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Kinderbetreuung in Forstern: Gebühren werden steigen

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Von: Veronika Macht

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Spielende  Kinder in einer  Kindertagesstätte
Die Gebühren für die Kinderbetreuung in Forstern werden wieder steigen. Um wie viel, das entscheidet nächste Woche der Gemeinderat. Vorberaten hat jetzt schon mal der Kindertageseinrichtungenausschuss (Symbolbild). © dpa

Die Gebühren für die Kinderbetreuung in Forstern werden wieder steigen. Um wie viel, das entscheidet nächste Woche der Gemeinderat. Vorberaten hat jetzt schon mal der Kindertageseinrichtungenausschuss. Er empfiehlt eine Anhebung um sechs bis acht Prozent.

Forstern – Wenn es um die Kinderbetreuungsgebühren geht, ist es „immer eine der emotionalsten Sitzungen im Jahresverlauf“, meinte Rainer Streu (AWG) im Ausschuss. „Aber ich hoffe, wir sind uns einig, dass über allem steht, dass unsere Kinder bestmöglich versorgt sind“, sagte der Bürgermeister in die Runde, zu der auch Vertreter der Einrichtungen und der Elternschaft geladen waren.

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Streu erklärte, dass 2021 die laufenden Ausgaben für die Kitas inklusive Sachkosten bei 2,25 Millionen Euro lagen, davon 1,5 Millionen Euro fürs Personal. Die Einnahmen betrugen 1,29 Millionen Euro, wovon die Elternbeiträge rund 250 000 Euro ausmachen, den Rest vor allem Förderungen. Das Defizit lag somit bei 953 000 Euro, 2020 hatte es gut eine Million Euro betragen.

Kitas in Forstern: 2021 ein Defizit von mehr als 632 000 Euro

„Die Kosten für außerschulische Mittagsbetreuung, Offene Ganztagsschule, offene Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit der Grundschule und Familienstützpunkt sind in diesem Defizit nicht enthalten“, betonte Streu und reagierte damit auf Kritik von Eltern und entsprechende Gerüchte. Auch stellte er klar, dass in der Kalkulation der Gebühren die im Schnitt 450 000 Euro, die Forstern seit 2008 jährlich in die Kitas investiert habe, nicht auftauchen - auch nicht die mehr als vier Millionen Euro fürs neue Kinderhaus in Karlsdorf.

Streu nannte zudem weitere Zahlen aus den Einrichtungen, unter anderem Belegung, Personalstand, Anstellungsschlüssel, Defizit und Kostendeckung. Insgesamt wiesen demnach im vorigen Jahr die Kinderhäuser Villa Wirbelwind und Villa Löwenzahn sowie der Hort ein Defizit von mehr als 632 000 Euro auf. Die Kostendeckung – sie müsse laut Kommunalaufsicht mindestens 70 Prozent betragen – lag zwischen 54,4 und 71,6 Prozent.

Aktuell seien in den Einrichtungen noch wenige Plätze frei. „Das schaut ab Herbst anders aus, da werden wir keinen einzigen freien Platz mehr haben“, sagte Streu.

Gebühren müssten eigentlich deutlich steigen

Der Anstellungsschlüssel beim Personal darf höchstens 11 betragen, um nicht förderschädlich zu sein. Er liegt im Hort aktuell bei 6,6, im Wirbelwind bei 7,8 und im Löwenzahn bei 10,1. Dieser hohe Wert rührt laut Streu daher, dass innerhalb eines Monats drei Erzieherinnen ein sofortiges Beschäftigungsverbot bekommen hätten. „Trotzdem wurde der Betrieb aufrecht erhalten, es musste keine Gruppe geschlossen werden“, lobte er.

Die Gebühren sind zuletzt kontinuierlich gestiegen. Lagen sie 2013/14 noch bei 1,60 Euro (Krippe), 1,20 Euro ( Kindergarten) und 1,40 Euro (Hort), mussten Eltern 2020/21 schon 2,50 Euro, 1,65 Euro und 1,90 Euro bezahlen. Voriges Jahr wurde die Buchung auf feste Kategorien umgestellt, wodurch die Preise um rund drei Prozent gestiegen sind. Wegen der Corona-Krise hatte man auf weitere Erhöhungen verzichtet.

Dabei müssten die Beiträge deutlich steigen – das steht auch im Konsolidierungskonzept der Gemeinde. Wie schon 2021 schlug Kämmerer Jochen Goldammer deshalb erneut vor, die Gebühren um 20 Prozent anzuheben. Das war den Räten im Ausschuss nach wie vor zu hoch. Sie einigten sich darauf, eine Erhöhung um sechs bis acht Prozent zu empfehlen. Für beide Werte soll die Verwaltung bis zur nächsten Sitzung (10. Mai, 19.30 Uhr) erarbeiten, wie sie sich auf die Gebühren für Kindergarten, Krippe und Hort auswirken würden.

„An den Mitarbeitern zu sparen, geht in die falsche Richtung“

„Ich kann verstehen, dass jede Erhöhung für die Eltern hart ist. Aber wir müssen uns überlegen, was es uns wert ist“, sagte Streu. „Wir wollten immer eine hohe Qualität haben“, meinte Peter Feckl (AWG). „Das ist für viele ein Haufen Geld, aber wir werden um eine Anhebung nicht herum kommen.“ Zumal Goldammer für heuer mit „relativ kräftigen Lohnerhöhungen“ und steigenden Energiekosten rechnet.

Aus der Elternschaft kam der Hinweis, dass man am bestehenden Personal zwar nicht sparen solle, man jedoch mehr Kinderpfleger als Erzieher einstellen könne. Die suche man durchaus, so Streu, „nur haben wir keine einzige Bewerbung bekommen“. Der weiteren Idee, zusätzlich auf Aushilfskräfte zu setzen, konnte der Bürgermeister indes nichts abgewinnen: „Ich bin skeptisch, ob wir so den pädagogischen Auftrag erfüllen können.“

An den Mitarbeitern zu sparen, gehe in die falsche Richtung, warnte Kathrin Fritsch, Verwaltungsleiterin im KiTa-Verbund Maria Tading. Im schlimmsten Fall müssten bei Personalmangel Gruppen geschlossen werden. Das sei gerade im Nachbarort Pastetten passiert, weshalb man in Forstern von dort „mit Anfragen überrollt“ werde, berichtete Streu.

Einig war man sich bei der Mittagsbetreuung mit aktuell rund 50 Anmeldungen. Hier wurden die Gebühren 2021 nicht erhöht. Für heuer wird eine Kostendeckung von 65 Prozent erwartet. Dem Gemeinderat will man vorschlagen, die Preise um je 50 Cent anzuheben – für die Gruppe bis 14 Uhr auf 4,50 Euro und bis 16 Uhr auf 7 Euro am Tag.

vam

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