In den Forsterner Kindergärten sind coronabedingt die Gänge meist noch leer. Die Gemeinde hat jetzt die Gebühren fürs nächste Betreuungsjahr angepasst. 
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In den Forsterner Kindergärten sind coronabedingt die Gänge meist noch leer. Die Gemeinde hat jetzt die Gebühren fürs nächste Betreuungsjahr angepasst. 

Gemeinde hebt Elternbeiträge nur leicht an

Kita-Gebühren: Forstern rudert zurück

  • Veronika Macht
    vonVeronika Macht
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Im April hatte der Gemeinderat Forstern beschlossen, die Kita-Gebühren teilweise deutlich anzuheben. Jetzt wurde der Beschluss zurückgenommen. Einig war man sich zudem: So wie bisher kann es nicht weitergehen.

Forstern– Mitte April hatte der Gemeinderat Forstern beschlossen, die Gebühren für die Kindertagesstätten teilweise deutlich anzuheben. Vor allem die Eltern haben das harsch kritisiert. Jetzt wurde der Beschluss zurückgenommen und die Gebühren nur leicht erhöht. Einig war man sich zudem: So wie bisher kann es nicht weitergehen.

Als die Anhebung öffentlich geworden war, wurde vor allem auf Facebook viel diskutiert. Da war von „Deutschlands teuerstem Kiga“ die Rede, von einer „unmoralischen Entscheidung“ und einem „geschmacklosen Beschluss“. Vor allem aber wurden eine Offenlegung der Kosten und Vergleichswerte aus anderen Gemeinden gefordert. Das holte der neue Bürgermeister Rainer Streu (AWG) nun nach. Im Gemeinderat berichtete er von „konstruktiven Vorberatungen“ im Kitaausschuss am Tag davor, an denen auch Elternbeiräte und Einrichtungsleitungen teilgenommen hatten.

Allein die Personalkosten liegen bei knapp 1,8 Millionen Euro

Kämmerer Jochen Goldammer hatte Einnahmen und Ausgaben der Kitas aufgeschlüsselt. Demnach lagen 2019 die Personalkosten bei knapp 1,8 Millionen Euro, die Personalkosten im Rathaus bei 177 000 Euro und die Sachkosten bei 244 000 Euro. Darin enthalten sind unter anderem Strom, Wasser, Reinigung, Reparaturen und musikalische Früherziehung. Nicht enthalten sind Gelder für Mittagsbetreuung, Offene Ganztagsschule, Offene Jugendarbeit, Jugendsozialarbeiter, Grundschule und Familienstützpunkt. Die Einnahmen lagen bei 1,26 Millionen Euro, was einen Verlust von einer knappen Million Euro ausmacht.

Hinzu kamen rund 380 000 Euro an Investitionskosten – so viel hat die Gemeinde laut Streu seit 2008 im Schnitt pro Jahr in Erweiterung und Erhalt der Kitas investiert. „Diese Kosten sind nicht in der Kalkulation der Elternbeiträge enthalten“, stellte der Bürgermeister klar. Insgesamt beträgt die Gesamtbelastung damit 1,35 Millionen Euro.

Bürgermeister Streu: 1:1 vergleichen geht nicht

Zum Preisvergleich mit anderen Gemeinden gab Streu zu: „Wir sind schon teuer.“ So kostet etwa die Betreuung im Kindergarten für neun bis zehn Stunden in Forstern 285 Euro, in Pastetten nur 176 Euro. Teurer als etwa in Finsing oder Isen ist auch die Betreuung im Hort, wohingegen die in der Krippe sogar zu günstig ist. Streu betonte jedoch, dass es schwierig sei, 1:1 zu vergleichen, da es überall andere Rahmenbedingungen gebe. Zudem koste das Vorhalten von Personal eben Geld, wenn die Gemeinde der Träger ist. Andere Träger wie die AWO könnten auf Synergieeffekte etwa durch Springer setzen. „Es ist schwierig, die Balance zwischen genug und fast zu wenig Personal zu finden“, so Streu.

Gemeinde ermittelt Einsparmöglichkeiten

An Einsparmöglichkeiten nannte er den Ankauf der Hortcontainer, wodurch die Miete entfalle (Bericht folgt), den Verzicht auf die musikalische Früherziehung und eine Umstellung des bisher recht umständlichen Buchungssystems.

Franz-Josef Obermaier (AWG) wollte wissen, was sich seit April aus Sicht der Verwaltung geändert habe, dass man jetzt doch günstigere Beiträge anbieten könne. Streu erklärte, dass alle Einrichtungen ab Herbst fast voll belegt seien. Zudem bestehe die Hoffnung, durch die Änderung des Abrechnungssystems mehr staatliche Zuschüsse generieren zu können. Streu gab jedoch zu, dass sich am Defizit nicht viel ändern werde. „Das hatten wir immer schon, seit wir Träger sind“, denn Forstern habe stets geschaut, Mehrbedarf sofort zu decken. Wartelisten wie anderswo habe es nie gegeben.

70 Prozent der Kostendeckung wären optimal

Streu merkte an, dass laut Rechtsaufsicht eine Kostendeckung von 70 Prozent optimal wäre. Die wäre mit den im April beschlossenen Sätzen erreicht worden, jetzt nicht mehr. Denn der Gemeinderat ist der Empfehlung des Kitaausschusses einstimmig gefolgt und hat eine Erhöhung im Kindergarten auf 1,65 Euro pro Stunde (bisher: 1,50 Euro), in der Krippe auf 2,50 Euro (2,10 Euro) und im Hort auf 1,90 Euro (1,70 Euro) beschlossen. Damit verzichtet man auf rund 100 000 Euro an Mehreinnahmen.

Die Rechtsaufsicht habe außerdem empfohlen, zu prüfen, ob nicht ein externer Träger besser wäre. In dieses Horn stieß auch Franz-Josef Obermaier. „So kann’s nicht weitergehen. Wir waren immer stolz drauf, selbst Träger zu sein. Aber inzwischen geht das nicht mehr“, sagte er und beantragte, dass die Verwaltung Gespräche mit anderen Trägern aufnehmen und auch prüfen soll, ob man durch eine Art Personalmanager Kosten sparen könnte. Das wurde einstimmig so beschlossen.

Loupal betont hohe Qualität des Personals

Maria Feckl (Grüne) plädierte dafür, zu versuchen, die Einrichtungen in Gemeindehand zu belassen. Auch Florian Neglia (AWG) meinte: „Es ist in unserem Interesse, die Einrichtungen zu behalten.“ Georg Els (AWG) erklärte, die Gemeinde unterliege grundsätzlich dem Kostendeckungsprinzip. Dennoch sollte man mit Blick auf die Corona-Krise den Eltern entgegenkommen und sich fürs nächste Jahr Gedanken machen, wie es weitergehen könnte.

Simona Loupal (SPD/Parteifrei) wollte nicht unerwähnt lassen, dass es in den Einrichtungen wenig Fluktuation gebe und das Personal durch Ausbildung im eigenen Haus eine entsprechende Qualität habe. „Das muss man schon schätzen und alles gründlich untersuchen, bevor man einen anderen Träger sucht.“

vam

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