Mit einer Drohne aufgenommenes Foto zeigt PV-Anlagen auf Hausdächern
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PV-Anlagen auf möglichst vielen Dächern Forsterns – diese Vision will die Gemeinde jetzt anpacken. Dazu gibt es eine Infoveranstaltung. (Symbolfoto)

PV-Anlage auf Kinderhaus – Gemeinde will Bürger ins Boot holen – Infoveranstaltung

Forstern packt die Energiewende an

  • Veronika Macht
    vonVeronika Macht
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Die Gemeinde Forstern will auf dem Kinderhaus in Karlsdorf eine PV-Anlage installieren. Und auch möglichst viele Bürger sollen solche Anlagen auf ihre Dächer bauen.

Forstern – Die Gemeinde Forstern hat es sich bereits 2013 im integrierten Klimaschutzkonzept zum Ziel gemacht, die CO2-Emissionen zu senken – unter anderem durch den Einsatz erneuerbarer Energien. Jetzt sollen konkrete Schritte folgen. Etwa Photovoltaikanlagen auf kommunalen Dächern wie dem des neuen Kinderhauses in Karlsdorf. Einen Antrag die kommunalen Liegenschaften betreffend haben die Klimaschutz- und Energiereferenten Maria Feckl (Grüne) und Anton Oskar (CSU) bereits eingereicht (Kasten unten). Zudem will die Gemeinde die Bürger verstärkt ins Boot holen.

„Wir möchten mit professioneller, externer Unterstützung erreichen, dass in Forstern auch möglichst viele Hauseigentümer und ansässige Betriebe auf ihren hierfür geeigneten Dächern weitere PV-Anlagen installieren lassen“, erklärt Bürgermeister Rainer Streu (AWG). Mit einer solchen Anlage auf dem Dach ließen sich die eigenen Stromkosten senken, Versorgungssicherheit schaffen und zu einem positiven Klimaschutz beitragen.

PV-Anlagen: Kostenlose und unabhängige Potenzial-Checks

Zur Unterstützung plant die Gemeinde eine Nachfragebündelung, durch die der weitere PV-Zubau erleichtert werden soll. Diese Bündelaktion gehe mit kostenlosen und unabhängigen Potenzial-Checks für alle Interessenten im Gemeindegebiet einher. Dabei würden der Einsatz einer PV-Anlage mit oder ohne Speicher, die Umrüstung der alten Heizungsanlage auf erneuerbare Energien sowie die staatlichen Fördermöglichkeiten vor Ort geprüft.

In einer Infoveranstaltung am Mittwoch, 30. September, um 19 Uhr in der großen Turnhalle werden die Fördermöglichkeiten, die technischen Voraussetzungen und die Wirtschaftlichkeit einer PV-Anlage erläutert. Gemeinsam mit der Firma power2nature aus Forstinning will die Gemeinde Hauseigentümer und Betriebe dabei unterstützen, mit geringem Aufwand die eigene Photovoltaik-Anlage zu realisieren.

PV-Anlage auf dem Kinderhaus: Selbst betreiben oder über Genossenschaft?

Selbst aktiv wird Forstern zunächst beim neuen Kinderhaus in Karlsdorf. Ob die dortige Anlage jedoch in Eigenregie oder über eine Bürgergenossenschaft betrieben wird, steht noch nicht fest. Beispiele für beide Betriebsvarianten wurden vor der Sommerpause im Gemeinderat vorgestellt. Eine Entscheidung soll in einer der nächsten Sitzungen fallen.

Bereits im vorigen November war Andreas Dathe von der Bürgerenergiegenossenschaft BENG zu Gast in Forstern. Weil die Hälfte des Gemeinderats neu ist, war das Vorstandsmitglied nun erneut eingeladen und erklärte, dass die Anlage in Karlsdorf nach Süden ausgerichtet werden würde. Pro Jahr könne man etwa 40 000 Kilowattstunden (kW/h) erzeugen, die Nennleistung betrage rund 40 kW Peak.

Weil es im vorigen Jahr vom Gremium gewünscht worden war, hatte Dathe nun auch einen 9,6 kWh-Speicher in die Planung integriert. Gesamtkosten: rund 47 000 Euro. Die Dachfläche würde die Gemeinde mietfrei zur Verfügung stellen, dafür bekäme sie einen günstigen Strompreis von 19,5 Cent je Kilowattstunde, fix auf 25 Jahre.

Infoveranstaltung am 30. September für alle Bürger der Gemeinde

Die Bürger können sich an der Anlage beteiligen, indem sie Mitglied der Genossenschaft werden. Beitrag zum Klimaschutz, fixer Strompreis über Jahre und eine Art Strompreisbremse für den Eigenverbrauchsanteil nannte Dathe als Vorteile der Genossenschaft. „Und die Gemeinde hätte keine Arbeit damit“, ergänzte Streu die Liste.

Anders funktioniert die Variante, die Alexandru Steininger von der power2nature GmbH vorstellte. Hier würde die Gemeinde die Anlage selbst bauen und betreiben. Doch PV-Anlagen seien, so betonte Steininger, grundsätzlich „sehr dankbar und wartungsarm“, der Verwaltungsaufwand für den Betreiber sei deshalb überschaubar.

Die Module wären hier in Ost-West-Richtung ausgerichtet, „so bleibt im Kindergarten noch mehr Strom, den man zur Verfügung hat“, sagte Steininger. Die Gesamtleistung bezifferte er mit 71,4 kW Peak. Mit Speicher würden 80 000 Euro fällig, ohne 67 000 Euro.

Steininger wird in der Veranstaltung am 30. September als Referent über die ökonomischen und ökologischen Aspekte einer PV-Anlage, über staatliche Fördermöglichkeiten und die Vorgehensweise der Bündelung informieren. Die Planung und die Wirtschaftlichkeitsanalyse der Anlagen sowie das unverbindliche Einholen der Angebote von Fachbetrieben aus der Region soll ebenfalls das Team von power2nature übernehmen.

Anmeldung zum Infoabend

Die Bündelaktion richtet sich an alle Bürger der Gemeinde Forstern. Um Anmeldung für die Auftaktveranstaltung am 30. September um 19 Uhr in der großen Turnhalle wird wegen der ungewissen Entwicklung der Corona-Pandemie gebeten – per E-Mail an info@gmd-forstern.de oder unter Tel. (0 81 24) 53 17-0.

vam

Referenten fordern PV-Anlagen auf kommunalen Dächern

Forstern – Zu Photovoltaik-Anlagen auf kommunalen Liegenschaften haben Forsterns Klimaschutz- und Energiereferenten Maria Feckl (Grüne) und Anton Oskar (CSU) einen Antrag an den Gemeinderat eingereicht, der noch nicht behandelt worden ist. Darin fordern sie einen Grundsatzbeschluss, dass „die Dachflächen der Liegenschaften grundsätzlich für die Installierung von PV-Anlagen zur Erzeugung von Strom – auch zur Eigennutzung – bereitgestellt werden“ sollen.

Zur Vorgehensweise erklären Feckl und Oskar, dass alle Dachflächen der Liegenschaften darauf untersucht werden sollen, wie geeignet sie für die Installation von PV-Anlagen sind. Neben der erwarteten Strommenge sei die Möglichkeit der Eigenstromnutzung zu berücksichtigen. Eine Rangfolge der wirtschaftlichsten Anlagen soll dabei erstellt werden. Eine wirtschaftliche Betrachtung sei vorzunehmen. Anhand dieser Rangfolge werde mit dem Bestücken der Dachflächen begonnen. Bei Neubauten würden PV-Anlagen prinzipiell geplant und umgesetzt.

Ob die Anlagen in Eigenregie oder durch Bürgerbeteiligung beziehungsweise eine Contracting-Firma geplant, installiert und betrieben werden, soll unter Berücksichtigung der Haushaltslage beurteilt werden.

Die Referenten begründen ihren Antrag damit, dass die Nutzung der Sonnenenergie erheblich zum Klimaschutz beitrage. Auf den Liegenschaften der Gemeinde seien noch viele Dächer ungenutzt. „Um dem Ziel näher zu kommen, auf fossile Energieträger zu verzichten, ist Solarstrom ein unverzichtbarer Faktor.“ Solaranlagen arbeiteten geräuschlos und emissionsfrei und produzierten weit über die Amortisationszeit hinaus Energie. Die Gemeinde könne die Anlagen selbst betreiben oder durch Bürgerenergiegenossenschaften kostenneutral umsetzen und betreiben lassen.

„Weil Verwaltungsgebäude und Schule kontinuierlich viel Strom verbrauchen, bieten sich diese Liegenschaften für den Eigenverbrauch besonders an. Die Investition in PV-Anlagen ist eine lohnende Investition und trägt erheblich zum Klimaschutz bei“, sind sich Feckl und Oskar sicher. Zudem werde die „Errichtung kommunaler PV-Aufdach-Anlagen mit Schwerpunkt Eigenverbrauch und Bürgerbeteiligung“ bereits im Klimaschutzkonzept der Gemeinde von 2013 in der Maßnahmenübersicht aufgeführt. vam

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