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Der neue Messestand der Tourismusregion wurde in der Jahreshauptversammlung präsentiert. 2. Vorsitzender Christian Wolf (r.) führte durch den Abend.

Jahreshauptversammlung Tourismusregion Erding 

Die Schattenseiten der neuen Hotels

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Der Tourismus im Landkreis boomt. Die Gäste werden mehr, die Übernachtungszahlen steigen. Bei der Tourismusregion Erding ist man zufrieden mit dieser Entwicklung, sieht jedoch auch die Schattenseiten.

Forstern– Das Erdinger Land ist beliebt bei Touristen. „Die Übernachtungszahlen sind wieder sensationell“, sagte Christian Wolf, 2. Vorsitzender der Tourismusregion Erding, in der Jahreshauptversammlung im Forsterner Schmankerlwerk. Landkreisweit sei die Zahl der Übernachtungen in 2017 im Vergleich zum Vorjahr um fast 80 000 auf über 1,2 Millionen gestiegen.

„Wir sind sehr zufrieden. Aber wir stehen diesen Zahlen auch kritisch gegenüber“, merkte der Direktor des Best Western Airport Hotels in Erding an. „Es ist ein Gefühl, das wir aus Gesprächen mit den Beherbergungsbetrieben mitnehmen.“ In jüngster Zeit hätten sich viele neue Betriebe angesiedelt – etwa ein 250-Zimmer-Haus in Schwaig. Das Angebot wird also größer, „und wir sehen die zunehmenden Sorgen in Bestandsbetrieben, dass die Auslastung nicht mehr so gut ist wie früher“, erklärte Wolf. Er appellierte an die Politik, erst notwendige Infrastrukturen auszubauen, bevor man noch mehr Hotels aus dem Boden sprießen lässt.

Besonders hohe Steigerungsraten bei den Übernachtungen gab es seit 2015 Wolf zufolge in St. Wolfgang und Dorfen – in der Isenstadt etwa von 13 996 (2015) auf 18 599 (2017). Das liege auch am Bau der A 94. „Aber irgendwann ist die fertig, und was machen wir dann? Umso mehr sind wir gefragt, das touristische Angebot weiter auszubauen“, sagte Wolf.

Dazu gehört freilich Werbung. An mehr als 80 Tagen ist Erding pro Jahr auf Messen vertreten, berichtete 3. Vorsitzende Ingrid Renner vom Gästehaus Zehmerhof in Walpertskirchen. Von der Grünen Woche in Berlin bis zur Free in München, sogar in Island wurde ein Workshop besucht. In der Regel schließt sich der Verein dabei zum Beispiel mit Stadt und Landkreis Erding zusammen. Einige Messen stemmen die Mitglieder aber auch alleine.

Dafür hat die Tourismusregion einen eigenen Messestand angeschafft. „Wir wollten etwas, das auf den ersten Blick den Bauch anspricht“, erklärte Renner. Das Riesenbanner zeigt die Gästemagneten Therme und Weißbier, aber auch die Erdinger Altstadt als Flaniermeile und den Landkreis als Radlregion. Dazu gibt es eine professionelle Ausstattung mit Gewinnspielkarten, Wander- und Freizeitführern sowie bedruckten Tüten für die Flyer. Der Counter zeigt Erding als roten Punkt und die unmittelbare Nähe zu Flughafen und Landeshauptstadt. „Ganz nah dran“, steht daneben. „Fünf Jahre hat der Vorstand daran gearbeitet“, erklärte Renner.

Etwas über 10 000 Euro hat der Messestand gekostet, berichtete Kassier Manfred Kroha. Dennoch steht der Verein mit einem Kassenstand von gut 29 000 Euro finanziell auf gesunden Beinen.

Ein weiterer Meilenstein für die Tourismusregion ist der Gäste-Newsletter, der jedes Quartal je nach Jahreszeit erscheint – der nächste befasst sich im Herbst unter anderem mit Volksfesten. Ebenfalls neu ist die Vereinshomepage komplett auf Englisch, Kurzversionen gibt es zudem auf Französisch, Russisch und Italienisch.

„Die Digitalisierung ist ein großes Thema“, erklärte Daniela Widl vom Fachbereich Tourismus am Landratsamt. Sie verwies auf die Initiative Tourismus Oberbayern München (TOM), bei der Stadt und Landkreis Erding Mitglied seien. Hier könne man Workshops zu Themen wie Online Marketing und Social Media besuchen. „Die Digitalisierung wird immer mehr“, meinte auch MdL Ulrike Scharf, die dem damaligen Fremdenverkehrsverein von 1998 bis 2001 vorstand. Sie verwies auf den Digitalbonus, mit dem der Freistaat kleine und mittlere Unternehmen dabei unterstütze, sich für die Herausforderungen der digitalen Welt zu rüsten.

Die Tourismusregion zählt aktuell 164 Mitglieder – darunter 104 Übernachtungsbetriebe und 24 Gemeinden. Voriges Jahr schloss sich Neuching an. Jetzt sind nur noch zwei Kommunen nicht dabei – darunter Forstern, das als Versammlungsort nicht ohne Hintergedanken gewählt war. Bürgermeister Georg Els hatte diesen Wink verstanden. „Ich gebe zu, wir haben bisher nicht ganz die Notwendigkeit gesehen. Aber ich denke, ein Beitritt ist sinnvoll. Unsere Region hat das Potenzial für Übernachtungsgäste“, meinte Els und berichtete, dass der Bauausschuss erst am Montag Grünes Licht für den Neubau einer Pension mit 20 Betten erteilt habe.

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