Gemeinderat Forstern 

Beim Kiesabbau kochen die Emotionen hoch

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Kiesabbau und besonders die Nassauskiesung sind in der Gemeinde Forstern ein sehr sensibles Thema. Schon mehrfach wurde im Gemeinderat emotional darüber diskutiert. Auch in der jüngsten Sitzung.

Forstern– Die Firma Brandl GmbH betreibt seit 25 Jahren in Karlsdorf ein Kieswerk mit Kiesgruben. Bereits voriges Jahr hatte das Unternehmen beantragt, auf einem weiteren Grundstück Kies abbauen zu dürfen – und zwar mit Eingriff in die Deckschichten des Grundwassers, sprich als Nassauskiesung. Damals hatte es im Gemeinderat Irritationen über die Zuständigkeiten gegeben: Laut Bürgermeister Georg Els (AWG) hätte der Antrag beim Landratsamt eingereicht werden müssen, das dann die Gemeinde um Stellungnahme bittet – und nicht umgekehrt.

Inzwischen hat der Antrag die Kreisbehörde erreicht und landete nun wiederum zur Stellungnahme bei der Kommune. Konkret geht es bei dem beantragten Grundstück um Flurnummer 197 – ein Areal im südlichsten Zipfel der Gemeinde, direkt an der Grenze zu Hohenlinden.

Die im Landratsamt für Naturschutz und Wasser zuständigen Abteilungen hätten aus ihrer Sicht keine Bedenken gegen das Vorhaben, berichtete Els von Vorgesprächen. Die Verwaltung sieht darin gar eine Chance, den Hochwasserschutz für Forstern zu ergänzen: „Das Grundstück könnte im Zuge der Rekultivierung als Rückhaltebecken gestaltet werden“, erklärte der Rathauschef. Damit würde es bei Starkregen das nahe gelegene Hohenlindener Rückhaltebecken sowie den Kapuzinergraben entlasten.

Die Ausbeutung sollte fünf Jahre nicht überschreiten, der Kies in erster Linie für Straßenbaumaßnahmen verwendet werden. „Natürlich ist das ein weiteres Loch, das wir aufmachen. Aber Kies muss eben dort ausgebeutet werden, wo er liegt“, meinte Els und erklärte: „Dieses Grundstück tangiert uns am wenigsten und kann uns sogar großen Nutzen bringen.“

Sebastian Hohentanner (SPD/Die Grünen) sah das komplett anders. „Der Kiesabbau in unserer Gemeinde ist schon jetzt gigantisch.“ Er verwies auf ein Abbaukonzept der Gemeinde, in dem die nun beantragte Fläche nicht vorkomme. „Wenn wir das jetzt aushebeln, haben wir künftig keinen Grund mehr, andere Flächen abzulehnen.“ Er pochte darauf, dass zunächst die bestehenden Kiesgruben komplett ausgebeutet und dann rekultiviert werden.

Sebastian Klinger (CSU) sah es ähnlich: „Diese Fläche ist nicht im Abbauplan drin. Ich bin dagegen.“ Dem schlossen sich Stefan Ganghofer (CSU) und Anton Oskar (CSU) an.

Rekultivierung als Badeweiher

Es stünden noch knappe neun Hektar zur Verfügung, die zum Abbau genehmigt seien. „Danach kann man weiterschauen“, sagte Oskar. Er kritisierte zudem, dass dieses Gebiet im Hochwasserschutzkonzept der Gemeinde gar nicht vorkomme.

Franz-Josef Obermaier (AWG) meinte, die Hochwasser-Problematik sei dort durchaus vorhanden, ein Auffangbecken also „von großem Vorteil“. Das konnte Rainer Streu (AWG) aus Sicht der Feuerwehr bestätigen. Wenn das Hohenlindener Becken übergehe, seien die umliegenden Felder komplett überschwemmt.

Herbert Berger (AWG) stimmte Hohentanner zu, dass man sich an das Kiesabbaukonzept halten solle. „Aber realistisch gesehen ist an dieser exponierten Lage Abbau kein Problem.“ Das sah auch Max Reiser (AWG) so. „Das ist der südlichste Zipfel der Gemeinde, das stört da überhaupt nicht.“ Außerdem sei direkt angrenzend, auf Hohenlindener Flur, bereits eine Kiesgrube.

Denkbar knapp mit 8:7 Stimmen fiel am Ende die Entscheidung, dem Antrag das gemeindliche Einvernehmen zu erteilen – unter den Vorgaben, dass die Kiesausbeute höchstens fünf Jahre dauern dürfe und die Grube danach als Rückhaltebecken für den Hochwasserschutz rekultiviert werde.

Einig waren sich die Gemeinderäte hingegen, dass die Wiederherstellung der bisherigen Gruben als Badeweiher beziehungsweise Naherholungsgebiet vorangetrieben werden müsse. Darauf pochten mehrere Ratsmitglieder in der Diskussion. Els berichtete, dass er deswegen bereits Kontakt mit dem so genannten Verein zur Sicherstellung überörtlicher Erholungsgebiete in den Landkreisen um München, auch Erholungsflächenverein genannt, aufgenommen habe.

Dieser arbeite mit dem Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München zusammen und sei bereits an der Gestaltung vieler Erholungsflächen in der Region beteiligt gewesen. Zwar sei der Landkreis Erding dort nicht Mitglied, doch könne die Gemeinde eine offizielle Anfrage stellen, ob sie beitreten könne und zu welchen Konditionen. Dazu bemächtigte das Gremium Bürgermeister Els.

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