+
Pralinen und eine Tafel Schokolade wollten die Kinder mit Ursula Fischer (r.) tauschen. D ie wiederum schenkte den Mädchen und Buben um Hortleiterin Cornelia Lott (l.) das eben ergatterte Naschwerk gleich wieder zurück. 

Integrationshort Villa Kunterbunt Forstern 

Kinder im Tausch-Rausch

  • schließen

Ein Tausch-Spiel veranstaltete der Kinderhort Villa Kunterbunt in Forstern. 

Forstern– Ein bisschen verdutzt schaut die Frau schon, als plötzlich eine Schar Kinder vor ihrer Haustür steht. Doch die neunjährige Winona weiß genau, was zu tun ist. Forsch ergreift sie das Wort und erklärt, warum sie und ihre Freunde mitten am Tag einfach so an Haustüren klingeln: „Wir sind vom Hort Villa Kunterbunt und machen ein Tausch-Spiel.“

Im Rahmen des Ferienprogramms waren die Kinder eine Stunde lang im Tausch-Rausch. Die Regeln dieses Spiels sind einfach: In zwei Gruppen à acht Kinder machen sich die Mädchen und Buben mit ihren Erzieherinnen auf den Weg von Haus zu Haus. Mit dabei haben sie einen Gegenstand, der im Idealfall gegen etwas Höherwertiges getauscht wird – und so weiter.

„Vielleicht bekommen wir eine Villa für unseren Hort“, meint ein Bub hoffnungsvoll, bevor es losgeht. Vielleicht hat ihn Erzieherin Sara Denke auf diese Idee gebracht. Sie berichtete vorab, dass ein Tauschwütiger einmal eine Büroklammer so lange getauscht habe, bis er ein echtes Haus bekam. Tatsächlich ist einem Kanadier das vor einigen Jahren gelungen.

Der Wert der Gegenstände, die sie sich ertauschen, spielt für die Hort-Kinder freilich keine Rolle. Um den Spaß soll’s gehen, erzählt Hortleiterin Cornelia Lott. Sie hatte die Idee, das Spiel im Ferienprogramm anzubieten. „Wir haben das früher bei den Geburtstagen meiner Kinder gespielt“, erzählt sie. „Einmal hat mein Sohn mit einer Packung Taschentücher sogar einen Eastpak-Rucksack bekommen.“ Der Nachwuchs ist inzwischen Ende 20, das Spiel aber nach wie vor ein Renner.

Bevor es losgeht, suchen sich die Kinder Gruppennamen aus. „Die Tauscher“ drehen mit den Erzieherinnen Patricia Grain und Sara Denke in Forstern ihre Runden, „Die Tauschfreunde“ machen mit Lott und der angehenden Erzieherin Christine Reiser Tading unsicher. Die Ausgangssituation ist die gleiche: Beide Gruppen versuchen, eine Zitrone zu tauschen. Die neunjährige Winona kennt das Spiel von ihren Pfadfinder-Kollegen in Altenerding und traut sich als erste, an einer fremden Haustür zu läuten. Sie kann die Zitrusfrucht gegen eine Tafel Schokolade und eine Schachtel Pralinen tauschen.

Beim zweiten Haus auf dem Weg nach Tading scheint zunächst niemand daheim zu sein. Doch Christine Reiser weiß es besser. Immerhin wohnt ihre Oma dort. Schließlich entdecken die Kinder sie im Garten, und schon hat Ursula Fischer ebenfalls Pralinen hervorgezaubert. Tauschen will sie nicht, dafür dürfen die Grundschüler sämtliche Süßigkeiten behalten.

Mit dieser Ausbeute ziehen sie weiter. Jedes Kind darf einmal klingeln. Die achtjährige Nicole, ebenfalls eine Pfadfinderin, ergreift schnell die Initiative und spricht eine Frau im Garten an. Für die Tafel Schokolade bekommt sie ein Netz, in dem man Bälle, Stofftiere & Co. aufbewahren kann. Ein Buch gibt’s obendrauf geschenkt, und das Netz wird für den Hort behalten. Lieber wollen sie mit den Pralinen weiterspielen, sind sich die Kinder einig.

Und so wird munter getauscht – selbst gemachtes Apfelmus, Marmelade, Kekse, Kaubonbons, Kartenspiel, Bibi Blocksberg-CD und Gebäck wechseln die Besitzer. Letztere tauscht ein Mann gegen einen 20-Euro-Schein, der in die Hortkasse fließen wird. „Vielleicht kaufen wir davon ein Spiel“, schlägt Lott vor. Und dann lässt ein Ehepaar gleich sieben Teddys springen.

Nach einer Stunde ziehen beide Gruppen am Hirschbachspielplatz Bilanz. Die meisten Bürger seien überrascht vom Besuch der Kinder gewesen, teilen beide Gruppen ihre Erfahrungen. „Dann müssen wir das jetzt jedes Jahr machen, damit das bekannter wird“, sagt Lott lachend. Dennoch kann sich die Liste der Gegenstände sehen lassen – auch bei den „Tauschern“. Auf deren Klemmbrett stehen Honig, Marmelade, Bio-Bananen, Gummibärchen, eine Schere und Eier, frisch aus dem Hühnerstall. Einiges davon haben die Gruppen behalten – Süßigkeiten, Spielkarten, CD und Bälle-Netz zum Beispiel.

Gemeinsam wird überlegt, was mit den Teddys passiert. Immerhin besuchen den Hort weit mehr als sieben Kinder, sodass nicht jedes einen bekommen könnte. Sollen also alle Stofftiere im Hort bleiben? Lott schlägt vor, die Bären zu spenden, und Reiser hat dazu gleich eine Idee: die Geschenkaktion Weihnachten im Schuhkarton. „Was glaubt ihr, wie diese Kinder sich darüber freuen werden“, sagt Lott. Darauf können sich alle einigen. Ganz verschwinden sollen die Bärchen aber nicht. Eventuell will der Hort einen Teddy fürs Entspannungszimmer behalten – als Erinnerung an das Tausch-Spiel im Sommer 2017.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

40-Jähriger ist Führerschein los
Die Dorfener Polizei hat am Samstag einen 40-jährigen Dorfener erwischt, der stark alkoholisiert mit dem Auto gefahren ist.
40-Jähriger ist Führerschein los
Illegales Straßenrennen auf der B15
Ein verbotenes Straßenrennen geliefert haben sich zwei junge Burschen am Freitagabend auf der B 15 zwischen St. Wolfgang und Armstorf.
Illegales Straßenrennen auf der B15
Heimspiel für Flötist Manfred Ludwig
Der Erdinger Flötist Manfred Ludwig kommt für ein Gastspiel in seine Heimat. Wir sprachen mit dem 33-Jährigen über seinen Werdegang, die Musik des Querflötenensembles …
Heimspiel für Flötist Manfred Ludwig
Eifersüchteleien bei Disco-Besuch enden mit Schlägerei und Alkoholvergiftung
Völlig betrunken waren drei Besucher einer Erdinger Disco. Der Abend sollte für sie nicht gut ausgehen.
Eifersüchteleien bei Disco-Besuch enden mit Schlägerei und Alkoholvergiftung

Kommentare