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Daumen hoch für die Pausenengel: Sozialpädagoge Kilian Schmid (l.) und Schulleiterin Annett Taubert (r.) mit einem Großteil der aktuellen Pausenengel an der Grundschule Forstern.

Präventives Projekt an der Grundschule Forstern

Pausenengel wachen über ihre Mitschüler

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An der Grundschule Forstern wurden viele Streitschlichter ausgebildet. Sie standen ihren Mitschülern zur Konfliktvermittlung zu Seite. Jetzt geht die Schule neue Wege – mit dem präventiven Projekt Pausenengel.

Forstern – Bei den Streitschlichtern lag der Fokus eher nachgelagert“, erklärt Schulleiterin Annett Taubert. „Wenn Schüler in der Pause einen Streit hatten, dann sind sie nach der Pause auf die Streitschlichter zugegangen.“ In einem eigenen Raum versuchten diese dann, im Gespräch Lösungen zu finden. In einer Schulleitertagung in Thüringen habe sie jedoch das Pausenengel-Konzept kennengelernt, ein präventiver Ansatz, der ihr sofort gefallen habe, berichtet Taubert.

19 Pausenengel haben ihren Dienst aufgenommen

In diesem Schuljahr haben 19 Pausenengel in Forstern ihren Dienst aufgenommen, die meisten davon sind Drittklässler. Ihre Ausbildung hat schon am Ende der zweiten Klasse begonnen, nach den Ferien wurde sie abgeschlossen. An sechs Nachmittagen trafen sie sich dazu mit Sozialpädagoge Kilian Schmid von der Brücke Erding als Träger des sozialpädagogischen Angebots. Er übernimmt auch die weitere Betreuung der Pausenengel.

„Die Streitschlichter waren bisher ein sehr kleiner Kreis“, berichtet Schmid. Manchmal seien es sogar mehr interessierte Kinder gewesen als Plätze, so dass gelost werden musste. Jetzt kann im Prinzip jedes Kind, das eine soziale Arbeit an der Schule übernehmen will, Pausenengel werden – ein Einsatz, der im Zeugnis vermerkt und mit einer Urkunde belohnt wird.

19 Mädchen und Buben sind es derzeit, die jeweils in Dreier- oder Viererteams in den Pausen unterwegs sind. Die Kinder tragen eine grüne Armbinde und melden sich bei der Pausenaufsicht.

Die Pausenengel sind Trostspender und Helfer

„Wir wollten weg davon, Streitereien im Nachhinein zu klären, und stattdessen schon eingreifen, bevor sie entstehen“, sagt Schmid. Deshalb müssen die Pausenengel eine gute Beobachtungsgabe haben: Fallen ihnen Kinder auf, die lautstark diskutieren oder gar schon kurz vor der Rangelei sind, klinken sie sich ein, um die Situation abzufangen. Haben sie keinen Erfolg, schalten sie die Pausenaufsicht ein.

Aber auch, wenn Kinder neu an der Schule sind oder Schwierigkeiten haben, Spielkameraden zu finden, sind die Engel gefragt – sie nehmen denjenigen unter ihre Fittiche oder treten als Trostspender auf. Und sie setzen sich fürs Pausengelände ein, klären auf, wenn jemand Müll auf den Boden wirft oder Äste umknickt.

Kinder sollen stärker in die Eigenverantwortung genommen werden

„Es geht um eine Sensibilisierung der Kinder“, sagt Taubert. Auf Verbote und Strafen wolle man weitestgehend verzichten, doch freilich müsse es Regeln geben. Durch das Projekt sollen die Kinder stärker in die Eigenverantwortung genommen werden. „Trotzdem ist den Engeln klar, dass sie keine Hilfssheriffs, keine zusätzliche Pausenaufsicht sind. Sie treten mehr als Impulsgeber auf. Oberstes Ziel ist es, dass sich alle Schüler in den Pausen wohlfühlen. Die Pausenengel sollen dazu beitragen, eine angenehme Atmosphäre auf dem Hof zu schaffen“, ergänzt Schmid.

„Die Kinder wachsen an dieser Aufgabe“

Das Konzept sei zudem eine ideale Ergänzung zum Umgang, der an der Schule gewollt ist: Die wertschätzende, gewaltfreie Kommunikation ist ein fester Bestandteil im Schulprofil, ihre Bausteine kommen auch bei den Pausenengeln zum Tragen.

Die Akzeptanz seitens der Schüler sei bislang gut. Taubert und Schmid vermuten, dass dies auch daran liegt, dass die Hemmschwelle, mit einem Mitschüler über Probleme zu sprechen, schlicht niedriger sei als sich an einen Lehrer zu wenden. „Die Kinder wachsen auch an dieser Aufgabe“, ist Taubert überzeugt. Und den Pausenengeln selbst macht ihr Einsatz großen Spaß, wie sie beim Fototermin erzählen.

vam

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