Letzter Gruß: Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge betreut 832 Kriegsgräberstätten in 46 Ländern – wie hier die deutsche Kriegsgräberstätte in Eger/Tschechien. Dafür ist der Volksbund auf Spenden angewiesen, die unter anderem die Kriegervereine sammeln. Forstern geht dabei heuer neue Wege.
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Letzter Gruß: Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge betreut 832 Grabstätten in 46 Ländern – wie hier die deutsche Kriegsgräberstätte in Eger/Tschechien. Dafür ist der Volksbund auf Spenden angewiesen, die unter anderem die Kriegervereine sammeln. Forstern geht dabei heuer neue Wege.

Verein Forstern verzichtet wegen Corona auf Haussammlungen – Modell für die Zukunft?

Kriegsgräber: Spendenaufruf per Post

  • Veronika Macht
    vonVeronika Macht
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Dem Erhalt von Kriegsgräbern hat sich der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge verschrieben. In Forstern kann man dafür heuer erstmals per Überweisung spenden.

Forstern – Eigentlich würden die Sammler der Krieger- und Reservistenkameradschaft Forstern in den kommenden Wochen in der Gemeinde von Haus zu Haus ziehen und die Bürger um Spenden bitten. Um Spenden für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge – die Haussammlungen haben eine lange Tradition.

Doch wie so vieles in diesem Jahr werden auch diese Ehrenamtlichen in ihrer Tätigkeit von Corona ausgebremst. Der Verein geht deshalb heuer neue Wege, um Sammler und Spender zu schützen – und entwickelt so vielleicht ein Modell für die Zukunft.

„Wir haben uns gemeinschaftlich mit den Sammlern dazu entschieden, auf die persönliche Haussammlung zu verzichten und so mögliche Infektionsrisiken zu vermeiden“, erklärt Vorsitzender Stefan Ganghofer. Er hat einen Sammlungsaufruf an die Bürger formuliert, den auch Bürgermeister Rainer Streu unterzeichnet hat und der im Mitteilungsblatt der Gemeinde veröffentlicht wurde. Zudem hat die Kameradschaft eine Wurfsendung angefertigt und insgesamt 1150 Briefe an die Haushalte der Gemeinde verteilt.

Den Schreiben liegen jeweils vorausgefüllte Überweisungsträger bei. Da die Sammlung zeitlich begrenzt ist, werden die Bürger gebeten, die Überweisung mit ihrer Spende bis spätestens 30. November bei ihrer Hausbank abzugeben.

Die jährliche Haussammlung wird im Auftrag des Volksbunds durchgeführt, den die Krieger- und Reservistenkameradschaft Forstern seit Jahrzehnten ehrenamtlich unterstützt – so wie viele andere Vereine auch: Im Erdinger Landkreis sind es laut Ganghofer im Normalfall rund 50 Krieger- und Reservistenvereine. Nach aktuellem Stand wisse der Volksbund noch nicht genau, welche Vereine heuer überhaupt sammeln und wenn ja, auf welche Weise. „Es ist für die Vereine derzeit nicht einfach, eine Sammlung zu organisieren. Das ist mit viel Arbeit verbunden“, sagt Ganghofer.

Dabei sei der Volksbund auf Spenden angewiesen. Das Geld braucht er für seine vielen Projekte. Gegründet im Jahr 1919, betreut die Organisation im Auftrag der Bundesregierung heute 832 Kriegsgräberstätten in 46 Staaten. Fast 2,8 Millionen Tote beider Weltkriege haben dort eine würdige letzte Ruhestätte gefunden. Die Schicksale von mehr als 4,8 Millionen Kriegstoten und Vermissten stellt der Volksbund in seinem Angebot „Gräbersuche Online“ bereit. „Auch unsere gefallenen Soldaten der Gemeinde Forstern sind auf Soldatenfriedhöfen beerdigt oder werden noch vermisst“, so Ganghofer.

Das Engagement der Vereine bei den jährlichen Haussammlungen gelte als Mahnmal gegen das Vergessen der Gräueltaten des Ersten und Zweiten Weltkriegs. „Wir leben in der längsten Friedensphase und können seit mehr als 75 Jahren friedlich unser Leben führen. Dieser Umstand ist jedoch keine Selbstverständlichkeit, deshalb unterstützen wir tatkräftig den Volksbund“, heißt es in dem Aufruf weiter. Ganghofer und Streu bitten die Bürger darum, auch in Corona-Zeiten an die Kriegsgräberfürsorge zu denken und mitzuhelfen, „damit der Volksbund seinen humanitären und gesamtgesellschaftlich bedeutsamen Auftrag erfolgreich fortführen kann“.

Die Krieger- und Reservistenkameradschaft Forstern hat in den vergangenen Jahren im Schnitt 3700 Euro gesammelt, voriges Jahr waren es sogar mehr als 4000 Euro. „Wir sind insgesamt zehn Sammler, davon sind sieben bereits über 65 Jahre alt und somit in der Risikogruppe“, erklärt Ganghofer und ergänzt: „Ich versuche schon seit mehreren Jahren, neue Sammler zu finden, was aber bisher nicht gelungen ist.“

Nachwuchs für diese Aufgabe zu finden, sei also schwierig. Vielleicht, so der Vorsitzende weiter, sei es deshalb an der Zeit, die Sammlung auch künftig mit einem Spendenaufruf per Briefzustellung zu organisieren – „auch wenn das mit einem gewissen Aufwand verbunden ist“. Ganghofer und seine Mitstreiter hoffen, dass die Bevölkerung trotz des fehlenden persönlichen Kontakts genauso viel spendet wie in den vergangenen Jahren.

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