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Ein funktionaler Bau ohne Schnickschnack: Bürgermeister Georg Els und Kommandant Rainer Streu (v. l.) vor dem neuen Forsterner Feuerwehrhaus. Inzwischen sind die Erdarbeiten fast erledigt.

Im Herbst soll das Gerätehaus in Betrieb gehen

Das neue Forsterner Feuerwehrhaus: Funktional, modern, ohne Schnickschnack

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Das neue Forsterner Feuerwehrhaus ist optisch ein echter Hingucker. Im vorigen September war Spatenstich, diesen Oktober soll das Gerätehaus fertig sein. Ein Baustellenbesuch.

Forstern– Es ist eines von vielen Megaprojekten, die derzeit in der Gemeinde Forstern laufen: der Neubau des Feuerwehrhauses. Nach dem Spatenstich im vorigen September hat sich einiges getan auf dem Grundstück an der Staatsstraße. Seit rund zwei Monaten ist auch das Gerüst weg, unter dem die Außenfassade aus Lärchenholz lange Zeit verborgen war. Ein Baustellenbesuch.

Rund ums Gerätehaus musste einiges an Erdreich bewegt werden

Das neue Gerätehaus der Feuerwehr Forstern dürfte das derzeit prägnanteste Gebäude im Ort sein. Vieles an dem modernen, funktionalen Bau ist bereits fertig. Mitte Juli wurden die Fahrzeughalle und die restlichen Räume gefliest, die Maler haben losgelegt. Auch außen hat sich inzwischen vieles getan: Im Außenbereich ist die Firma Brandl ziemlich fertig mit den Regenwasserkanälen und Auffüllen des Geländes, denn es musste einiges an Erdreich bewegt werden, damit man ebenerding ins Haus gehen kann.

Denn das Gelände weist zum Teil ein starkes Gefälle auf, das angeglichen werden musste. „Es ist wichtig, dass wir mit den Einsatzfahrzeugen relativ gerade auf die Staatsstraße rausfahren können, also nicht erst noch eine Steigung überwinden müssen“, erklärt Kommandant Rainer Streu beim Baustellenbesuch.

Passender Zufall: 112 Spinde für die Aktiven

Zur Staatsstraße wird es zudem getrennte Alarmaus- und -einfahrten geben, um Unfälle im Alarmfall zu vermeiden. Die Aktiven parken dann im Süden des Hauses und gelangen direkt in die Umkleideräume. Auf einem Bildschirm werden sie dort mit den wichtigsten Infos versorgt. Genau 112 Spinde – „das war nicht geplant, sondern hat sich so ergeben“, sagt Streu – stehen den aktuell gut über 100 Aktiven zur Verfügung. „Mit der Alarmsicherheit haben wir kein Problem. Forstern ist da gesegnet“, ergänzt Bürgermeister Georg Els.

Dem Prinzip der konsequenten Schwarz-Weiß-Trennung folgend, schließen sich an die Umkleiden Duschen an. Die gibt’s im alten Feuerwehrhaus nicht, doch Streu ist überzeugt, dass die Kameraden die Duschen gut annehmen werden. „Wenn wir von Einsätzen kommen, gerade die First Responder, die ja auch mal mit Körperflüssigkeiten in Kontakt kommen können, dann wollen wir einfach duschen“, sagt er.

Kommandant: „Es ist halt ein 2019er-Bau und keiner aus den 80er Jahren“

Im Erdgeschoss des Gebäudes sind außerdem Besprechungsraum, Einsatzzentrale und Bereitschaftsraum – das klassische Stüberl – untergebracht, letzteres mit großer Glasfront zur Staatsstraße hin. „Da waren wir schon skeptisch am Anfang, denn das ist sehr modern“, gibt Streu zu. Aber mittlerweile finde der Großteil die Gestaltung sehr gelungen. „Es ist halt ein 2019er-Bau und keiner aus den 80er Jahren“, meint der Kommandant. Und Els fügt hinzu: „Das Haus ist ohne Schnickschnack und Schnörkel und hebt sich von den klassischen Bauten der Bevölkerung ab. Wenn die öffentliche Hand baut, soll man das auch erkennen.“

Die Ausstattung von Stüberl sowie Küche und Lager übernimmt der Feuerwehrverein. „Dafür haben wir in den vergangenen Jahren unsere Dorf- und Weinfeste veranstaltet“, erklärt Streu. Immer wieder habe es Kritiker gegeben, so Els, die moniert hätten, dass die Feuerwehr hier „ein ganzes Vereinsheim hingebaut“ bekomme. Das stimme nicht, denn die klassischen Vereinsbereiche stattet der Verein selbst aus. So gibt es auch Toiletten, die dem Stüberl und dem Sozialbereich zugeordnet sind – auch hier kommt die Schwarz-Weiß-Trennung zum Tragen.

Bei Bedarf kann aus einem Lager ein weiterer Stellplatz werden

Atemschutzwerkstatt sowie ein Hochregallager zum Beispiel für Sandsäcke runden die Raumaufteilung im Erdgeschoss ab. Blickt man von Norden aufs Gebäude, schaut das Lager von außen wie ein weiterer Stellplatz aus, ist aber räumlich davon getrennt. Bei Bedarf könne man diese Flächen jedoch durchaus den aktuell fünf Stellplätzen zuschlagen, jeder davon nach Norm 12,50 Meter tief.

Fünf Stellplätze umfasst die Fahrzeughalle. Das entspricht dem, was die Regierung von Oberbayern abgesegnet hat und was im Bedarfsplan aufgelistet ist.

Im Obergeschoss befinden sich ein Schulungsraum mit Bestuhlung für 38 Teilnehmer und ein 30 Quadratmeter großer Sportraum, den ebenfalls der Verein ausstattet. Bisher machen die Kameraden immer dienstags Feuerwehrsport in der Turnhalle, spielen Fuß- oder Volleyball. Doch einige Junge würden gerne auch Geräte nutzen – das können sie bald.

Jugendraum: „Enorm wichtig für die Bindung des Nachwuchses an die Feuerwehr“

Es schließen sich Büros für Kommandanten, Gruppenführer und den Verein an, denn aktuell werden dessen Unterlagen auf mehrere Mitglieder verteilt gelagert. Neben Putzkammerl und Raum für die First Responder gibt’s auch einen großen Jugendraum, ebenfalls eine Vorgabe der Regierung. Für die Ausstattung dieser 40 Quadratmeter haben die Jungfeuerwehrler bereits rund 4500 Euro an Spenden gesammelt, um zum Beispiel Billardtisch, Kicker oder einen Beamer anzuschaffen. „Ein solches Angebot ist für die Bindung des Nachwuchses an die Feuerwehr enorm wichtig“, sagt Streu, der aktuell eine Jugendgruppe mit rund 18 Personen zu seiner Mannschaft zählt. Seit Februar hat die Wehr die Altersgrenze herabgesetzt, sodass jetzt auch vier junge Feuerwehrler mit 12/13 Jahren dabei sind.

Geheizt wird das Gerätehaus mit einer Luft-Wärme-Pumpe. „Das ist nachhaltig“, sagt Streu. Die Spitzen fängt eine Gastherme ab, und fürs warme Wasser gibt es einen Durchlauferhitzer.

Bürgermeister Els: „Die Planung ist durchdacht“

In einem weiteren Vereinslager finden Kühlschränke, Teller & Co. Platz – „was man eben so braucht für Vereinsaktivitäten“, sagt der Kommandant. „Es wird nicht so sein, dass Räume leer stehen, auch wenn es anfangs vielleicht so ausgesehen hat, weil das Haus doch sehr groß ist. Die Planung ist durchdacht, die Feuerwehrkameraden haben sich sehr gut überlegt, wie alles aussehen soll“, lobt Els den Einsatz der Feuerwehrler bei der Planung des Gebäudes.

„Wenn man die Stunden der Ehrenamtlichen in Honorar umsetzen müssten, würden die Kommunen verarmen. Wir können sehr dankbar sein“, so Els.

Angepeilt sind Kosten von rund 4,4 Millionen Euro

Apropos Kosten: Angepeilt sind derzeit Kosten in Höhe von rund 4,4 Millionen Euro. Die erste Schätzung 2017 war von etwa 3,4 Millionen Euro ausgegangen, aber über die spätere Kalkulation sei man gar nicht so weit drüber, sagt Els. Mit am teuersten werde die Haustechnik, und auch die Erdbewegungen rund ums Haus machen einen großen Anteil aus.

„Aber rechnet man das mal hoch in Bezug auf einen 24-Stunden-Brandschutz, so lägen allein die Personalkosten, ohne dass man groß einsteigt, bei 1,6 Millionen Euro im Durchschnitt – ohne Gerätschaften. Nach drei Jahren ist das Ehrenamt da abgezahlt“, sagt Els, der auch einen Zeitpunkt nennt, wann das Feuerwehrhaus fertig sein soll: „Wenn die Autobahn in Betrieb geht, werden im Idealfall die Fahrzeuge aus dem neuen Gerätehaus fahren.“ Das wäre dann Anfang Oktober.

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