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Die beiden verstehen sich: Julia Deißenböck (2. v. l.) beim Torjubel mit Evi Kopp (daneben). 

Frauenfussball 

Interview: Das Geheimnis hinter dem Erfolg des FCF

Die Fußballerinnen des FC Forstern marschieren durch die Bayernliga. Warum es für den Tabellenführer so gut läuft, erklären Oldie Evi Kopp und ihre zehn Jahre jüngere Teamkameradin Julia Deißenböck.

Forstern – Der FC Forstern überwintert mit zehn Punkten Vorsprung als Tabellenerster der Bayernliga. Julia Deißenböck (22) und Evi Kopp (32) haben mit jeweils sechs Toren maßgeblich zu dem Erfolg beigetragen und stehen in der Torjägerliste weit oben. Mit FuPa.nethaben die beiden darüber gesprochen, was den FC Forstern so besonders macht.

-Frau Deißenböck und Frau Kopp, Sie stehen momentan mit deutlichem Abstand auf Platz eins. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Evi Kopp: Das ist eindeutig der Zusammenhalt in der Mannschaft. Ich glaube, man kann nur mit solch einem Ergebnis auf Platz eins stehen, wenn absolute Harmonie in der Mannschaft herrscht. Bei uns reißt sich wirklich jeder für jeden den Allerwertesten auf und geht den letzten Schritt, auch wenn es weh tut. Wir haben einen großen Kader, aber es herrscht kein Neid, und jeder gönnt seinen Mitspielern ein Tor oder Spielzeit. Hauptsache, am Ende stehen drei Punkte auf unserer Seite.

Julia Deißenböck: Wir hatten seit dem Bayernliga-Aufstieg kaum Abgänge und meist nur Zugänge aus der eigenen Jugend, die den Verein und die Mannschaft bereits kannten. So konnten wir über die Jahre immer mehr zusammenwachsen. Durch unseren großen Kader können wir Ausfälle stets kompensieren.

-Sie stehen beide weit oben in der Torschützenliste der Bayernliga. Gibt es da einen internen Kampf um die Torjägerkrone?

Deißenböck: Nein, absolut nicht. Ich freue mich über jedes einzelne Tor, das wir schießen, weil es zum Teamerfolg beiträgt. Wir haben auch nicht die eine Torjägerin, die die Mannschaft im Alleingang zum Sieg schießt. Das verteilt sich bei uns auf alle, was für unser starkes Team spricht.

Kopp: Da es eigentlich meine essenzielle Aufgabe ist, als Stürmerin Tore zu schießen, stehe ich natürlich ein wenig mehr unter Druck. Julia ist mit weitem Abstand auf dem ersten Platz der Assists. Das zeigt, wie wichtig sie für unsere Mannschaft ist und das Spiel lenkt. Aber ich hoffe natürlich, dass ich meiner Aufgabe am Ende der Saison gerecht werden kann.

-Wie ist die Stimmung in der Mannschaft, jetzt, wo es so gut läuft?

Kopp:Ich spiele schon viele Jahre in Forstern und muss sagen, dass wir meiner Meinung nach bisher den stärksten Kader aller Zeiten haben. Auch wenn der Altersunterschied in unserer Mannschaft teilweise bei zirka 15 Jahren liegt, verstehen sich alle einwandfrei. Ich selbst habe auch zu den jungen Spielerinnen einen sehr guten Draht.

- Sie haben beide den Aufstieg 2014/15 in die Bayernliga miterlebt: Wie war das damals?

Deißenböck:Das war ein überragendes Erlebnis. Wir hatten am Anfang großes Verletzungspech. Deswegen hatten wir alle daran gezweifelt, ob wir den Aufstieg wirklich schaffen können. Die Saison ist für uns trotzdem sehr gut verlaufen. Den Aufstieg haben wir nicht nur einmal gefeiert.

-Wollen Sie diese Saison erneut einen Aufstieg erreichen?

Kopp:Klar, der Aufstieg in die Bayernliga war ein einmalig schönes Erlebnis. Ich bin aber der festen Überzeugung, dass es eine noch genialere Party wird, wenn wir in die Regionalliga aufsteigen. Bei mir kommt noch hinzu, dass ich den Olymp meiner Karriere erreicht habe und nicht weiß, ob es für mich noch eine Saison gibt. Ich werde deswegen umso mehr die Rückrunde genießen.

Deißenböck:Die beiden ersten Jahre in der Bayernliga liefen ja bereits sehr gut für uns, es fehlte aber immer noch an ein paar Kleinigkeiten. Mit dem Verlauf der Hinrunde 2017/18 können wir absolut zufrieden sein. Ich glaube und hoffe, dass wir diese Saison dazu bereit sind, es bis zum Schluss durchzuziehen und den Vorsprung nicht mehr zu verspielen.

-Frau Kopp, was bedeutet Fußball für Sie persönlich? Vor allem, weil Sie ja nicht wissen, ob Sie noch eine Saison dranhängen?

Kopp:Fußball spielen ist für mich wie Urlaub im Kopf – speziell beim FC Forstern. Ich kicke seit 28 Jahren. Das ist mein Leben, und ich habe Privates und Berufliches stets untergeordnet. Ich kann mir ein Leben ohne Fußball bisher noch nicht wirklich vorstellen, da es für mich zum einen eine Verlängerung der Jugend ist. Zum anderen gibt es nichts Schöneres, als gemeinsam durch dick und dünn zu gehen. Deswegen will ich mein Ziel, den Aufstieg in die Regionalliga, noch verwirklichen.

-Sie spielen hochklassig, Ihre erste Herrenmannschaft nur in der Kreisklasse. Wie wird im Verein auf Ihren Erfolg reagiert?

Kopp:Natürlich gibt es nach wie vor einen Unterschied zwischen der Damen- und der Herrenmannschaft. Das merken wir manchmal zum Beispiel daran, wer auf dem Hauptplatz spielen darf. Das Verhältnis zwischen den Mannschaften ist aber freundschaftlich.

Kopp:Ich denke, dass das Ansehen unseres Teams deutlich besser geworden ist. Wir bekommen Unterstützung vom Verein und feiern öfter mit den Männern. Allerdings wird man wohl immer einen Unterschied bezüglich der Beliebtheit zwischen Frauen- und Herrenfußball merken, was ich sehr schade finde.

-Frau Deißenböck, wie sind Sie zum Fußball gekommen?

Deißenböck:Ich bin in einer Fußball-verrückten Familie aufgewachsen, deshalb hatte ich im Prinzip gar keine Wahl. Einer meiner Brüder spielt selber noch aktiv, mein anderer Bruder und mein Papa sind beide Trainer. Davon habe ich natürlich von kleinauf profitiert. Außerdem ist unsere Mama unser größter Fan und unterstützt uns nach Möglichkeit bei jedem Spiel.

-Wie ist es für Sie beide, zusammen in einer Mannschaft zu spielen?

Kopp:Ich kenne Julia schon, seit sie bei den Mädchen in Forstern gespielt hat. Sie ist ein großer Rückhalt und übernimmt das Denken und Lenken in der Mannschaft. Es ist mir eine Ehre, mit ihr im selben Trikot aufzulaufen.

Deißenböck:Evi ist sehr wichtig für uns, ich spiele gerne mit ihr zusammen. Sie hat des Öfteren entscheidende Tore gemacht und hilft uns auch mit ihrer Erfahrung sehr. Außerdem trägt sie maßgeblich zu der guten Stimmung im Team bei. Nicht nur, weil sie immer wieder für Späße sorgt, sondern auch mal durchgreift und uns wachrüttelt. Sie möchte ja schließlich in ihren jungen Jahren nochmal aufsteigen.

Das Gespräch führte
Melanie Lang.

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