Ein ganzes Ensemble an Möbelstücken umfasst die Läuger-Stube, die jetzt im Heimatmuseum der Gemeinde Forstern zu sehen ist – von der Truhe über das Kanapee, den Esstisch mit Eckbank und Stühlen sowie die Vitrine bis hin zur Anrichte und dem Betstuhl (v. r.)
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Ein ganzes Ensemble an Möbelstücken umfasst die Läuger-Stube, die jetzt im Heimatmuseum der Gemeinde Forstern zu sehen ist – von der Truhe über das Kanapee, den Esstisch mit Eckbank und Stühlen sowie die Vitrine bis hin zur Anrichte und dem Betstuhl (v. r.)
Waren in der ganzen Gemeinde bekannt: Hildegard und Gottfried Läuger.
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Waren in der ganzen Gemeinde bekannt: Hildegard und Gottfried Läuger.
Gegenstände von Abbé Cousin in einer Vitrine.
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Gegenstände von Abbé Cousin in einer Vitrine.
Trachtenaccessoires, aber auch Wachsstöckel und Handarbeitsutensilien der Läugers sind zu sehen.
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Trachtenaccessoires, aber auch Wachsstöckel und Handarbeitsutensilien der Läugers sind zu sehen.

Stube der Familie Läuger im Heimatmuseum

Die Läuger-Stube, ein lebendiges Stück Forsterner Geschichte

  • Veronika Macht
    vonVeronika Macht
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Das Heimatmuseum Forstern ist um ein Highlight reicher. Neben den bisherigen Ausstellungen zum Thema „Heiraten vor 100 Jahren“ und dem Bereich „Forstern feiert“ steht jetzt die sogenannte Läuger-Stube zur Besichtigung bereit

Forstern– „Es war ein glücklicher Zufall für uns“, beschreibt Ludwig Hiebinger, Vorsitzender des örtlichen Vereins für Gartenbau und Heimatpflege und federführend fürs Heimatmuseum zuständig, wie die neuen Ausstellungsstücke in den Räumen des Museums gelandet sind.

Der Besitzer der Stube, Gottfried Läuger, ist am 17. November 2015 im Alter von 86 Jahren verstorben, seine Frau Hildegard folgte ihm am 2. März 2019. Da war es an Sohn Winfried und seiner Gattin Belinda, das Haus der Eltern auszuräumen. Kurzerhand boten sie Hiebinger an, die ehemalige Stube im Museum auszustellen. „Zunächst war ich ganz baff, weil das sehr überraschend kam“, berichtet Hiebinger.

Waren in der ganzen Gemeinde bekannt: Hildegard und Gottfried Läuger.

Noch größer sei die Überraschung gewesen, als er sich die Stube vor Ort angeschaut habe – „nicht bloß ein Tisch und ein Stuhl, sondern ein ganzes Ensemble“ mit Tisch, Eckbank, Stühlen, Kanapee, Vitrine, Truhe und Anrichte, schwärmt er.

„Es macht durchaus viel Sinn, dass man das im Museum aufhebt. Das ist ein Stück Geschichte von Forstern“, meint Hiebinger. Denn nicht wenige Bürger der Gemeinde und darüber hinaus dürften sich noch an die Kindergeburtstage erinnern, die in dieser Stube, früher bei den Läugers, gefeiert wurden. Oder an die Schafkopfabende und politischen Diskussionen – Gottfried Läuger war immerhin zwölf Jahre lang im Forsterner Gemeinderat.

Geschreinert haben die Möbel im Jahr 1945 Gottfried Läuger und sein Vater Max

An den Möbeln wurde bisher nichts verändert. Ein Stuhl wackelt ein bisschen, ein paar Ecken sind abgeschlagen. „Wir haben das bewusst so gelassen, weil die Möbel eben so sind“, erklärt Hiebinger. Immerhin hat das Ensemble schon viele Jahrzehnte auf dem Buckel.

Geschreinert wurden die Möbel im Jahr 1945 von Gottfried Läuger und seinem Vater Max nach einem Entwurf des Münchner Architekten Josef Hartmann. „Es war quasi das Gesellenstück von Friedl Läuger, der eine Schreinerlehre absolviert hat“, erzählt Hiebinger. Die bäuerliche Bemalung mit Blumen stammt von Maler Willi Kirschenhofer aus Lenggries – an den Tegernsee hatten die Läugers familiäre Beziehungen. Der Original-Entwurf für das Ensemble ist ebenfalls im Museum zu sehen.

Trachtenaccessoires, aber auch Wachsstöckel und Handarbeitsutensilien der Läugers sind zu sehen.

Das Haus der Läugers war einst eine Schmiede, bevor es von ihren Ahnen übernommen und als Wagnerei weitergeführt wurde. Das Holz und die Maschinen für die Möbel stammten aus der Wagnerei – also aus Familienbesitz.

Die Nähmaschine zwischen den Möbeln stammt zwar nicht aus dem Hausstand der Läugers, „aber so eine Nähmaschine gehörte einfach auch zu so einer Stube. Und Hildegard Läuger hat viel genäht und handgearbeitet“, weiß Hiebinger. So war sie zum Beispiel in Hardanger, einer traditionellen Sticktechnik aus Skandinavien, sehr aktiv. Stickschablonen aus Kupferblech und diverse Modeln aus dem Besitz der Läugers finden sich dann auch in der Glasvitrine, ebenso wie christliche Wachsstöckel, Rosenkränze, Trachtenaccessoires und ein Fatschenkindl. Daneben stehen Bierkrüge und -gläser, die Gottfried Läuger geschenkt bekommen hat in seinen Funktionen als Gemeinderat oder Vorsitzender des FC Forstern – dieses Amt hatte der „Mister FC Forstern“ 25 Jahre lang inne (siehe unten).

„Das passt hier wunderbar zusammen“

Der Betstuhl neben der Anrichte samt Madonna und Rosenkranz „stand ebenfalls original so bei den Läugers. Das passt hier wunderbar zusammen“, findet Hiebinger und kennt auch die Geschichte hinter diesen Gegenständen: Sie stammen aus dem Besitz des französischen Pfarrers Abbé Marcel Cousin, der im 2. Weltkrieg im Läuger-Haus seine tägliche Messe gelesen hat (siehe unten). Diverse Gegenstände, die er für die Gottesdienste gebraucht hat – unter anderem Messgewand, Kelche und Kreuze – sind neben dem Betstuhl in einer Vitrine ausgestellt.

Die offizielle Eröffnung soll nachgeholt werden

Für die Läuger-Stube hat Hiebinger schon im vorigen Sommer eigens einen Holzboden verlegt. Es wurde ein passender Fensterrahmen von Willy Huber aus Bocköd an die Wand gehängt, eine Wand eingezogen, die Lampe über dem Tisch installiert und die Stube schließlich eingerichtet – mit Hilfe von Rosi Bardtfeld, Roswitha und Fritz Riepl sowie Annemarie und Richard Kinzner. Präsentiert werden sollen hätte die neue Ausstellung eigentlich im März bei der Jahreshauptversammlung, doch die fiel bekanntermaßen den Corona-Beschränkungen zum Opfer.

Da das Eichermuseum, in dem sich das Heimatmuseum befindet, inzwischen wieder besuchbar ist, kann man die Läuger-Stube zu deren Öffnungszeiten besichtigen. Eine offizielle Eröffnung ist geplant, wenn die Jahreshauptversammlung nachgeholt werden kann. Und später kann sich Hiebinger auch kleine Veranstaltungen wie Lesungen oder einen Hoagarten dort vorstellen. „So könnten wir die Stube mit Leben erfüllen“, hofft er.

Öffnungszeiten von Eicher- und Heimatmuseum

Das Heimatmuseum kann man zu den Öffnungszeiten des Eichermuseums besichtigen: samstags von 12 bis 18 Uhr und sonntags von 10 bis 18 Uhr. Es gelten Hygieneregeln: Eintritt nur mit Mund-Nasen-Schutz, 1,50 Metzer Mindestabstand, keine Berührung der Ausstellungsobjekte, Beachtung der Wegepfeile.

Ehrenbürger Gottfried Läuger

Gottfried Läuger (1929-2015) war ein Forsterner mit Leib und Seele. Zwar erlernte er, der mitten im Ort lebte, in den 1940er Jahren das Handwerk des Schreiners, jedoch arbeitete er später als Postbeamter – ein Beruf, durch den er fast alle Bürger von Forstern und Umgebung kennenlernte. Bekannt ist Läuger auch als „Mister FC Forstern“. Den Sportverein mit „unzähligen Unterabteilungen, mit einer hervorragenden, weitläufigen Sportanlage, mit einer beispielhaften Jugendarbeit gäbe es nicht, hätte nicht Gottfried Läuger 25 Jahre lang die Geschicke des FC Forstern geleitet“, schreibt der ehemalige Bürgermeister Georg Els in der Chronik von Forstern über Friedl Läuger. 

Er war von 1962 bis 1987 Vorsitzender des FC, wurde später zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Von 1966 bis 1978 war Läuger zudem Mitglied des Gemeinderats der Gemeinde Forstern und außerdem weit mehr als 50 Jahre Mitglied im Kirchenchor. In Anerkennung all dieser Verdienste hat der Gemeinderat 1995 beschlossen, Läuger die Bürgermedaille zu verleihen. Die Übergabe durch den damaligen Bürgermeister Josef Eicher fand mit der Einweihung des neuen Sportplatzes am 29. Juli 1995 statt.

Abbé Cousin, der französische Pfarrer

In Forstern waren im 2. Weltkrieg an die 25 französische Kriegsgefangene einquartiert – darunter der französische Pfarrer Abbé Marcel Cousin, kurz der Abbé genannt, der im Eicher-Betrieb als Leiter des Ersatzteillagers beschäftigt war. Dabei lernte er etwa 1943 Max Läuger kennen, der ihm anbot, in seinem Haus einen Raum einzurichten, in dem der Abbé seine tägliche Messe lesen konnte, auch im Beisein von anderen französischen Gefangenen. Ganz gefahrlos war dies nicht, da es eigentlich verboten war. Später konnte er in der sogenannten Tankholzhalle, die an der Stelle der heutigen Gaigl-Halle stand, Sonntagsgottesdienste für die Gefangenen abhalten. 

Gegenstände von Abbé Cousin in einer Vitrine.

Weil bei Kriegsende die Amerikaner deutsche Soldaten im Läuger-Haus fanden, musste die Familie ihr Haus räumen. Durch die Intervention des Abbé, der bei den Amerikanern ein gutes Wort für die Läugers einlegte, konnten sie bald wieder in ihr Haus einziehen. Der Abbé kehrte in seine französische Heimat zurück. 1951 kam er mit zwei höheren Geistlichen aus seiner Diözese nach Forstern zurück, um seinen Begleitern zu zeigen, wo er seine Gefangenschaft verbracht hatte. 

Seitdem kam er fast jedes Jahr nach Forstern, logierte im Hause Läuger, besuchte Bekannte und freundete sich unter anderem mit Pfarrer Korbinian Riedmaier an, mit dem er öfters Gottesdienste zelebrierte. Ende 1997 starb der Abbé. Im Jahr darauf durfte Friedl Läuger im Heimatort des Abbé bei der Enthüllung einer Gedenktafel für ihn und und die entstandene deutsch-französische Freundschaft mitwirken. Mit dabei waren seine Frau Hilde, sein Sohn Winfried mit Frau Belinda, das Ehepaar Fritz und Trude Dworzak und Henry Pritschet. Bis heute besteht noch eine lockere Verbindung zur Verwandtschaft des Abbé.

Vroni Macht

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