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Jeder darf mal in die Tüte mit Magenbrot fassen, die Günter Helfenbein (r.) vom Forsterner Hirschbachwirt beim Besuch der Klopf-o-Kinder hervorzaubert. Hinten im Bild: die Erzieher Christian Schraufstetter und Cornelia Lott. 

Integrationshort Villa Kunterbunt in Forstern

Klopf-o-gehen im Advent: Ein alter Brauch lebt weiter

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Kinder ziehen von Haus zu Haus, singen und bekommen Süßigkeiten dafür: Was in den vergangenen Jahren durch Halloween populär geworden ist, ist eigentlich ein uralter süddeutscher Brauch. Doch beim Klopf o geht’s um viel mehr als nur Schokolade & Co.

Forstern – In dunkle Umhänge gekleidet und mit schwarzer Farbe im Gesicht streifen die Kinder durch die Straßen. Sie klingeln an den Türen und singen ein Lied. Zur Belohnung gibt’s Süßkram, Obst oder auch Geld. Ja, ist denn schon wieder Halloween? Nein, was die Mädchen und Buben des Integrationshorts Villa Kunterbunt in Forstern am Donnerstag gemacht haben, mag ein bisschen wie die Gruselgaudi am 31. Oktober klingen. Doch das Klopf o ist ein uralter Brauch, der vielerorts in Vergessenheit geraten ist.

Doch immer mehr Ministrantengruppen, Schulen oder Kindergärten lassen ihn seit einiger Zeit wieder aufleben. „Unser Hort macht das seit drei Jahren“, erklärt Erzieher Christian Schraufstetter. Der 29-Jährige hat selbst jede Menge Erfahrung im Klopf-o-Gehen. Zwölf Jahre lang ist der Pemmeringer als Ministrant im Pfarrverband Isen „klopfern“ gegangen. Seine Erfahrung: „Klopf o kommt bei den meisten Leuten positiver an als Halloween. Außerdem sind wir ja in Bayern, und da sollte man die alten Bräuche schon beibehalten“, findet Schraufstetter.

Klopf o, auch Klopferstag genannt, findet traditionell an den drei Donnerstagen im Advent statt. Dabei gehen Kinder von Haus zu Haus, sagen je nach Region einen Spruch auf oder singen ein Lied und bekommen dafür Süßigkeiten. Aber auch Obst und sogar ein Teddybär landete schon in der Tüte. Anders als bei Halloween bitten die Kinder auch um Geld – nicht für sich selbst, sondern für einen guten Zweck.

Zur Vorbereitung hat das Hortteam mit den Kindern nicht nur über Klopf o gesprochen. Auch andere Bräuche im Advent waren Thema, der Besuch des Heiligen Nikolaus zum Beispiel. Außerdem wurde eineinhalb Wochen lang ein Klopfer-Lied geübt, damit an den Haustüren jedes Wort sitzt. „Wir haben bewusst ein bairisches Lied gewählt, auch wenn nicht jedes Kind diesen Dialekt spricht“, erklärt Schraufstetter. „Das fördert auch die Sprache.“

Und so ziehen die Betreuer am späten Nachmittag mit 23 Kindern los. Erste Station ist das Rathaus. „Mia ziehn daher, so spät in der Nacht, denn heut is die heilige klopferte Nacht. Mia wünschen de Hausleit a recht frohs neues Jahr und a Christkindl, a Christkindl mit golderne Haar“, singen die Kinder und bekommen von Bürgermeister Georg Els einen 20-Euro-Schein und von Rathausmitarbeiterin Gerlinde Wimmer Süßes zugesteckt. „Mia kennan ned dobleim, mir mias ma wieder geh. Für des wos ma griagt hom, bedank ma uns schee“, trällern sie zum Abschied.

Eineinhalb Stunden lang marschieren die Kinder durch Tading, klingeln hier, klingeln da. Einige Anwohner kennen den Klopf-o-Brauch, andere lassen sich gerne über seine Bedeutung aufklären. Darüber freut sich Schraufstetter jedes Mal tierisch: „Es ist einfach schön, den Leuten diese alte Tradition näherzubringen. Und die Kinder haben ihren Spaß dabei.“

Gefreut über die kleinen Sänger haben sich am Ende alle, die ihre Tür aufgemacht haben. Und sie haben die Kinder für ihren Einsatz belohnt – mit vielen Süßigkeiten und Geld. 200 Euro landen am Ende in der Sammeltasche, die je zur Hälfte ans Tierheim und an eine Weihnachtsaktion für bedürftige Familien in Bayern gehen. Über diesen Verwendungszweck hatten die Mädchen und Buben in der Kinderkonferenz abgestimmt.

Der Klopferstag hat seinen Ursprung dem Vernehmen nach in den sogenannten Rorate-Messen, die früher in der Adventszeit meist um 6 Uhr morgens stattfanden. Zur Erinnerung daran wurden die Menschen meist von Nachbarn durch Klopfen an Fensterläden oder Haustür geweckt – daher der Name. Die Klopfersänger sollten nach altem Volksglauben Geister und Dämonen vertreiben und eine gute Ernte bringen

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