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Noch sind die Auslagen der Metzgerei Wintermayr voll. Doch in einer Woche werden Franz und Rudi Wintermayr (v. r.) ihre Metzgerei für immer zusperren. 

Nach fast 40 Jahren in Forstern 

Metzgerei Wintermayr schließt

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Nach fast 40-jähriger Geschäftstätigkeit in Forstern schließt die Metzgerei Wintermayr zum Monatsende. Immer weniger Kunden, immer mehr Bürokratie und keine Nachfolger: Die Inhaber Franz und Rudi Wintermayr haben einige Gründe für ihren Schritt.

Forstern– Wenn in einer Woche der Samstag zu Ende geht, sperren Franz und Rudi Wintermayr ihre Metzgerei in Forstern zu. Nicht bis Montagfrüh, sondern für immer. Die Brüder geben das Geschäft nach fast 40 Jahren am Ort auf. Den Familienbetrieb hatten sie 2009 vom Vater übernommen und in eine GmbH umgewandelt. Der Senior hatte Metzgerei und Schlachthaus 1980 gekauft. „Ich habe in diesem Betrieb gelernt und arbeite schon immer hier“, sagt Rudi Wintermayr (46). Auch sein vier Jahre älterer Bruder war bis auf wenige Jahre stets in der heimischen Metzgerei tätig.

Beide sind Metzgermeister und lieben ihren Beruf eigentlich. „Es ist eine tolle und kreative Arbeit. Man macht jeden Tag etwas anderes und sieht sofort, was man geschaffen hat“, schwärmt Rudi. Und auch Franz, der für die CSU im Forsterner Gemeinderat sitzt, ist Metzger mit Leidenschaft. „Wenn man einen schönen Schinken selbst produziert, ist das toll. Aber wenn so viele Störgeräusche nebenher dabei sind, macht das keinen Spaß mehr. Da wird einem wirklich die Freude genommen.“

Und die Störgeräusche hätten in den vergangenen Jahren immer mehr zugenommen, sagen die beiden. Erst vor einigen Jahren hat das Unternehmen die EU-Zulassung erhalten. „Da war noch alles in Ordnung. Jetzt kommen immer wieder Auflagen dazu, da hat man keine Lust mehr“, sagt Franz Wintermayr resigniert.

Im vorigen Jahr habe die Lebensmittelüberwachung im Landratsamt den Betrieb kontrolliert. Ergebnis: Boden, Fliesen – vieles müsste saniert werden. „Da haben wir entschlossen, dass wir lieber aufhören. Die Frage war, ob man sich das überhaupt noch antun will“, sagt der 50-jährige Familienvater.

Die Großen würden immer größer, während die kleineren Betriebe verschwinden. Für sie würde es immer schwieriger, die Auflagen immer mehr. Die Betäubungszange zum Beispiel sei nicht mehr zulässig. Eine neue koste 5000 Euro. „Das läppert sich. Es sind viele Sachen, die stören und die Lust nehmen“, klagt Franz Wintermayr. Zum Beispiel, dass man keine Vollzeit-Verkäuferinnen mehr bekomme. Zu Hochzeiten waren in der Metzgerei Wintermayr inklusive Putzfrau zehn Mitarbeiter beschäftigt, jüngst sind es immer weniger geworden. Der aktuelle Lehrbub wird nun seine Ausbildung bei der Metzgerei Wohlmuth in Pastetten beenden.

„Ich habe meinen Beruf gerne gemacht, aber inzwischen muss man so vieles zusätzlich stemmen“, sagt Franz Wintermayr. Sein Bruder Rudi ergänzt, dass Büroarbeit und Dokumentation immer mehr würden.

Hinzu komme, dass das Geld „gerade so“ reiche. „Es ist nicht mehr wie früher, dass man damit reich werden kann. Doch wenn nichts übrig bleibt, wie will man da investieren, obwohl es nötig wäre?“, erklären die beiden ihr Dilemma. Den Laden umbauen – unter 100 000 Euro gehe da nichts. Momentan würde ein umgestaltetes Geschäft vielleicht wieder mehr Leute anziehen. Aber ob man die Investition wieder reinarbeiten könne? „Wir sind kein riesiger Konzern, ich muss persönlich dafür haften. Das ist mir zu risikoreich“, sagt Franz Wintermayr.

Außerdem: Für wen sollten sie investieren? Aus der eigenen Familie ist kein Nachfolger in Sicht. Rudi hat keine Kinder, und die drei Töchter von Franz – die älteste ist 14 Jahre alt, die anderen beiden sind im Grundschulalter – wollen andere Berufe lernen.

Und wenn man in rund 15 Jahren selbst aufhöre, überlege man sich größere Investitionen doppelt. „Wir müssten einen Kredit aufnehmen, 100 000 Euro sind da gleich beisammen. Die muss man aber auch wieder reinbekommen. Es ist ja nicht gesagt, dass es besser wird“, sagt Franz Wintermayr.

Denn das Geschäft stagniere seit einiger Zeit. „Die Leute kaufen einfach nicht mehr beim Metzger ein“, klagen die Meister. Viele hätten keine Zeit mehr, in mehrere Geschäfte zu gehen, und der Supermarkt habe ja alles vorrätig – auch das Grillfleisch am Samstag noch kurz vor Ladenschluss. Eine kleine Metzgerei könne da nicht mithalten.

„Die Stammkundschaft stirbt weg, und neue kommt nicht nach“, sagt Rudi Wintermayr. Die Jungen kämen schon mal, aber dann nur für eine Leberkässemmel oder wenn sie etwas Besonderes brauchen. Aber nicht jede Woche für den großen Wocheneinkauf.

Die Entscheidung, den Laden zu schließen, sei ihnen nicht leicht gefallen, beteuern die Brüder. Auch, weil sie sich jetzt beruflich neu orientieren müssen. Mit 46 beziehungsweise 50 Jahren sicher kein leichter Schritt.

Zunächst jedoch müssen die Räume ausgeräumt, Maschinen und Inventar verkauft werden. Das alles dauert seine Zeit. Alleine ein Jahr wird vergehen, bis die GmbH liquidiert ist. Das Schlachthaus selbst – „da kann man doch nichts mehr investieren“, sagen die beiden. Also abreißen und mit Wohnhäusern bebauen? „Das wäre wenigstens nachhaltig“, sagt Franz Wintermayr. Und davon hätten dann auch seine Kinder in der Zukunft noch was.

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