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Elf Monate Freiwilligendienst 

Musik aus Forstern für Kinder in Peru

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Ein Jahr lang hat Lisa-Marie Mayer (20) aus Forstern in Südamerika verbracht. Bei einem Freiwilligenprojekt in Peru hat sie nicht nur fließend Spanisch gelernt, sondern auch vieles über das Leben – und sich selbst.

Forstern– Abenteuer erleben, fremde Kulturen kennenlernen, eine neue Sprache sprechen – und dabei auch noch helfen: Mit diesen Vorsätzen und dem Abitur in der Tasche war Lisa-Marie Mayer im Februar 2017 nach Peru aufgebrochen (wir berichteten). Jetzt, zwölf Monate später, ist die heute 20-Jährige zurück in ihrer Heimat – und erlebt gerade so etwas wie einen kleinen Kulturschock.

„Als ich daheim in meinen Kleiderschrank geschaut hab, war ich erst mal total überfordert von den vielen Klamotten“, erzählt die junge Frau mit den dunklen Locken. Denn in den zwölf Monaten in Südamerika hatte sie nur einen Koffer und einen großen Rucksack dabei. „Man kommt aber ganz gut zurecht mit den paar Sachen. Man wäscht einfach öfter“, sagt sie. Und den ganzen Überfluss, den brauche man zum Leben eigentlich gar nicht.

Diese Erkenntnis ist nur eine von vielen, die Mayer in Peru gewonnen hat. Sie hat in der fremden Kultur auch einiges über sich selbst gelernt. „Die ganze innere Einstellung ändert sich, zum Beispiel die Wahrnehmung der Zeit“, erzählt Mayer. „Die Peruaner leben mit der Zeit, nicht wie die Deutschen nach der Zeit. Sie ist in Peru kein Faktor, sich stressen zu lassen.“ Das musste auch die junge Forsternerin erst lernen.

Nach Peru gekommen ist sie über das Programm „weltwärts“ der Organisation AFS Interkulturelle Begegnungen, das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert wird. Ihr Ziel aussuchen können sich die Freiwilligen dabei nicht. „Wir konnten nur fünf Wunschländer angeben“, berichtet Mayer, die neben Südafrika und den Philippinen eben auch Peru auf ihrer Liste hatte.

Dass sie dorthin reisen wird, das wusste sie schon einige Monate im Voraus. Erst eine Woche vor der Abreise hingegen erfuhr Mayer, dass ihre neue Heimat auf Zeit Chincha sein wird, eine Küstenstadt etwa 200 Kilometer südlich von Lima. Mit kaum Spanischkenntnissen war die junge Frau in ihr großes Abenteuer gestartet.

Weihnachtskonzert bei Sommergraden

Jetzt, nach zwölf Monaten, spricht sie die Sprache fließend. „Das ist eines der großen Geschenke dieses Jahres“, sagt Mayer, die mit Freiwilligen unter anderem aus Argentinien und Venezuela zusammengearbeitet hat.

Eingesetzt war sie in einem künstlerisch-musikalischen Projekt, das die Tochter ihrer Gasteltern leitet. „Ich hätte es nicht besser treffen können. Ich habe Kindern Geigen-, Klavier- und Chorunterricht gegeben. Das hatte ich mir gewünscht“, schwärmt Mayer, deren Leidenschaft die Musik ist. Die meisten Kurse waren für die Kinder kostenlos, denn sie hätten sonst keine Möglichkeit, ein Instrument zu erlernen. „Das wird dort nicht so gefördert wie bei uns“, es gebe keine Musikschulen.

„Musik verbindet über Sprache und Kontinente hinweg. Diese Erfahrungen sind einzigartig“, erzählt Mayer und freut sich, dass ein Stück von ihr Bestand in Peru haben wird – in Form eines Orchesters, das sich aus ein paar wenigen Geigenschülern entwickelt und zuletzt sogar ein Weihnachtskonzert mit rund 80 Kindern gegeben hat. Mit Christbaum und Zipfelmützen, aufgrund der Temperaturen aber im T-Shirt, wurde chinchanische und afrikanische Weihnachtsmusik gespielt.

Afrikanisch, denn in Chincha leben besonders viele Peruaner mit afrikanischen Wurzeln. Entsprechend dunkelhäutig sind die Menschen. „So viel hinterhergepfiffen wie in diesem Jahr wurde mir noch nie“, erzählt Mayer lachend. „Das war aber nicht negativ oder unangenehm, sondern man fällt mit heller Haut eben auf“, sagt die junge Frau, die ab dem Wintersemester Kommunikationswissenschaften und Psychologie studieren will.

Obwohl ihre Gastfamilie vergleichsweise wohlhabend gewesen sei, sei sie bei ihrer Arbeit als Musiklehrerin auch mit der Armut in Berührung gekommen. Viele Menschen hätten kein fließendes Wasser, manche Kinder nur eine einzige Hose, die landestypische Küche mit Reis, Fleisch und Kartoffeln sei einfach. Sie selbst bekam im Freiwilligendienst neben Verpflegung und Unterkunft auch monatlich 100 Euro Taschengeld. „Und wenn man sparsam ist, kommt man damit durch.“

So viele tolle Momente sie in Peru erlebt habe – auch ein weniger schöner war dabei: „Einmal bin ich ausgeraubt worden“, berichtet Mayer. Zwei Männer auf dem Motorrad sind von hinten an sie herangefahren und haben ihr die Handtasche entrissen.

„Mein Herz ist an Peru vergeben“

„Zum Glück war nichts Wichtiges drin. Handy, Geld und Schlüssel hatte ich immer am Körper.“ Man lerne schnell, seine Wertsachen zu verstecken. Trotz dieses Erlebnisses habe sie „in keiner Sekunde“ Angst gehabt.

Nach elf Monaten im Freiwilligendienst hat Mayer das Jahr noch mit einem Monat Reisen durch Uruguay, Argentinien, Chile und Bolivien vollgemacht. Sie tourte durch den Dschungel, badete im Amazonas, besuchte Machu Picchu, wanderte auf 5000 Metern Höhe in den Anden, verbrachte Silvester am Strand und lernte den landestypischen Tanz Festejo.

Dabei sind nicht nur tausende Fotos entstanden, sondern auch unzählige unvergessliche Erinnerungen. „Es war einfach unglaublich“, schwärmt Mayer auch Wochen nach ihrer Rückkehr. Materielle Souvenirs hingegen hat sie kaum mitgebracht. Socken und Handschuhe aus Alpaka landeten im Koffer, genauso wie eine Peru-Flagge mit den Unterschriften all ihrer neuen Freunde.

Ein Wiedersehen mit Peru wird es auf jeden Fall geben, da ist sich Mayer sicher. „Ein Besuch steht definitiv an“, sagt sie. Immerhin hat sie in ihrem Abenteuer auch eine große Liebe gefunden: „Mein Herz ist an Peru vergeben“, sagt sie lachend.

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