KATWARN ausgelöst! Schwere Unwetter in Bayern

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Alle sechs bis acht Wochen ist Hufschmied Hannes Heuschneider (oberes Bild, l.) auf dem Hof von Kurt Brenninger (r.). Dabei beschlägt er die Pferde und pflegt die Hufe. Paint-Horse-Stute Lissy wartet geduldig, bis ihre Pediküre abgeschlossen ist.

Porträt Hannes Heuschneider

Hufschmied: „Eine Mischung aus altem Handwerk und moderner Medizin“

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Das Bayerische Handwerk begeht heute den Tag des Handwerks – der Münchner Merkur und seine Heimatzeitungen feiern mit. In diesem Artikel stellen wir Hannes Heuschneider vor, der als Hufschmied einem sehr alten Beruf nachgeht.

ForsternMit einer langen Zange zieht Hannes Heuschneider aus dem lodernden Schmiedefeuer ein glühendes Hufeisen. Immer wieder prüft er dessen Form, während er es mit dem Hammer klirrend auf dem Amboss bearbeitet. Dann presst der 50-Jährige das Eisen kurz an den Huf von Lissy, einer braun-weißen Paint-Horse-Stute. Es qualmt und riecht nach verbranntem Horn. Schließlich kühlt das Metall zischend in einem Eimer mit kaltem Wasser ab. Die Hufeisen bekommen nun noch Stahlstifte für besseren Grip im Gelände verpasst und werden dann angenagelt – fertig sind Lissys schicke neue Schuhe.

Röntgenbilder auf dem Handy

„Es ist eine Mischung aus altem Handwerk und moderner Medizin“, erzählt der staatlich geprüfte Hufschmied und Metallbaumeister aus Forstern. Er muss sich in Anatomie auskennen und in der Orthopädie Bescheid wissen. Und er muss beurteilen können, wie ein Pferd geritten wird, ob es ein Freizeit-, Renn- oder Dressurpferd ist.

Zudem ist jeder Huf individuell, das muss bei Form und Materialien berücksichtigt werden – Aluminium, Kunststoff oder Silikon. Manchmal kann es sein, erzählt Heuschneider, dass er von Kunden Röntgenbilder aufs Handy geschickt bekommt und dann entscheiden muss, was der beste Beschlag ist. Um sich weiterzubilden, besucht er Kongresse und Fortbildungen. Auch mit Tierkliniken und Tierärzten arbeitet Heuschneider zusammen.

Die Liebe zu seinem Beruf spürte der gebürtige Rosenheimer schon früh. „Wir hatten Pferde zu Hause, und da kam immer der Hufschmied zu uns“, erinnert sich der 50-jährige. Das hat ihn bewogen, nach der Mittleren Reife das Gymnasium zu verlassen, um Kunst- und Bauschlosser zu lernen. Das Fachabi holte er später nach. Es folgten eine Ausbildung auf den Rennbahnen Riem und Daglfing und eine Prüfung zum staatlich geprüften Hufschmied im Staatsbetrieb Schwaig.

Seinen Firmensitz hat Heuschneider in Forstern, doch er ist viel unterwegs. Früher ging es oft weit weg, auch ins europäische Ausland und die USA. Heute bemüht sich der Familienvater, seinen Aktionsradius auf Bayern und Österreich zu begrenzen. Auf Achse ist er dann meist mit einem Gespann aus Land Rover und Anhänger, der als mobile Werkstatt dient und alles Wichtige an Bord hat: Hufeisen-Rohlinge, Bohrmaschinen, Zangen, Amboss. Und natürlich einen gasbefeuerten Schmiedeofen, der etwa 1500 Grad Hitze erzeugt und Metall zum Rotglühen bringt. „Für Pizza eignet der sich also nicht.“

Blaue Flecken gehören dazu

Der 50-Jährige kann mit Pferden einfühlsam umgehen. Das stellt er regelmäßig auch auf dem Hof von Kurt Brenninger in der Nähe von Erding unter Beweis. Dessen Tiere werden alle sechs bis acht Wochen beschlagen. Sie kennen ihren Schmied und halten ruhig. Ob die Pferde auch mal zutreten? „Wenn man Ruhe bewahrt, ist die Gefahr gering“, sagt der Experte. Die Situation eskaliere eigentlich nur, wenn der Mensch Fehler macht. „Die meisten Pferde sind kooperativ“, sagt Heuschneider, „man muss aber schon mal blaue Flecken wegstecken können“.

Um Nachwuchs müsse man sich derzeit bei Hufschmieden keine Sorgen machen. Allerdings sei der Berufsweg aufwändig. Nach abgeschlossener Lehre – egal in welchem Beruf – muss man unter anderem zwei Jahre Praktikum machen.

Henry Dinger

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