Thema Pflegezentrum: Donald Polzin (Seniorenbeirat), MdL Andreas Krahl und Grünen-Bürgermeisterkandidatin Maria Feckl informierten in Forstern.
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Thema Pflegezentrum: Donald Polzin (Seniorenbeirat), MdL Andreas Krahl und Grünen-Bürgermeisterkandidatin Maria Feckl informierten in Forstern.

Politischer Aschermittwoch der Grünen in Forstern

Pflegezentrum in kommunaler Hand?

  • Veronika Macht
    vonVeronika Macht
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Während sich andernorts Parteien am Aschermittwoch zum rhetorischen Schlagabtausch treffen, setzten die Grünen in Forstern auf Inhalte. Es ging um das geplante Pflegezentrum.

Forstern– Sie hatten zum Thema Pflegezentrum ins Schmankerlwerk geladen. Ein Thema, das auf den ersten Blick nicht unbedingt ein grünes ist, wie Bürgermeisterkandidatin Maria Feckl vor gut 40 Interessierten zugab. Aber ein Thema, das der gelernten Krankenschwester aufgrund ihres Werdegangs besonders am Herzen liegt.

Über den Sachstand zum Pflegezentrum informierte Donald Polzin vom Seniorenbeirat. Bekanntermaßen gibt es einen potenziellen Betreiber, und auch ein Grundstück wäre vorhanden. Derzeit, so Polzin, würden diverse Verträge verhandelt. Laufe alles glatt, könne der Pflegebetrieb im ersten Quartal 2022 starten. Geplant seien ambulante und stationäre sowie Kurzzeit- und Tagespflege, Betreutes Wohnen, Wohngruppen und ein Tagescafé. Vorgesehen sind insgesamt rund 100 Pflegeplätze – das alles in einem privatwirtschaftlichen Modell mit Investor.

„Was der Investor kann, kann die Kommune auch“

Andreas Krahl, pflegepolitischer Sprecher und Sprecher für Seniorenpolitik der grünen Landtagsfraktion, ist als gelernter Krankenpfleger vom Fach und lobte die Forsterner Pläne. Er warnte zwar davor, als Gemeinde den Betrieb der Einrichtung selbst zu übernehmen, fand aber, die Kommune sollte selbst bauen: „Was der Investor kann, kann die Kommune auch.“ Das kann sich Feckl nicht vorstellen. Sie plädierte jedoch dafür, das Gebäude vom Investor bauen zu lassen und dann zu kaufen. Denn: „Vom Kindergarten bis zum Seniorenzentrum: Das ist Daseinsvorsorge, die in kommunale Hand gehört.“

Krahl appellierte an die Verantwortlichen vor Ort, den gesamten sozialen Raum in das Konzept einzubinden – vom Träger über Vereine, Gesundheitsversorgung, ÖPNV, Gewerbe und Kommune bis zu bürgerschaftlichen Initiativen. Das Pflegezentrum müsse Teil des Dorfes werden. Die Integration einer Kita etwa könne ein fruchtbares Mehrgenerationenprojekt sein. Feckl könnte sich zudem vorstellen, Räume des Volksbildungswerks oder für die Mutter-Kind-Gruppe einzubetten. „Alles ist möglich, wenn die Gemeinde die Hand drauf hat“, meinte Feckl und befand: „Die Gemeinde sollte immer Einfluss haben, auch auf die Belegung.“

Sitzbänke als wichtige Sicherheitsanker für Senioren

So habe man auch die finanzielle Situation im Griff, müsse keine Rendite erwirtschaften und könne eventuell die Eigenbeteiligung senken: „Den ganzheitlichen Ansatz, Pflege und selbstbestimmt alt werden umfassender zu denken, als Teilhabe am öffentlichen Leben und Raum, finde ich sehr gut.“

Dass schon kleine Bausteine dazu beitragen können, zeigte Krahl an einem Beispiel aus Wien auf: „Egal wo, es gibt immer eine Sitzbank in Sichtweite.“ Diese seien für viele Senioren wichtige Sicherheitsanker – genauso wie öffentliche WCs.

Während Krahl Wlan in allen Zimmern des Pflegezentrums empfiehlt, damit die Bewohner mit ihren Familien in Kontakt bleiben können, erteilte er Robotern als Pflegerersatz eine Abfuhr. Assistenzrobotik in den eigenen vier Wänden hingegen könnte ein „Schlüssel sein, um möglichst lange daheim bleiben zu können“.

Familiengesundheitspflege, quasi die „Gemeindeschwester im modernen Gewand“

GAL-Stadträtin Ulli Frank-Mayer aus Dorfen, die als Zuhörerin gekommen war, warnte davor, bei einer Senioreneinrichtung zu sehr auf die Rendite zu schauen. Sie bezeichnete es als große Chance für Forstern, das Zentrum im Ort und gut vernetzt bauen zu können.

Kurz zur Sprache kam auch die Familiengesundheitspflege, quasi die „Gemeindeschwester im modernen Gewand“. Diese Fachkraft habe nicht nur eine Lotsenfunktion, sondern auch die ganze Familie im Blick. Hier könnten sich mehrere Gemeinden zusammentun.

Für Feckl sind nach wie vor viele Fragen offen, etwa wie eine konkrete Umsetzung in Hand der Kommune aussehen, oder wie man die Nachbargemeinden Buch, Pastetten, Hohenlinden und Forstinning konkret ins Boot holen könne. „Klar ist, wir brauchen einen Runden Tisch mit den Nachbargemeinden – auch zum Thema Familiengesundheitspflege“, so Feckl.

Veranstaltung online

Die Veranstaltung wurde live im Internet gestreamt. Immerhin acht User haben sich das angeschaut. Zu sehen gibt’s das Video auf https://gruenlink.de/1pmx.

vam

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