Stellten sich den Fragen von Moderator Hans Moritz (r.) und Bürgern (v. l.): Sebastian Klinger (CSU), Rainer Streu (AWG) und Maria Feckl (Grüne).
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Stellten sich den Fragen von Moderator Hans Moritz (r.) und Bürgern (v. l.): Sebastian Klinger (CSU), Rainer Streu (AWG) und Maria Feckl (Grüne).
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Rainer Streu (AWG)
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Maria Feckl (Grüne)
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Sebastian Klinger (CSU)
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Hans Moritz im Gespräch mit Bürgermeister Georg Els.
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Volles Haus

Podiumsdiskussion des Erdinger/Dorfener Anzeiger

Forsterns Bürgermeisterkandidaten stehen Rede und Antwort

  • Veronika Macht
    vonVeronika Macht
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Wer wird neuer Bürgermeister von Forstern? Diese Frage lockte zahlreiche Zuhörer zur Podiumsdiskussion des Erdinger/Dorfener Anzeiger in den Hirschbachwirt - und vor den Live-Stream.

Forstern – Nach fast einem Vierteljahrhundert steht in Forstern ein Führungswechsel an. Entsprechend groß ist das Interesse der Bürger an den Bürgermeisterkandidaten. Mit 140 Besuchern war der Hirschbachwirt bei der Podiumsdiskussion des Erdinger/Dorfener Anzeiger am Dienstagabend brechend voll. Dank Donald Polzin vom Seniorenbeirat wurde die Diskussion live ins Netz übertragen – dieses Angebot nutzten 135 User, mehr als 1200 Mal wurde das Video bis gestern Abend aufgerufen.

Drei Kandidaten bewerben sich nach 24-jähriger Amtszeit um die Nachfolge von Georg Els: die amtierenden Räte Rainer Streu (39, AWG) und Sebastian Klinger (61, CSU) sowie Polit-NeulingMaria Feckl(55, Grüne). Moderator Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger, versuchte mehrfach, sie aus der Reserve zu locken.

Bürgermeisteramt: „Da muss man tagsüber schon im Rathaus sein“

Seine erste Frage galt aber nicht etwa ihnen, sondern Els: Hätte er weitergemacht, wenn das Amt nebenamtlich geblieben wäre? „Ob ich weitergemacht hätte, weiß ich nicht. Aber kandidiert hätte ich“, meinte Els.

Inwieweit das der Plan der CSU gewesen sei, die damals die Hauptamtlichkeit beantragt hatte, wollte Moritz von Klinger wissen. Der wiederholte, dass große Projekte anstünden, die begleitet werden müssten. „Da muss man tagsüber schon im Rathaus sein“ – einer von mehreren Seitenhieben gegen Els, ebenso Klingers Aussage: „Ich glaube, es ist Zeit geworden, dass eine andere Führung ins Rathaus kommt.“

Eine andere Führung braucht vielleicht auch die Feuerwehr. Wie es mit dem Amt des Kommandanten weitergehe, sollte er Bürgermeister werden, wollte Moritz von Streu wissen. „Dazu wurden schon früh Gespräche geführt. Ich habe eine sehr gute Mannschaft hinter mir und einen sehr guten 2. Kommandanten, der Nachfolger würde“, erklärte Streu.

Pflegezentrum

Ein großes Thema war das Pflegezentrum für Senioren. Feckl wiederholte ihre Idee, dass die Gemeinde das fertige Gebäude schlüsselfertig kaufen sollte, um Einfluss zu behalten. Dann könnte man auch Teile aus dem Rathaus dorthin auslagern – etwa den Familienstützpunkt. Zwar bedeute das eine „riesen Investition“, aber es gebe monatlich einen festen Pachtzins. „Selbst kaufen – nein“, meinte hingegen Klinger und verwies auf die angespannte Haushaltslage, die von allen Kandidaten mehrmach thematisiert wurde. Auch Streu sprach von einer richtigen Entscheidung, mit einem Investor zusammenzuarbeiten.

Staatsstraße

Zur Neugestaltung der Staatsstraße ist von den Grünen ein besonders weitreichender Vorschlag gekommen – die Herabstufung zur Gemeindestraße. Jetzt sagte Feckl, dies sei Plan B. Wunschlösung, weil sehr viel günstiger, sei Tempo 30 im Zentrum. Streu und Klinger erteilten einer Abstufung klar eine Abfuhr – vor allem aus Kostengründen. Klinger hielt auch 30 km/h für „sehr herausfordernd“, er befürchtet viel Stau. Tempo 30 sei schön und gut, meinte Zuhörer Arthur Herrforth. Doch wenn das in den Seitenstraßen wie dem Karlsdorfer Weg schon nicht eingehalten werde, wie solle das das dann auf der Hauptstraße klappen?, warf er ein.

Ortsmitte

Für die Eltern der Kindergarten- und Schulkinder ist die Kiesfläche in der Ortsmitte praktisch. Schön sei das allerdings nicht, meinte Moritz. Bis das neue Dorfzentrum steht, könnten sich alle drei Kandidaten Bepflanzungen vorstellen, Feckl gar eine Boccia-Bahn. Ein „kleiner Gemeindepark“ kommt für Streu und Klinger aber nicht in Frage. „Solange die Lkw da durchrauschen, will ich mich da gar nicht hinsetzen“, sagte Streu.

Edeka/Tiefgarage

Beim neuen Edeka wunderte sich Feckl, dass keine Tiefgarage geplant sei. „Das war ein ganz klarer Auftrag an die Planer, dass wir das geprüft haben wollen“, erklärte Streu dazu. Noch sei nichts entschieden. Auch sehe er keinen Sinn darin, dass der Markt acht Meter Raumhöhe brauche. Viel besser wäre es doch, im Obergeschoss zum Beispiel eine Kinderarztpraxis zu integrieren.

Bezahlbarer Wohnraum

Wie die Gemeinde bezahlbaren Wohnraum schaffen könnte, hatte unter anderem Gemeinderat Gerhard Eicher (CSU) gefragt. Das sei zum Beispiel auf dem ehemaligen Feuerwehr-Areal denkbar, meinte Streu. Die Gemeinde habe sich bereits für Förderprogramme beworben. Günstige Wohnungen etwa fürs Personal hätte man auch im Obergeschoss des neuen Kindergartens schaffen können, kritisierte Feckl den Neubau.

Kiesabbau

Den Kiesabbau haben mehrere Bürger zur Sprache gebracht. Klinger wiederholte seinen Standpunkt: „Der Kiesabbau wurde zu intensiv betrieben“ – wenngleich man freilich die Ausbeute nicht aufhalten könne. Eine Grube Am Alten Brunnen hätte längst renaturiert werden müssen. „Hier sind Fehler passiert“, gab er zu. Auch Streu meinte: „Vielleicht waren wir zu nachlässig oder haben die Verträge nicht richtig gelesen.“ Viele würden sich wünschen, in einer der Kiesgruben wieder einen Badesee zu schaffen – auch Feckl. Sie und Streu plädierten dafür, sich dem Erholungsflächenverein anzuschließen. „Ich bin nicht dagegen, aber aus rechtlichen Gründen ist ein Badesee derzeit nicht möglich“, winkte Klinger ab.

Sportanlage/-halle

Mit Blick auf den Haushalt schlug Feckl vor, der neue Gemeinderat solle in Klausur gehen, um alle Projekte für die nächsten fünf bis zehn Jahre zu priorisieren. Auf dieser Liste würde für sie auch eine neue Sporthalle stehen. „Sporthalle höre ich jetzt das erste Mal“, meinte Streu. Das Sportgelände hingegen sei in die Jahre gekommen. Handlungsbedarf sieht auch Klinger. Der Haushalt gebe derzeit jedoch nicht viel her. „Das geht nur mit Investor“, meinte er. Max Reiser, AWG-Rat und im FCF-Vorstand, formulierte die Bitte an alle Kandidaten, „den Sportverein nicht alleine zu lassen“.

Brennpunkt Schulgelände

Kerstin Gallenberger wollte via Live-Stream wissen, was an der Situation „Brennpunkt Schulgelände“ unternommen werde. Ein Thema, das seit Jahren immer wieder auftaucht. Feckl schlug vor, dass sich der für die Offene Jugendarbeit zuständige Mitarbeiter in Forstern auch der Jugendlichen am Hartplatz annehmen könnte. Bisher habe es für die jungen Leute auch nicht wirklich Angebote gegeben. Dies sah Streu als Kritik an den Jugendreferenten – einer davon ist er. „Wir haben Offene Jugendarbeit gemacht, aber das ist ein hartes Thema“, wehrte er sich. Klinger sprang ihm bei und meinte, die Problematik liege vor allem bei den Eltern.

PV-Anlage auf dem Feuerwehrhaus

Warum keine PV-Anlage aufs Feuerwehrhaus gebaut wurde, wollte Mirko Doerk, der auf der AWG-Liste kandidiert, von Streu wissen. Der erklärte, eine Wirtschaftlichkeitsberechnung habe ergeben, dass es sinnvoller sei, den Bauhof, der daneben entstehen soll, mit einer Anlage zu versehen, von der auch das Feuerwehrhaus profitiert. Dafür habe der ganze Gemeinderat gestimmt.

Übervolle Schulbusse

Schülerin Hannah Huber (15) schilderte Probleme mit den Larcher-Schulbussen, die komplett überfüllt seien. Füße würden eingequetscht, Schulranzen gingen kaputt. Zudem seien die Fahrkarten sehr teuer, und der MVV könne damit nicht genutzt werden. Streu meinte, dass es gesetzlich zwar in Ordnung sei, dass Kinder stehen müssen. Doch die Gemeinde werde dranbleiben, „weil das so nicht gehen kann“. Klinger erklärte, die Buslinie befinde sich in der Neuausschreibung. „Diese Probleme haben wir erkannt“, sagte er. In seinen Augen solle der MVV den Transport übernehmen.

Viele weitere Themen

wie ÖPNV, Schulstandort, ärztliche Versorgung oder Klimaschutz kamen zur Sprache. Die komplette Diskussion gibt’s auf YouTube.

Die Bürgermeisterkandidaten aller Gemeinden aus dem Landkreis Erding haben wir für Sie in unserem Überblicksartikel zu den Kommunalwahlen 2020 aufgelistet. Alle weiteren Hintergrundberichte finden Sie auch auf unserer Themenseite für die Kommunalwahlen im Landkreis.

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