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Gemeinsam gegen Obdachlosigkeit

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Von: Wolfgang Krzizok, Veronika Macht

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Eine Parkbank als Bett: Die Caritas-Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit hilft dabei, solche Schicksale zu verhindern. Etliche Gemeinden haben schon zugestimmt, die Stelle finanziell zu unterstützen.
Eine Parkbank als Bett: Die Caritas-Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit hilft dabei, solche Schicksale zu verhindern. Etliche Gemeinden haben schon zugestimmt, die Stelle finanziell zu unterstützen (Symbolbild) © Martin Gerten/dpa

Die Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit bei der Caritas ist in ihrer finanziellen Existenz bedroht. Die Landkreisgemeinden sollen helfen.

Südlicher Landkreis – Jede Woche melden sich bis zu fünf Bürger, die von Obdachlosigkeit bedroht sind. Diese Zahl nannten Brigitte Fischer und Melanie Schmerbeck von der Caritas in Erding vor gut einem Monat anlässlich des Tags der Wohnungslosen. Nun ist die Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit selbst bedroht – in ihrer finanziellen Existenz. Denn die Beratungsstelle wurde bislang vom Sozialministerium gefördert, die Bezuschussung läuft allerdings im Dezember aus. Jetzt sollen die Gemeinden helfen.

Forstern

Etliche Kommunen im südlichen Landkreis haben sich jüngst mit dem Thema befasst. Im Forsterner Gemeinderat etwa berichtete Bürgermeister Rainer Streu (AWG), dass sich die Beratung an Menschen richte, die von Obdachlosigkeit bedroht sind. Um die Stelle erhalten zu können, wäre der Wunsch, dass die Landkreisgemeinden sie finanziell unterstützen. Pro Gemeindebürger und Jahr wären 55 Cent fällig – für Forstern wäre dies eine Belastung von gut 2100 Euro jährlich. „Es ist ein Konzept der Solidarität aller Gemeinden“, erklärte Streu.

Es habe in Forstern durchaus schon Familien gegeben, die in finanzielle Not geraten waren, ihre Miete nicht mehr zahlen konnten und schon die Kündigung hatten. In solchen Fällen sei die Fachstelle Ansprechpartner, vermittle, helfe bei der Suche nach möglichen Zuschüssen.

Zwar sei man in Forstern in der glücklichen Lage, mit dem sozialen Ansprechpartner Mathias Weigl jemanden im Haus zu haben, der sich ebenfalls ums Thema Obdachlosigkeit kümmert. „Damit sind wir anderen Gemeinden voraus“, meinte Streu. Aber Weigl nutze die Fachstelle und deren Expertise durchaus als wertvolles Netzwerk, weshalb sie unbedingt erhalten werden solle.

„Ich sehe das schon auch kritisch, denn es ist eine gewisse Doppelung“, sagte Maria Feckl (Grüne). Zudem seien andere Stellen dafür zuständig, sozialen Wohnraum für Menschen mit geringem Einkommen zu schaffen – das Land oder der Bund etwa. Das Thema Obdachlosigkeit hingegen werde so „wieder auf die Kommunen als letzte am Ende der Liste abgewälzt. Das finde ich ungut, aber ich will auch nicht unsolidarisch sein“, merkte sie an.

Sebastian Klinger (CSU) befand, die Gemeinde sollte die Fachstelle unbedingt unterstützen. „Aber es funktioniert nur, wenn alle Gemeinden mitmachen.“ Und auch Josef Obermaier (CSU) erklärte: „Das gehört gemacht, die Fälle werden mehr werden.“ Einstimmig fiel so der Beschluss, die Stelle zu unterstützen und einem befristeten Vertrag von 1. Januar 2022 bis 31. Dezember 2024 zuzustimmen. vam

Ottenhofen

Grünes Licht gab es auch von der Gemeinde Ottenhofen. „Wir hatten das in der jüngeren Vergangenheit. Dieser Fall hat uns mehrere Wochen beschäftigt“, erklärte Bürgermeisterin Nicole Schley (SPD) im Gemeinderat. Man habe mit der Caritas Kontakt gehabt. „Wir haben diesen Fall tatsächlich mit 60 Stunden kalkuliert“, so Schley, die jetzt sicherstellen kann, dass Ottenhofen entsprechend der Einwohnerzahl mit gut 1000 Euro dabei ist. Nach der Rechnung Schleys ist das weniger als die Hälfte dessen, was an Aufwand entstehe, wenn ein solcher Fall im Gemeindegebiet auftrete. klk

Walpertskirchen

Einstimmig beschloss auch der Walpertskirchener Gemeinderat, sich an der Finanzierung zu beteiligen. Das Gremium folgte damit der Empfehlung des Bayerischen Gemeindetags, die Fachstelle der Caritas „unbedingt aufrechtzuerhalten“ und ihre Finanzierung über die 26 Städte, Märkte und Gemeinden im Landkreis zu gewährleisten.

Es sei wichtig, dass Alleinstehende und Familien vor Obdachlosigkeit bewahrt würden. „Die Zusammenarbeit mit der Caritas wird sehr positiv gesehen“, fasste Bürgermeister Franz Hörmann (CSU) das Meinungsbild im Gremium zusammen. Der zunächst auf drei Jahre befristete Vertrag verlängere sich um ein weiteres Jahr, wenn er nicht mindestens sechs Monate vor Ende der Kernlaufzeit am 31. Dezember 2024 gekündigt werde.

Für Walpertskirchen würden jährlich Kosten von etwa 1200 Euro anfallen, bei der dreijährigen Vertragslaufzeit also 3600 Euro. Im Schnitt habe die Sozialpädagogin der Caritas in den vergangenen Jahren 33 Haushalte vor Obdachlosigkeit bewahrt, wurde in der Sitzung informiert. Dies sei durch Verhandlungen mit den Vermietern sowie Stiftungs- und Spendenmitteln erreicht worden, um Mietrückstände, Kautionen oder auch Umzugskosten zu bezahlen.

Auch die Unterstützung bei der Wohnungssuche und die Vermittlung in Betreute Wohnformen seien geleistet worden. Genauso wichtig seien die Beratung zur Existenzsicherung, zu Leistungsansprüchen sowie die psychische und soziale Stabilisierung. Wenn Obdachlosigkeit verhindert oder beendet werde und die Menschen durch die fachliche Begleitung ihre Lebensverhältnisse stabilisieren könnten, spare das der Gemeinde Kosten. vev

Moosinning

Dass die Gemeinde Moosinning die Fachstelle ebenfalls unterstützen wird, war in der Gemeinderatssitzung keine Frage. „Das ist gut angelegtes Geld“, stellte Bürgermeister Georg Nagler (SPD) fest. „Es ist immer gut, wenn man in solchen Fällen einen Ansprechpartner hat.“ Werner Fleischer (BE) stimmte ihm zu. „Wir sind schon oft vor der Entscheidung gestanden“, sagte der Vizebürgermeister und erinnerte an einen aktuellen Fall. „Da mussten wir die obdachlose Familie schnell unterbringen und mussten sie dann nach Anzing abschieben. Das kann’s nicht sein.“ Zudem halte sich der Beitrag für die Gemeinde – rund 3300 Euro im Jahr – in Grenzen. Der Beschluss, dass sich Moosinning an dem Caritas-Projekt beteiligt, fiel einstimmig. wk

Wörth und Finsing

Auch die Gemeinderäte von Wörth und Finsing befassen sich in ihren nächsten Sitzungen mit dem Thema: Wörth am Montag, 25. Oktober, um 19 Uhr in der großen Turnhalle der Schule, Finsing am gleichen Tag um 19.30 Uhr im Saal des Bürgerhauses in Eicherloh.

Vroni Macht, Vroni Vogel, Klaus Kuhn, Wolfgang Krzizok

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