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Pflegezentrum: Forstern hat die Wahl

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Von: Veronika Macht

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Wer darf hier bauen? Am südlichen Rand der Gemeinde ist eine Fläche (rot markiert) für ein neues Pflegeheim vorgesehen. Gleich zwei Investoren haben Interesse angemeldet und ihre Pläne vorgestellt.
Wer darf hier bauen? Am südlichen Rand der Gemeinde ist eine Fläche (rot markiert) für ein neues Pflegeheim vorgesehen. Gleich zwei Investoren haben Interesse angemeldet und ihre Pläne vorgestellt. © Googlemaps/Vroni Macht

Lange Zeit war es ruhig um das geplante Pflegezentrum für Senioren in Forstern. Jetzt nimmt das Projekt wieder Fahrt auf. Zwei potenzielle Betreiber samt Investoren stehen in den Startlöchern.

Forstern - Gleich zwei Investoren interessieren sich für das im Süden der Gemeinde angedachte neue Seniorenzentrum. Der eine regional verwurzelt mit Standorten in Bayern, der andere international im Geschäft. Beide stellten sich und ihre Konzepte dem Gemeinderat vor. Eine Entscheidung, welches zum Zuge kommen wird, wurde dabei noch nicht gefällt.

Die Firmengruppe Pichlmayr aus Eggenfelden ist im Landkreis keine Unbekannte. Sie betreibt Wohn- und Pflegeheime in Erding, Isen, Wartenberg und Taufkirchen – insgesamt sind es 21 vollstationäre Pflegeeinrichtungen in Ober- und Niederbayern mit rund 1700 Bewohnern. Etliche davon wurden gemeinsam mit dem Immobiliendienstleister Schleich & Haberl aus Pfarrkirchen realisiert. Zusammen wollen sie in Forstern ein Seniorenquartier schaffen, das in zwei dreigeschossigen Baukörpern verschiedene Wohnformen kombiniert.

Dazu gehören im größeren Gebäude 64 bis 68 vollstationäre Pflegeplätze, vier eingestreute Tagespflegeplätze, sechs barrierefreie Wohnungen für Betreutes Wohnen und ein Café. Eingestreute Kurzzeitpflege sei immer möglich, sofern Plätze im vollstationären Bereich frei sind, erklärte Geschäftsführer Florian Pichlmayr. Da das Angebot einer Kurzzeitpflege dem Gemeinderat jedoch besonders wichtig ist, seien auch vier feste Pflegeplätze denkbar, wobei die Gemeinde deren Kosten bei Leerstand übernehmen müsste. „Und wenn alle Stricke reißen, besteht immer noch die Möglichkeit, Kurzzeitpflege in einem unserer anderen Häuser anzubieten, wo ein Platz frei ist“, erklärte Pichlmayr. Einen ambulanten Pflegedienst hat sein Unternehmen selbst nicht, hier würde man mit der Pflegeambulanz Hohenlinden zusammenarbeiten.

In einem zweiten Baukörper sollen 20 barrierefreie Eigentums- und Mietwohnungen zur freien Verfügung entstehen – für Mitarbeiter, aber auch für Senioren oder gesundheitlich eingeschränkte Bürger. Man brauche durchaus Wohnraum fürs Personal, erklärte Pichlmayr, aber „in sehr überschaubarem Rahmen“. Er rechnet bei rund 70 Bewohnern mit etwa gleich vielen Köpfen an Mitarbeitern, wobei nicht alle in Vollzeit arbeiten würden.

Auf Nachfrage von Bürgermeister Rainer Streu (AWG) erklärte der Geschäftsführer, dass man ambulant betreute Wohngemeinschaften für Demenzkranke nicht anbiete. Über eine stationäre Gruppe müsse man bei den weiteren Planungen reden.

Etwas anders sieht das Konzept aus, das Melanie Domke und Antje Barra von Renafan zusammen mit Christopher Dobsch vom Investor Hemsö, beide Unternehmen mit Sitz in Berlin, vorstellten. Die Renafan Group betreut an Standorten hauptsächlich in Deutschland, aber auch in Österreich und China mehr als 8000 Kunden. Das Personal wird an einer eigenen Pflegeschule ausgebildet, hinzu kommen Rekrutierungen etwa in der Balkanregion. Die Hemsö Fastighets AB aus Schweden besitzt, entwickelt und verwaltet Sozialimmobilien in Deutschland, Schweden und Finnland.

Ihr Konzept für Forstern umfasst ebenfalls zwei Gebäude mit drei Vollgeschossen. Geplant sind Betreutes Wohnen mit Wohnungen zwischen 35 und 50 Quadratmetern, rund 60 stationäre Pflegeplätze mit eingestreuter Kurzzeitpflege, ein Restaurant auch für Gäste und zehn bis zwölf Wohnungen für Mitarbeiter. Feste Kurzzeitpflegeplätze sind auch hier nicht vorgesehen, jedoch sei eine Lösung in Kooperation mit der Gemeinde ebenfalls denkbar.

Die größten Unterschiede zum Pichlmayr-Konzept: Renafan möchte eine eigene Tagespflege mit 20 Plätzen sowie zwei Demenz-WGs mit je zwölf Plätzen etablieren. Für die Betreuung der Einrichtung soll vor Ort ein eigener ambulanter Pflegedienst neu gegründet werden. Die Renafan-Vertreterinnen betonten mehrfach, dass man bei allen Angeboten größten Wert darauf lege, die Kunden individuell zu betreuen: „Wir schauen, was gewollt und gewünscht ist und versuchen, einen Weg zu finden, das bieten zu können“, sagte Domke.

Einige Gemeinderäte sowie Vertreter des bisherigen Seniorenbeirats stellten in der insgesamt dreistündigen Präsentation der beiden Konzepte viele Fragen, die teils sehr ins Detail gingen. Mehrere Räte betonten dabei, dass es wichtig wäre, dass Bürger aus Forstern ein bevorzugtes Belegungsrecht bekommen. „Wir wollen kein Pflegezentrum in Forstern, sondern ein Pflegezentrum für Forstern“, sagte etwa Franz-Josef Obermaier (AWG).

Dies könne man durchaus sicherstellen, in den Häusern in der Umgebung werde bereits so verfahren, stellte Schleich mit dem Pichlmayr-Konzept in Aussicht. Die Renafan-Vertreter waren bei der Frage etwas zurückhaltender. Es gebe keinen Rechtsanspruch, sagte Domke. Man könne aber mit Wartelisten arbeiten.

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