlights waren die Besuche von Nikolaus, Krampus und Santa Claus

Aber auch der Forsterner Spatzenchor, das Saxophonquartett von Konrad Huber oder klassische Stubenmusik gab es. Also bayerische Weihnacht trifft American Christmas – oder auch Nikolaus trifft Santa Claus, denn beide Männer schauten beim Glühweineck vorbei.

Diese Besuche seien immer besondere Highlights gewesen. Cleever sang „Here comes Santa Claus“, und unter Glockengebimmel tauchte oben auf dem Dach der Garage der Weihnachtsmann auf, rief „Hohoho!“ und wünschte Frohe Weihnachten. „Da waren die Kinder total fasziniert, das war sie das Höchste. Einfach ein bisserl magic“, sagt Cleever. Unten im Hof war derweil ein Anhänger aufgebaut, im Hintergrund eine Wand, gestaltet wie am Nordpol. Die Mädchen und Buben durften sich auf Santas Schoß setzen, Marisa Neglia als Elfe half ihnen dabei, bevor es über eine Rutsche wieder runter ging.

Der Nikolaus wiederum hat bei seinem Besuch Geschichten erzählt, die Kinder sangen „Lasst uns froh und munter sein“, und dann gab’s vom Krampus kleine Geschenksackerl. Den Inhalt hatten Forsterner Geschäftsleute gesponsert. „In einem Jahr hatten wir 240 Sackerl für Kinder – und die gingen alle weg. Das war ein absoluter Rekord“, sagt Cleever.

Das Glühweineck gab es bis einschließlich 2007 – „bis auf zwei Jahre, in denen wir es nicht veranstalten konnten“, erzählt er. Eines dieser Jahre war 2005, und der Hinderungsgrund damals hieß Amarillo’s: Cleever und Neglia hatten im November ihre Musikkneipe eröffnet, da musste das Glühweineck pausieren.

„Es war eine unglaubliche Zeit und ein schönes Miteinander, und es tut mir echt leid, dass es das nicht mehr gibt“, sagt Cleever ein bisschen wehmütig. Doch irgendwann sei es schlicht zu viel geworden, neben der Kneipe auch das Glühweineck zu betreiben.

Ein strahlender Hingucker ist die Weihnachtsbeleuchtung der Häuser noch heute.

Was aber geblieben ist, das ist die Lichterdeko. Seit 1998 strahlen die Häuser schon von Weitem, sind aber von vielen amerikanischen Vorbildern in Sachen Kitsch weit entfernt. „Wir wollten es nicht überladen“, sagt Cleever, der mit seinem Schwiegervater fast alle Figuren selbst gebastelt hat: Rentiere, Schlitten und Komet wurden aus Holz ausgeschnitten und mit Lichterketten verziert. „Das Rentier-Gespann auf der Garage zum Beispiel isst noch immer das Original. Das haben wir schon ein paar mal flicken müssen, weil wir uns nicht trennen können“, sagt Cleever lachend.

Und eine kleine Tradition ist ebenfalls über die Jahre geblieben: „das Einschalten der Lichter, wir nennen es Light Opening, am ersten Adventssonntag. Früher haben wir das mit Freunden zelebriert, heuer war es eine sehr menschenleere Einschaltung, weil nur die Familie dabei sein durfte. Aber wir halten an Tradition fest“, sagt Cleever. Und die Forsterner dürfen sich weiterhin am Lichterglanz erfreuen.

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