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Am Ortsausgang von Karlsdorf liegt das Areal, das ein Bürger für den Bau einer Pflegeeinrichtung zur Verfügung stellen würde. So könnte der Bau in H-Form aussehen. 

Investor hat Grundstück und Betreiber gefunden

Bekommt Karlsdorf eine Pflegeeinrichtung für Senioren?

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Ein Investor hat in Karlsdorf ein Grundstück gefunden, auf dem eine Pflegeeinrichtung für Senioren entstehen könnte. Ein Betreiber hat bereits Interesse. Der Gemeinderat ist mit dem Standort nicht ganz so glücklich.

Forstern – In der Gemeinde Forstern könnte eine Pflegeeinrichtung entstehen, in der ambulanter Dienst, Tagespflegestation, Service-Wohnungen für Pflegebedürftige und Wohngruppen für Demenzkranke unter einem Dach vereint sind. Ein Grundstück in Karlsdorf gibt es, ein Investor hat bereits ein Konzept erstellt, und auch ein potenzieller Betreiber steht in den Startlöchern.

Vor einigen Jahren hatten sich Forstern, Pastetten, Buch am Buchrain und Hohenlinden an der Studie „Älterwerden auf dem Lande“ beteiligt. Ein Ergebnis der Untersuchung: Der Bedarf für eine Pflegeeinrichtung in den genannten Kommunen ist vorhanden. Bereits vor knapp einem Jahr hatte die Terago GmbH, nach eigenen Angaben „Spezialist für die Entwicklung und den Verkauf von Seniorenimmobilien, insbesondere Pflegeresidenzen“, in nichtöffentlicher Sitzung dem Gemeinderat ihr Konzept vorgestellt. Am Dienstagabend präsentierte das Unternehmen öffentlich seinen überarbeiteten Entwurf. „Wir haben ein konkretes Konzept für eine konkrete Immobilie und auch einen Betreiber gefunden“, berichtete Geschäftsführer Matthias Reinhard.

Das 5500 Quadratmeter große Grundstück, auf dem Architekt Michael Jaksch bereits einen Entwurf geplant hat, befindet sich an der Ortsausfahrt Karlsdorf in Richtung Forstern, rechts an die Bebauung anschließend. Der Entwurf sieht einen Bau in H-Form mit vielen Balkonen und Dachterrassen sowie einem großen Innenhof vor. Für die Tagespflege sind 20 bis 25 Plätze geplant, außerdem 37 Service-Wohnungen zwischen 25 und 50 Quadratmetern für ein bis zwei Personen, 24 Zimmer für Demenzkranke (je 25 Quadratmeter) und zwölf Wohnungen für Mitarbeiter.

Der Pflegemarkt sei im Wandel, erklärte Reinhard – weg von der vollstationären Pflegeeinrichtung, hin zu flexiblen Verbundlösungen und ambulanten Angeboten. Genau das biete der potenzielle Betreiber an – die Renafan GmbH mit über 60 Einrichtungen in Deutschland und Österreich sowie mehr als 4000 Mitarbeitern. Vergleichbare Einrichtungen betreibt das Unternehmen, das 1995 gegründet wurde, in Trudering und Buch am Erlbach.

„ServiceLeben“ heißt das Konzept für ganzheitliche Versorgung von Senioren mit Pflege- und Betreuungsbedarf. „Nach dem Grundsatz ,ambulant vor stationär‘ wird in Wohnungen und Wohngemeinschaften eine menschlichere Pflege ermöglicht“, erklärte Reinhard. Außerdem sei das Konzept modular, flexibel und erweiterbar, zum Beispiel um Angebote für Wachkomapatienten. Als Vorteile für die Gemeinde nannte Reinhard neben der Komplettierung des Vor-Ort-Angebots auch 30 bis 40 neue Arbeitsplätze und zusätzliche Steuereinnahmen.

Einig waren sich die Gemeinderäte, dass der Bedarf für eine Pflegeeinrichtung gegeben ist. Kontrovers diskutiert wurden jedoch der Standort und die Größe. Das Gros des Gremiums war mit dem Standort nicht absolut zufrieden. Herbert Berger (AWG) etwa meinte: „Der Standort ist der Knackpunkt. Ich will das am oder im Ort haben. Da ist es jetzt die Aufgabe der Gemeinde, ein passendes Grundstück herzubekommen.“ Ihm gefiel es auch nicht, dass der Grund einem privaten Besitzer gehört.

Rainer Streu (AWG) nannte den Entwurf „für Karlsdorf eine sehr massive Bebauung“. Und auch Bürgermeister Georg Els (AWG) fand, die Größe könne anfangs schon abschreckend sein. Er gab aber auch zu bedenken, dass es noch keinerlei Gutachten zu diesem Grundstück gebe – weder für den Boden noch für Immissionen.

Mehrere Räte forderten, dass ältere Menschen aus Forstern beziehungsweise aus den beteiligten Gemeinden bevorzugt einen Pflegeplatz bekommen sollten. Mehrfach zur Sprache kam auch der Wunsch nach einer Kurzzeitpflege, die unbedingt angeboten werden sollte.

Eine Entscheidung fällte das Gremium noch nicht. Els berichtete nämlich, dass weiterer Betreiber Interesse habe. Sein „komplett anderes Konzept“ werde er in der Sitzung am 5. Februar vorstellen. „Dann können wir beide Vorschläge vergleichen und entscheiden“, sagte Els.

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