Hochwasserschutz in Forstern

Sanfte Methoden statt „brutaler“ Dämme

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Vor allem der Hirschbach steht im Zentrum des Hochwasserschutzes in der Gemeinde Forstern. Aber auch andere Gräben und Bäche können gefährlich werden. Eine Zwischenbilanz der geplanten Schutzmaßnahmen wurde nun im Gemeinderat vorgestellt.

Forstern – In Sachen Hochwasserschutz macht Forstern ernst: Die Feinplanung der Maßnahmen, die Göran Brandhorst vom Ingenieurbüro Sehlhoff erarbeitet hat, ist in den letzten Zügen. Eine Zwischenbilanz zog der Experte in der Gemeinderatssitzung. Dass er noch nicht die endgültige Planung präsentieren könne, erklärte Brandhorst damit, dass man für Hochwasserschutzmaßnahmen Grund brauche. „Wir können nur dort eingreifen, wo die Gemeinde Grund erwirbt oder zumindest eine Nutzungsvereinbarung abschließt. Darum müssen wir jetzt parallel fahren“, erklärte er. Während das Büro also die Planungen vorantreibe, führe Georg Els (AWG) die Grundstücksverhandlungen.

Der Bürgermeister betonte, das Thema sei nach wie vor brisant. Er gab jedoch auch zu bedenken: „Mit den Maßnahmen können wir zwar Risiken minimieren, aber einen hundertprozentigen Schutz wird es nie geben.“

Die wichtigsten Maßnahmen werden laut Brandhorst den Hirschbach betreffen, da er bei den jüngsten Starkregenereignissen für die größten Überschwemmungen gesorgt hatte. Hier habe man es sich leisten können, auf Rückhaltebecken zu verzichten. Stattdessen gebe es eine natürliche Retentionswirkung, sagte Brandhorst und erklärte: „Wenn der Wasserspiegel ansteigt, muss das Gewässer weiträumig ausufern. Das ist die Nutzung des natürlichen Retentionsvolumens.“

Dies sei eine sanfte Methode und habe mehrere Vorteile: „Es wartet sich selbst, ist preisgünstiger und funktioniert auch bei Überlastung noch“, zählte der Experte auf, denn: „Irgendwo muss das Gewässer ausufern können, sonst funktioniert es nicht. Und das machen wir dort, wo wir es uns erlauben können.“

So ist es vorgesehen, die Felder östlich des Hirschbachs, am südlichen Ortseingang von Forstern, als Retentionsflächen zu nutzen. So will man dem Bach schon frühzeitig erlauben, ausufern zu können. Daneben soll beim Hirschbachwirt eine Art Bypass geschaffen werden, um die Leistung des Gewässers zu verbessern.

Den Wettinger Bach will der Experte naturnah gestalten – hier ebenfalls unter dem Motto „sanfter Hochwasserschutz“. Von einem Damm bei Wetting riet Brandhorst hingegen ab. Der Kosten-Nutzen-Effekt einer solchen Vorrichtung sei nicht günstig.

Auf den Einwand von Sebastian Hohentanner (SPD/Die Grünen), dass man schon bei der Nutzung der Felder ansetzen müsse, erläuterte Brandhorst: „Natürlich wären Wiesen statt Maisfeldern besser, oder am besten ein Wald, denn der wirkt wie ein Schwamm.“ Zudem sei es sinnvoll, bei jedem Maisacker einen Wiesenstreifen und einen kleinen Graben zu lassen, um Schlammlawinen zu verhindern. Doch das sei Sache der Landwirte und nicht Teil der Planungen.

Beim Gewerbegebiet wären kleine Wälle denkbar, um das Wasser wieder ins Bachbett zu lenken. Gräben, Dämme und Retentionsflächen sind auch bei Tading und Preisendorf geplant. Für Karlsdorf kann sich Brandhorst ebenfalls einen leichten Damm vorstellen – jedoch „nichts Brutales“. Die jüngsten Probleme mit dem Oberflächenwasser bei Regen will man noch genauer untersuchen.

„Es wird so sein, wie oft im Leben: Wir werden auch hier Abstriche machen müssen“, sagte Els voraus. Bei allen Diskussionen um den Schutz vor Hochwasser aus Gewässern gab er auch zu bedenken: „In den vergangenen zwei, drei Jahren hat sich gezeigt, dass das Oberflächenwasser bei Starkregen immer mehr zum Problem wird.“

Als nächsten Schritt muss die Gemeinde die entsprechenden Grundstücke erwerben beziehungsweise deren Nutzung privatrechtlich klären. „Dann können wir die Maßnahmen step by step realisieren“, sagte Els.

Rubriklistenbild: © Vroni Macht

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