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Einen Angehörigen selbst pflegen - so funktioniert die Pflegezeit

Pflege „von der ersten Hilfsbedürftigkeit bis zum Lebensende“

Senioren-Pflegezentrum in Forstern: Konzept steht, aber mit vielen Fragezeichen

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In Forstern wird eine Pflegeeinrichtung für Senioren entstehen. Doch welcher Personenkreis kann dort ein Pflegezimmer kaufen? Wie schaut es mit Belegungsrechten aus? Wo sollen die Mitarbeiter herkommen – und wo wohnen? Eine Infoveranstaltung hat gezeigt: Es gibt noch viele Fragezeichen.

Forstern– Wie berichtet, wird in Forstern ein Aktiv- und Pflegezentrum für Senioren gebaut. Auch die Nachbargemeinden sollen mit eingebunden werden. Deshalb waren jetzt Bürgermeister, Gemeinderäte und Seniorenbeiräte von Pastetten, Hohenlinden und Forstinning ins Schmankerlwerk eingeladen. Weil sie an dem Abend Sitzung hatten, werden die Räte aus Buch am Buchrain separat informiert, dann auch die Bürger.

Pflegezentrum Forstern: Investor Terago und Betreiber Renafan stellen sich vor

Den geladenen Gästen stellten sich Investor Terago und erstmals Betreiber Renafan vor. Wie das Konzept für Forstern aussieht, präsentierte Michael Haile von der Servicegesellschaft des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste (bpa). Geplant ist eine Verbundlösung anstelle eines klassischen Pflegeheims, die Pflege „von der ersten Hilfsbedürftigkeit bis zum Lebensende“ bietet.

Zahlreiche Vertreter von Forstern, Pastetten, Hohenlinden und Forstinning waren zum Infoabend über das Pflegezentrum in Forstern gekommen. Unter anderem Matthias Reinhard von Terago (r. stehend) informierte. 

Konkret sollen rund zwölf barrierefreie Service-Wohnungen und zwei Wohngemeinschaften à zwölf Plätze mit dem Fokus auf Demenz-Patienten entstehen. Die vollstationäre Einheit soll 60 Plätze inklusive eingestreuter Kurzzeitpflege beinhalten – „eine Rundum-Sorglos-Lösung, sobald die ambulante Pflege nicht mehr ausreicht“, so Haile. Insgesamt bietet das ServiceLeben, so nennt Renafan derartige Einrichtungen, Platz für rund 100 Menschen.

Für Bewohner, aber auch für Gäste sollen außerdem 20 bis 25 Tagespflegeplätze entstehen. Ein ambulanter Pflegedienst wird mit eigenem Büro rund um die Uhr vor Ort und dann auch für die komplette Region zuständig sein.

ServiceLeben Renafan: „Es ist schwer, geeignetes Personal zu finden“

All diese Menschen müssen betreut werden, aber: „Es ist schwer, geeignetes Personal zu finden“, räumte Judith Bögelsack, bei Renafan für die Unternehmensentwicklung zuständig, ein. Deshalb setze man mit einer eigenen Abteilung auf Auslandsrecruiting: „Ohne das geht es eigentlich nicht mehr.“ In einer eigenen Altenpflegeschule wird zudem ausgebildet, und Mitarbeiterwohnungen sollen den Start am Arbeitsplatz erleichtern. Für Forstern wären sechs Wohnungen geplant.

Annett Taubert, Gemeinderätin in Forstern, erkundigte sich nach der Wartezeit für einen Platz. Laut Anja Heimsath, Leiterin ServiceLeben Trudering, kann diese bei ein bis zwei Wochen, aber auch mal bei zwei bis drei Monaten liegen. Der Forsterner Gemeinderat Franz Wintermayr fragte nach dem Personalschlüssel. Dafür gebe es vorgegebene Quoten, erklärte Bögelsack. Könnten diese nicht erfüllt werden, komme es zum Belegungsstopp.

Pflegezentrum Forstern: Angst der Bürger, leer auszugehen

Diskussionsbedarf gab es bei der Frage, welcher Personenkreis ein Appartement oder Pflegezimmer kaufen kann und wie es mit Belegungsrechten ausschaut. Susanne Gerster, Allgemeinärztin und Gemeinderätin in Pastetten, berichtete von der Angst der Leute, dass sich „reiche Münchner“ einkaufen könnten und die Bürger vor Ort dann leer ausgehen. „Wir wollen keine Einrichtung mit lauter Zugezogenen“, meinte Forsterns Bürgermeister Georg Els, gab aber zu bedenken: „Es wird nie funktionieren, dass für alle Interessenten aus der Region immer Plätze freigehalten werden.“

Das alles seien jedoch Details, die man noch regeln müsse. Freilich wolle man zuerst in der Region verkaufen, versicherte Terago-Geschäftsführer Matthias Reinhard. Grundsätzlich aber sei der Markt offen für jedermann. Donald Polzin vom Seniorenbeirat Forstern mahnte, dass man sich Belegungsrechte für Externe sehr gut überlegen müsse und stattdessen auf Wartelisten setzen solle.

Seniorenbeirat Forstern: „Dem Konzept eine Chance geben.“

„Ich habe das Gefühl, nur wer Geld hat, kommt hier zum Zug“, meinte eine Bürgerin aus Pastetten. Franziska Pries, Pflegedienstleitung im ServiceLeben Trudering, erklärte: „Wenn Vermögen oder Rente nicht ausreichen, springt auf Antrag der Bezirk ein.“ Das treffe auf etwa 25 Prozent der Bewohner in ihrer Einrichtung zu.

Zum weiteren Vorgehen erklärte Els, dass noch heuer die städtebaulichen Verträge geschlossen werden sollen, bevor es an die Änderung von Flächennutzungs- und Bebauungsplan geht. „Man braucht schon ein Jahr, bis alles planungsrechtlich steht. Alles andere wäre Augenwischerei“, so Els, der zugab: „Es gibt noch viele Fragenzeichen. Aber irgendwann muss man anfangen.“ Derweil laufen auch die Verhandlungen für das bevorzugte Grundstück im Süden der Gemeinde. Geplant sind dort zwei Baukörper mit vielen Grünflächen. Mehr Details konnte Reinhard noch nicht nennen.

Rudi Püchner vom Seniorenbeirat Forstern appellierte an die Anwesenden, dem Konzept eine Chance zu geben: „Man sollte als erstes nicht Misstrauen, sondern Vertrauen entwickeln.“

vam

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