Luftreinigungsgeräte in einem Klassenzimmer
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Luftzug und Lautstärke sind störend im Unterricht, aber um Luftreinigungsgeräte in den Klassenzimmern wird man wohl nicht herum kommen. Das ist der Tenor in Forstern und Wörth (Symbolbild).

Ausstattung der Schulen in Forstern und Wörth

Filtergeräte trotz Luftzug und Lärm

  • Veronika Macht
    vonVeronika Macht
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Luftzug und Lautstärke sind störend im Unterricht, aber um Luftreinigungsgeräte in den Klassenzimmern wird man wohl nicht herum kommen. Das ist der Tenor in Forstern und Wörth.

Forstern/Wörth - In der Schulverbandsversammlung des Schulverbands Mittelschule Forstern berichtete Bürgermeister Rainer Streu (AWG), dass Rijnder Mier, Forsterner Experte in Sachen Luftreinigung, Gemeinde und Schule beraten hatte. „Er rät von einem großen Filtergerät in der Mitte des Raums ab, optimal wären stattdessen zwei kleinere“, so Streu. Letztere Variante wurde in der Grund- und Mittelschule auch getestet. Lehrer wie Schüler hätten jedoch das monotone Lüftergeräusch als sehr störend empfunden (wir berichteten). Das bestätigte in der Sitzung Schulleiterin Annett Taubert. Luftzug und Lärm seien ein Problem gewesen – auch, weil es teilweise schwierig sei, sich dann mit Maske noch gegenseitig zu verstehen.

Wolle man die notwendige Luftumwälzung erreichen, müssten die Lüfter auf höchster Stufe laufen. Das entspreche einer Belastung von fast 70 Dezibel beim großen Filter und etwa der Hälfte bei den kleinen. Wie berichtet, hat Mier deshalb auch Geräte mit Schallschutzschrank getestet, rät davon jedoch ab, weil die Filterwirkung dabei leide. Lieber solle man auf eine Kombination setzen: die Geräte nicht ständig auf höchster Stufe laufen lassen und zusätzlich öfter stoßlüften. „Frische Luft ist für die Schüler ohnehin das Wichtigste, damit sie sich im Unterricht richtig konzentrieren können“, sagte Streu.

Schule Forstern: Rund 2400 Euro, um ein Klassenzimmer auszustatten

Ihm zufolge müsse man rund 2400 Euro investieren, um ein Klassenzimmer mit zwei kleinen Filtern auszustatten. Die Fördermittel habe man schon bekommen, für den Schulverband seien es 14 500 Euro.

Zwar könne man jetzt im Sommer ohne Probleme lüften, sagte Streu, „aber spätestens im Herbst wird das Thema wieder aufkommen. Ich würde die Geräte also beschaffen – auch für die Grundschule“, erklärte der Bürgermeister. Er schlug vor, vom Fördergeld Geräte anzuschaffen, ein paar Räume damit auszustatten und weitere Erfahrungen zu sammeln.

„Vielleicht ist es wirklich sinnvoll, die Geräte zu bestellen und noch mal auszuprobieren“, meinte auch Taubert. Immerhin könnte es sein, dass im Herbst nur die Schulen öffnen dürfen, die solche Geräte haben. „Das war ja auch schon mal in der Diskussion, und dann wären wir vorbereitet, hätten Erfahrungswerte und könnten vielleicht nachsteuern“, sagte Taubert, wohlwissend, dass in ihrem Kollegium die Filtergeräte aus den genannten Gründen skeptisch gesehen werden.

Nicht zu viel Zeit verstreichen lassen, „sonst stehen wir im Herbst vor einem Dilemma“

Ludwig Maurer (Hohenlinden, ÜWH) sagte, man müsse sich ganz genau überlegen, welche Geräte man kaufe. Denn es bringe nichts, etwas anzuschaffen, was dann keiner nutze. Peter Deischl (Pastetten, FWE) meinte, „wir werden um die Geräte wohl nicht herumkommen“.

Und Ferdinand Geisberger (Buch am Buchrain, CSU) sagte, man dürfe nicht zu viel Zeit verstreichen lassen, „sonst stehen wir im Herbst vor einem Dilemma. Man wird wohl den Lärm und die Zugluft in Kauf nehmen müssen, wenn wir anstreben, wieder Unterricht im Haus zu machen. Wir sollten frühzeitig agieren“, plädierte er für eine rasche Entscheidung.

Die ist in der Sitzung zwar noch nicht gefallen. Aber Streu wird einige Angebote für Lufteinigungsgeräte einholen und die Mitglieder der Schulverbandsversammlung nochmals darüber informieren.

Schule Wörth: Gemeinde will versuchen, noch ins Förderprogramm zu kommen

Nachdem die Gemeinde Wörth bisher in Abstimmung mit der Orterer Schule auf das Fensterlüften und die Ausstattung aller Räume mit CO2-Ampeln gesetzt hat, fasst man jetzt zusätzlich die Anschaffung von mobilen Luftreinigungsgeräten ins Auge. Die Gemeinde will versuchen, ins aktuelle Förderprogramm zu kommen, das noch bis Ende April läuft. Bei der Komplettausstattung der Wörther Schule steht eine Summe von mindestens 60 000 Euro im Raum.

In der Gemeinderatssitzung erläuterte Bürgermeister Thomas Gneißl (ÜPWG) die Problematik und skizzierte den „worst case“. Falls man die Luftreinigungsgeräte nicht beschaffe, sei zu befürchten, dass sich das negativ auf die Schulöffnung auswirke. „Das ist reine Spekulation, aber man kann’s nicht ausschließen“, sagte Gneißl. Mit Verweis auf die aktuelle Presseberichterstattung scheine es Bestrebungen zu geben, auch bei Inzidenzwerten größer als 100 Präsenz- oder zumindest Wechselunterricht zu erlauben. „Ob die Staatsregierung diesem Ansinnen zustimmt und womöglich damit verbunden Schulen, die nicht mit Luftreinigungsgeräten ausgestattet sind, von Präsenz- oder Wechselunterricht ausschließt, kann von Seiten der Verwaltung und der Schulleitung nicht beurteilt werden“, sagte Gneißl. Es sei in jedem Fall ein Nachteil für die Schule auszuschließen, wenn man sie mit Luftreinigern ausstattet, betonte er.

Diese Ansicht vertrat auch CSU-Rat Anton Erl. Man müsse „alles tun, damit bald wieder Präsenzunterricht stattfinden kann“. Erl wies zudem daraufhin, dass die Luftreinigungsgeräte auch gegen andere Viren und Pollen helfen würden und nach Corona weiterhin Verwendung fänden, beispielsweise bei einer Grippewelle.

„Die Geräte sind relativ laut“ und ein „Störfaktor“

Florian Siegl (ÜPWG) brachte seine Berufserfahrung mit Luftreinigungsgeräten ein. „Die Geräte sind relativ laut“ und ein „Störfaktor“, meinte er. Allerdings seien sie hinsichtlich der Quarantänevorschriften hilfreich, falls Corona-Fälle aufträten.

Thomas Altmann (SPD/parteifrei) hinterfragte die Lieferzeiten der Geräte und die Förderpraxis. Möglicherweise gebe es keinen Zuschuss und keine schnelle Lieferung, befürchtete er. Johannes Sachteleben (Grüne) sah die Luftreinigungsgeräte grundsätzlich als sinnvoll an und schlug vor, die Entscheidung abhängig von den Lieferzeiten zu machen. Wolfgang Behn (SPD) fragte kritisch: „Sind die Geräte das Nonplusultra?“

Letztlich wurde die Verwaltung beauftragt, bis zur nächsten Sitzung die Förderfähigkeit zu klären und nach geeigneten Geräten zu recherchieren, um die Auftragsvergabe vorzubereiten. Dann soll der Gemeinderat darüber entscheiden. vev

Vroni Macht & Vroni Vogel

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