Mathias Weigl, Sozialer Ansprechpartner in Forstern, berichtete im Gemeinderat von seinen Aufgaben.
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Mathias Weigl, Sozialer Ansprechpartner in Forstern, berichtete im Gemeinderat von seinen Aufgaben.

Sozialer Ansprechpartner Mathias Weigl zieht Bilanz

Obdachlosigkeit auch in Forstern ein Thema

  • Veronika Macht
    vonVeronika Macht
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Sozialpädagoge Mathias Weigl kümmert sich in der Gemeinde Forstern um die Themen Asyl, Senioren, Soziales und Obdachlosigkeit. Zweimal mussten im vergangenen Jahr Bürger in der Notunterkunft der Gemeinde unterkommen.

Forstern– Seit fast fünf Jahren kümmert sich Mathias Weigl in Forstern um soziale Belange. Kaum hatte er damals seinen Dienst angetreten, hat sich der Sozialpädagoge zunächst schwerpunktmäßig um den Helferkreis und die Flüchtlinge gekümmert, die in Forstern leben. In diesem Aufgabenfeld hat der Bedarf inzwischen merklich abgenommen. Dass ihm die Arbeit dennoch nicht ausgehen wird, davon berichtete Weigl jetzt im Gemeinderat.

Feste Sprechzeit immer dienstags

14 Wochenstunden stehen ihm zur Verfügung, um die Bereiche Obdachlosigkeit, Asyl, Seniorenbeirat und Soziales abzudecken. Dazu bietet er immer dienstags eine feste Sprechzeit an, die anfangs „relativ mau“ angenommen worden sei. Inzwischen habe sich das Angebot etabliert.

Zum Thema Obdachlosigkeit fasste Weigl zusammen: „Das ist auch in Forstern vorhanden.“ Oft komme jemand in eine Lebenskrise – sei es durch Trennung, Arbeitsplatzverlust, Sucht oder Mietschulden – „und das persönliche Kartenhaus bricht plötzlich zusammen“. Meist bekomme die Gemeinde erst dann etwas von den Problemen mit, wenn sich der Gerichtsvollzieher ankündigt. „Es wäre natürlich besser, wenn man sich vorher schon melden würde“, appellierte Weigl an Betroffene.

Zweimal war eine  Unterbringung in der Notunterkunft nötig

Im vergangenen Jahr konnte in fünf Fällen Beratungshilfe geleistet werden. Unter anderem nannte Weigl hier die Vermittlung und Kooperation mit Fachstellen wie dem sozialpsychiatrischen Dienst der Caritas oder der Schuldnerberatung.

Im Sommer 2019 und im Frühjahr 2020 war jeweils eine Unterbringung in der Notunterkunft nötig. Das passiere jedoch erst, wenn alle anderen Bemühungen gescheitert sind, es keine Verwandten gibt, kein Geld mehr vorhanden ist, betonte Weigl. Wie sich dies aufgrund der Corona-Krise entwickeln werde, könne man derzeit noch nicht abschätzen. Eine Person habe wieder eine Wohnung bekommen, die zweite habe man in ein Haus für suchtgefährdete Arbeitslose vermittelt.

Asylbewerber: Helferkreis nur noch punktuell vor Ort

In den Asylbewerber-Unterkünften an der Münchner Straße und am Steinfeld leben aktuell 43 Personen. Mehr sind laut Statistik vom Mai nur in Wartenberg, Oberding, Taufkirchen, Dorfen und Erding untergebracht. Weigl sprach von acht Familien mit neun Erwachsenen und 17 Kindern aus Nigeria, Eritrea und Sierra Leone. Hinzu kommen drei kinderlose Pärchen aus Nigeria und eines aus der Ukraine, vier Erwachsene aus der Ukraine sowie drei junge Männer aus Afghanistan, zwei aus Äthiopien und einer aus Somalia.

Während der Helferkreis anfangs mit 40/50 Personen riesig gewesen sei, würden weniger Ehrenamtliche inzwischen nur mehr punktuell in den Unterkünften vorbeischauen. Zu seinen Tätigkeiten, so Weigl, gehören im Bereich Asyl die Zusammenarbeit mit Landratsamt und Fachstellen sowie die konkrete Einzelfallhilfe, etwa bei Formularen für Behörden.

Als „heiße Phase“ bezeichnete Weigl die Quarantäne im April/Mai in der Unterkunft am Steinfeld aufgrund von Corona-Infektionen. Der Helferkreis sei hier sehr aktiv gewesen, man habe versucht, „das Beste aus der Situation zu machen“. Infektionsfälle gibt es dort jetzt keine mehr.

Senioren: Vermittlung von Wohnberatung

Beim Seniorenbeirat beschränke sich seine Arbeit mittlerweile vor allem auf Gespräche in Zusammenhang mit dem geplanten Seniorenzentrum und auf die Vermittlung von Wohnberatung. Reinhard Anger, Vorsitzender des Seniorenbeirats, ist hier als ehrenamtlicher Wohnberater tätig.

Unter dem Punkt „Soziales“ nannte Weigl Projekte wie „Forstern trifft die Welt“ zusammen mit Dominik Rehbein von der Offenen Jugendarbeit und Ludwig Hiebinger vom Gartenbauverein sowie die Wunschbaum-Aktion im Kindergarten. Beratung bietet er bei Themen wie Grundsicherung oder zuletzt auch Corona-Hilfen.

Wenn es die Pandemie wieder zulässt, ist eine Neuauflage von „Forstern trifft die Welt“ geplant, auch der Wunschbaum soll erneut aufgestellt werden. Außerdem könnte ein Sprach- und Kulturcafé in den Räumen des Volksbildungswerks stattfinden, und zusammen mit der Nachbarschaftshilfe gibt es die Idee zum Spendenfonds „Forstern hilft Forstern“.

Weigl berichtete in diesem Zusammenhang, dass dank der Spende des Frauenbunds für einen der ehemaligen Obdachlosen ein Kühlschrank gekauft werden konnte. Außerdem habe man einer Alleinerziehenden ein Kinderfahrrad finanziert und weiteren Bürgern Einkaufsgutscheine.

Kontakt

Sprechstunde jeden Dienstag von 9 bis 12 Uhr, Tel. (01 71) 1 72 33 37 oder E-Mail weigl@forstinning.de.

vam

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