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Bei der gleichen Aktion haben sich (v. l.) Markus Unterhaslberger, Rainer Streu, Simon Hobmaier und Michael Patermann typi sieren lassen. Innerhalb von sechs Jahren sind sie alle zum Spender geworden.

Feuerwehrler haben sich typisieren lassen

Diese vier Forsterner sind Lebensretter - nicht nur bei der Feuerwehr

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Rund 15 Forsterner Feuerwehrler haben sich 2011 gemeinsam typisieren lassen. Seitdem haben vier von ihnen Stammzellen oder Knochenmark gespendet - und sind so zum Lebensretter geworden.

Forstern – Innerhalb weniger Jahre haben gleich vier Mitglieder der Feuerwehr Forstern die Möglichkeit bekommen, schwer kranken Menschen zu helfen. Sie haben Stammzellen beziehungsweise Knochenmark gespendet – und machen jetzt Werbung für die Typisierungsaktion für die 14-jährige Julia aus Hohenlinden, die an Leukämie erkrankt ist.

Die Suche nach dem genetischen Zwilling ist wie die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Unzählige Blutkrebspatienten finden niemals einen passenden Spender – laut DKMS trifft dieses Schicksal allein in Deutschland jeden zehnten Erkrankten. Auf der anderen Seite sind viele Menschen ihr Leben lang in der Datenbank der DKMS – aber bekommen niemals die Chance zu helfen. Umso erstaunlicher ist es, dass gleich vier Feuerwehrler aus Forstern innerhalb weniger Jahre zu Spendern wurden. Sie hatten sich zuvor bei der gleichen Aktion typisieren lassen.

Nach Typisierungsaktion 2011: Feuerwehrler kann Kind (8) helfen

Diese fand Mitte Dezember 2011 in der Grundschule am Ludwig-Simmet-Anger in Erding für die damals an Leukämie erkrankte Kathi Heilmaier statt. Mehr als 2000 Menschen gaben dort eine Blutprobe ab – darunter auch rund 15 Feuerwehrler aus Forstern. „Wir hatten zu der Zeit ein Fest bei uns am Feuerwehrhaus auf- und abgebaut, als die Idee aufkam, gemeinsam nach Erding zu fahren“, erinnert sich Kommandant Rainer Streu (39).

Nicht mal ein dreiviertel Jahr später landete bei Michael Patermann ein Brief von der DKMS. Seine Gewebemerkmale würden zu denen eines Patienten passen. Noch einmal wurde sein Blut untersucht, dann stand fest: „Ich passe zu hundert Prozent“, erzählt der heute 29-jährige Berufsfeuerwehrmann. Er war ab diesem Zeitpunkt quasi reserviert für „seinen“ Patienten – einen achtjährigen Buben aus Frankreich.

Knochenmark wird bei 20 Prozent der Spender aus dem Beckenkamm entnommen

Vor der Spende folgte ein gründlicher Gesundheitscheck. Patermann wurde Ende August 2012 in einer Operation unter Vollnarkose mit einer Punktionsnadel Knochenmark aus dem Beckenkamm entnommen. Diese Methode wird laut DKMS bei etwa 20 Prozent aller Spender angewandt. Welche Methode in Frage kommt, entscheiden die Ärzte.

Sorgen wegen der Vollnarkose habe er nicht wirklich gehabt, sagt Patermann. „Ich habe an den Buben gedacht und abgewägt, was der mit Chemo und sonstigen Behandlungen schon alles ertragen musste.“ Ein leichter Bluterguss am Rücken, als hätte er sich gestoßen – „im Vergleich zu dem, was der Bub mitgemacht hat, ist das nichts“.

Bei den meisten Spendern kommt die periphere Stammzellenspende infrage

Das sieht auch Simon Hobmaier so: „Das ist eigentlich kein Akt“, meint der Student der Elektrotechnik. Der Aufwand sei minimal; Fahrtkosten, Verdienstausfall, Unterkunft für eine Begleitperson – all das werde übernommen. Hobmaier hat im September 2014 Stammzellen gespendet – für eine 50-jährige Frau aus Deutschland. Im Gegensatz zu Patermann kam bei ihm die periphere Stammzellenspende zum Einsatz, bei der die Stammzellen über ein spezielles Verfahren – ähnlich einer Blutplasmaspende – aus dem Blut entnommen werden. Laut DKMS wird diese Methode in etwa 80 Prozent der Fälle angewandt.

Zuvor wird dem Spender über mehrere Tage hinweg ein Medikament verabreicht, das die Anzahl der Stammzellen im Blut steigert. „Ich habe mich ein bisschen grippisch gefühlt, das ging aber sehr schnell wieder weg“, erinnert sich der 26-Jährige.

DKMS legt großen Wert auch auf die Nachsorge der Spender

Vier bis acht Stunden dauert diese Entnahme, für die keine Operation notwendig ist. Meist kann man die Klinik am gleichen Tag wieder verlassen. Dieses Verfahren wird bei der DKMS seit 1996 angewandt, Langzeitnebenwirkungen sind nach heutigem Forschungsstand nicht bekannt.

Die DKMS lege großen Wert auch auf die Nachsorge der Spender – mit Nachfragen per Brief und Gesundheitschecks, auch Jahre nach der Spende. „Die kümmern sich schon sehr um einen“, berichtet Rainer Streu, bei dem ebenfalls die periphere Stammzellenspende zum Einsatz kam. Und Markus Unterhaslberger ergänzt: „Das ist doch super. Wann geht man als junger Mensch sonst schon zum Komplett-Check?“

DKMS: Datenschutz wird groß geschrieben

Schreinermeister Streu hat im Januar 2015 gespendet – für einen Patienten in den USA. „Ein paar Monate später habe ich eine Karte der DKMS bekommen, dass es ihm gut geht. Mehr weiß ich über ihn oder sie nicht“, sagt Streu. Denn der Datenschutz wird groß geschrieben. Die ersten Jahre läuft der Kontakt nur über die DKMS – und auch nur, wenn Spender und Patient eingewilligt haben. „Wie der Kontakt aussehen kann, ist auch länderabhängig“, erklärt Unterhaslberger. In Deutschland etwa seien anonyme und direkte Kontakte sowie Geschenke möglich, in Frankreich hingegen nur anonyme Kontakte.

Nach Stammzellenspende: „Mir ging es gut, ich war nur ein bisschen müde“

Unterhaslberger hat im Januar 2018 Stammzellen gespendet. „Zuerst habe ich einen Brief bekommen, dass ich ein potenzieller Kandidat sei. Ich wurde auch gefragt, ob ich noch bereit sei zu spenden, immerhin war die Typisierung schon einige Jahre her“, erzählt der Softwareberater, der gerade 30 geworden ist. Auch er musste sich vorab zweimal täglich das Medikament spritzen, um die Anzahl der Stammzellen im peripheren Blut zu steigern. „Die Termine hatte ich mir ins Handy eingespeichert, damit ich sie nicht vergesse.“

Er hatte nach der Spende keine körperlichen Beschwerden: „Mir ging es gut, ich war nur ein bisschen müde.“ Unter Strom stand derweil der Eilkurier, der schon darauf gewartet hat, die Stammzellenspende zum Flughafen zu bringen, von wo aus sie per Hubschrauber direkt nach England zum Empfänger ging. Später bekam Unterhaslberger nicht nur eine Dankeskarte von der DKMS und eine Art kleinen Geschenkkorb, sondern auch eine Karte des Patienten mit Dankesworten – er war Vater einer jungen Familie.

Nach Stammzellenspenden: Feuerwehrler wollen keine große Wertschätzung

Alle vier Forsterner haben nach ihrer Spende Nachrichten von „ihren“ Patienten erhalten. „Irgendwann kam die Info, dass die Spende erfolgreich war“, berichtet Patermann über den Achtjährigen aus Frankreich. „Ein halbes Jahr später kam bei mir der Brief“, sagt Hobmaier und betont: „Für mich war das aber von Anfang an nichts Besonderes. Ich finde das normal, dass ich helfe, wenn ich es kann. Warum sollte ich es also nicht tun?“ Patermann meint: „Für uns alle ist das normal. Deshalb sind wir ja auch bei der Feuerwehr, weil wir gerne Anderen helfen. Große Wertschätzung brauchen wir dafür nicht“, gibt auch er sich bescheiden.

Viele Forsterner Feuerwehrler sind bereits typisiert. Doch es könnten noch mehr werden, findet Kommandant Streu. Er und seine Kameraden wollen deshalb gerade die jungen Aktiven ermutigen, zur Typisierungsaktion am Sonntag nach Hohenlinden zu fahren. Vielleicht können sich dann bald noch mehr Forsterner Feuerwehrleute in eine Reihe mit den vier bisherigen Lebensrettern stellen.

vam

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